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Die meisten Rauchmelder müssen verschraubt werden. Es gibt aber auch Modelle mit magnetischen Klebepads.
Die meisten Rauchmelder müssen verschraubt werden. Es gibt aber auch Modelle mit magnetischen Klebepads.(Foto: imago stock&people)

Vom Kauf bis zum Feuerwehreinsatz: Rauchmelder: Das sollte man wissen

Von Isabell Noé

Rauchmelder sind in vielen Bundesländern Pflicht, und das aus gutem Grund. Im Ernstfall können sie Leben retten. Reicht ein Modell für fünf Euro oder wie viel sollte man investieren? Müssen Kettenraucher auf dem Balkon qualmen? Und wie verhindert man lästige Fehlalarme?

Ein tiefer Schlaf gilt gemeinhin als Segen. Doch manchmal kann er tödlich sein. Schlummernde blenden nicht nur die Geräusche der Außenwelt aus, auch der Geruchssinn macht Pause. Und das kann verheerende Folgen haben. Die meisten der über 400 Menschen, die jedes Jahr in Deutschland bei Bränden ums Leben kommen, werden nachts vom Feuer überrascht. Wer den beißenden Qualm nicht rechtzeitig riecht, droht daran zu ersticken. Schon drei Atemzüge mit Brandrauch können tödlich sein. Rauchmelder sollen verhindern, dass es so weit kommt. In vielen Bundesländern sind sie schon Pflicht, in manchen werden sie es bis zum Ende des Jahres. Doch auch wenn die kleinen Geräte zweifelsfrei sinnvoll sind, sind nicht alle über den Einbau begeistert. Die einen fürchten nervendes Blinklicht an der Schlafzimmerdecke, andere haben Angst vor Fehlalarm, wenn sie in der Wohnung Kette rauchen. Zu Recht? Hier ist alles, was man zu Rauchmeldern wissen sollte.

Wer muss Rauchmelder haben und wird das kontrolliert?

Rheinland-Pfalz war Vorreiter in Sachen Rauchmelder, schon seit Ende 2003 sind die Geräte bei Neu- und Umbauten dort Pflicht, 2012 musste auch in allen anderen Wohnungen nachgerüstet werden. Inzwischen sind fast alle Bundesländer dem Beispiel gefolgt. Seit Anfang des Jahres müssen alle Wohnungen in Sachsen, Niedersachsen und Bremen über Rauchmelder verfügen, in Bayern und Nordrhein-Westfalen können sich Hausbesitzer noch bis Ende 2016 Zeit lassen. Überall sonst gilt die Einbaupflicht schon flächendeckend – außer in Berlin und Brandenburg. Dort müssen die Bauordnungen noch entsprechend geändert werden.

Theoretisch drohen Eigentümern hohe Bußgelder, wenn ein vorgeschriebener Rauchmelder fehlt. Doch außer bei Neubauten dürfte das Versäumnis kaum auffallen – es sei denn, ein Bewohner beklagt sich, dass der Vermieter seiner Pflicht nicht nachkommt. Großangelegte Rauchmelder-Kontrollen gibt es jedenfalls nicht. Mancherorts machen sich Trickbetrüger die neuen Vorschriften zunutze. Unter dem Vorwand, die Rauchmeldeanlagen kontrollieren zu wollen, verschaffen sie sich Zugang zum Haus, um es für folgende Einbrüche auszukundschaften.

Was, wenn der Mieter schon einen Rauchmelder hat?

Die meisten Brände entstehen nicht aus Unachtsamkeit, sondern wegen technischer Defekte.
Die meisten Brände entstehen nicht aus Unachtsamkeit, sondern wegen technischer Defekte.(Foto: imago/Müller-Stauffenberg)

Um den Einbau des Rauchmelders muss sich der Eigentümer kümmern. Aber was, wenn der Bewohner dem Vermieter zuvorgekommen ist und schon freiwillig einen Rauchmelder eingebaut hat? Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der Hausbesitzer darauf keine Rücksicht nehmen muss. (Az. VIII ZR 216/14 und 290/14). Es liege in seinem Interesse, den Wohnungsbestand einheitlich auszustatten, fand das Gericht. Außerdem sei es sicherer, wenn Einbau und Wartung aus einer Hand erfolgten.

In welchen Räumen sollten Rauchmelder hängen?

Die jeweiligen Landesbauordnungen legen fest, welche Räume mit Rauchmeldern ausgestattet werden müssen. Sinnvollerweise sollten die Geräte in allen Räumen hängen, in denen geschlafen wird. Also Schlaf- und Kinderzimmer, gegebenenfalls auch Gästezimmer. Auch auf Fluren sind Rauchmelder hilfreich. In Küche und Bad dagegen weniger. Hier könnten zumindest günstige Modelle bei Wasserdampf Alarm auslösen. Wer sich auch hier schützen will, kann auf Wärmemelder oder CO2-Melder zurückgreifen.

Welches Gerät soll man nehmen?

Rauchmelder bekommt man schon für fünf bis zehn Euro. Besser, man gibt etwas mehr aus, denn die günstigen Modelle laufen mit Alkali-Batterien und die müssen gelegentlich gewechselt werden. Wer sich den Aufwand sparen will, investiert in ein Gerät mit Lithium-Ionen-Batterie. Hier sollte man mindestens zehn Jahre Ruhe haben. Die Stiftung Warentest hat sich kürzlich 20 Geräte angesehen. Für einen guten Rauchmelder, der nicht störungsanfällig ist, aber bei Bränden zuverlässig Alarm schlägt, muss man demnach kein Vermögen investieren. Eines der besten Modelle im Test, der Detectomat HDv Sensys kostet nur 20 Euro.

Bei Häusern und sehr großen Wohnungen können sich Rauchmelder mit Funkverbindung sinnvoll sein. Dann schlagen alle Geräte Alarm, wenn es beispielsweise im Keller brennt. Funkmelder sind aber relativ teuer, ab 60 Euro gehen die Preise los.

Können Raucher überhaupt noch bedenkenlos zu Hause qualmen?

Nur wer als Kettenraucher nie lüftet, sollte sich Gedanken machen.
Nur wer als Kettenraucher nie lüftet, sollte sich Gedanken machen.(Foto: imago/Rüdiger Wölk)

Keine Sorge, kein Kettenraucher wird durch einen Rauchmelder auf den Balkon gezwungen. Qualitativ halbwegs hochwertige Geräte schlagen bei normalem Zigarettenrauch nicht gleich Alarm. Allenfalls, wenn man direkt auf den Rauchmelder pustet oder wenn viele Leute im Raum stark rauchen, könnte das den Warnton auslösen. Wenn man gelegentlich durchlüftet, sollte das aber nicht passieren.

Welche anderen Gründe für Fehlalarm kann es geben?

Gute Rauchmelder reagieren zwar sensibel und zügig auf Rauchentwicklung, neigen aber nicht zu Fehlalarm. So zumindest das Fazit der Stiftung Warentest. Grundsätzlich kann es immer dann problematisch werden, wenn das Gerät verstaubt. Das lässt sich auch im saubersten Haushalt nicht vermeiden, wenn der Rauchmelder nur lange genug hängt. Die Hersteller beschränken die Einsatzzeiten deshalb auf zehn bis zwölf Jahre. Bei staubintensiven Arbeiten sollte man Rauchmelder besser vorher abdecken oder gleich entfernen.

Bisweilen schlagen die Sensoren auch aus, wenn reichlich Wasserdampf aus Küche und Bad dringt. Auch extreme Temperaturen können heikel werden, wenn im Sommer die Sonne direkt auf den Rauchmelder knallt. Manchmal sorgen Insekten für Fehlalarm, wenn sie das optische Signal stören. Gute Modelle sind durch ein Gitternetz geschützt. Bei Funkrauchmeldern kommt es vor, dass Gegenstände den Funkkontakt unterbrechen und dadurch falscher Alarm ausgelöst wird.

Nicht jedes Geräusch, das ein Rauchmelder von sich gibt, ist gleich ein Fehlalarm. Bei Modellen, die mit Alkalibatterien betrieben werden, wird auch der anstehende Batteriewechsel durch einen ansteigenden Einzelton angekündigt. Den sollte man nicht mit dem Alarm verwechseln. Mit Lithium-Ionen-Batterien ist man auf der sicheren Seite. Sie halten etwa acht bis zwölf Jahre durch, danach sollte der Rauchmelder ohnehin getauscht werden.

Und wie beendet man den Lärm?

Der Piepton des Rauchmelders schrillt mit mindestens 82 Dezibel. Auch wer halb taub ist, kann das nicht überhören. Gute Modelle lassen sich über einen Ausschaltknopf zum Schweigen bringen. Ansonsten muss man die Stromzufuhr unterbrechen, also die Batterie entfernen oder bei fest installierten Rauchmeldern den Stecker ziehen.

Was, denn das Blinklicht nervt?

Bei vielen Rauchmeldern blinkt regelmäßig eine kleine LED-Leuchte auf, um zu zeigen, dass das Gerät noch funktioniert. Das ist grundsätzlich hilfreich, kann im Schlafzimmer aber nervig sein. Wer ein Gerät beispielsweise überm Bett anbringen will, sollte das berücksichtigen. Es gibt durchaus gute Modelle, die gar nicht blinken. Die Stiftung Warentest empfiehlt hierfür etwa die Ei650 und Ei650W von Ei Electronics. Manche Geräte sind auch mit einer Uhr ausgestattet und schalten das Licht über Nacht aus.

Wer zahlt bei Fehlalarm?

Ein Rauchmelder dient nur dazu, die Bewohner zu warnen. Die Feuerwehr muss man schon selbst rufen, sofern das denn wirklich nötig ist. Aber was, wenn niemand zu Hause ist und aufmerksame Nachbarn den Notruf wählen? Falls es wirklich ein Feuer gibt, kann man für die Aktion natürlich dankbar sein. Bei einem Fehlalarm könnte es dagegen teuer werden. Den Feuerwehreinsatz muss man normalerweise nicht bezahlen, sofern man den Alarm nicht leichtsinnig oder vorsätzlich herbeigeführt hat. Doch wenn die Feuerwehrleute selbst Schäden verursachen, etwa Rollladen demolieren oder Türen eintreten, bleibt man auf den Kosten sitzen.

Zahlt, wenn's brennt: Hausratversicherung vergleichen und sparen

Quelle: n-tv.de

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