Mittwoch, 25. November 2009
Keine Chance auf Arbeit: Rechtzeitig aufgeben hilft
Arbeitslosen wird oft geraten, Geduld zu bewahren und die Hoffnung nicht aufzugeben. Das ist nicht unbedingt zweckmäßig, meint der Psychologe Martin Tomasik: "Wenn es aussichtslos ist, hilft auch die hundertste Bewerbung nicht weiter." Stattdessen sei "Disengagement" das richtige Motto: Das bedeutet, rechtzeitig loszulassen und unrealistische Ziele aufzugeben. Denn wer gegen Windmühlen anrennt, kann nur verlieren. "Wenn meine beruflichen Ziele illusorisch sind, ernte ich nur noch mehr Misserfolge, je mehr ich mich engagiere."
Tomasik hat in einer Sonderauswertung einer repräsentativen Befragung der Uni Jena untersucht, inwieweit sich "Disengagement" lohnen kann. Dazu hat er die Angaben von 800 Personen ausgewertet, die Probleme mit der Berufsplanung oder Jobsuche hatten. Das Ergebnis: Wer aussichtslose Ziele gar nicht erst verfolgt, ist zufriedener.
Geradeaus und doch verrannt
Durchhalteparolen könnten in solchen Fällen sogar schaden. Denn wer bloß immer weitermacht, kann sich leicht verrennen. "Loslassen wird immer schwieriger, je mehr man in die Jobsuche investiert hat", erklärt Tomasik. Dann sähen Betroffene nur noch die Kosten, die ein Aufgeben der Suche bedeuten würde. "Damit geraten sie aber in eine Falle und kommen irgendwann gar nicht mehr aus dieser Mühle heraus."
Dann sei ein Perspektivwechsel nötig, um den Nutzen vom Loslassen sehen zu können. Denn aufgeben bedeute nicht, zu resignieren, erläuterte Tomasik. Vielmehr lasse sich sogar Gewinn daraus ziehen: Arbeitslose könnten ihre Energie in andere Dinge investieren.
Scheitern akzeptieren
Um aus der Frust-Spirale herauszukommen, müssten Betroffene sich im ersten Schritt aber eingestehen, dass sie mit ihren bisherigen beruflichen Bemühungen gescheitert sind. "Scheitern muss man auch mal akzeptieren", sagte Tomasik. "Geradlinige Berufsverläufe gibt es heute ohnehin immer weniger."
Im zweiten Schritt heißt es dann, Alternativen ins Auge zu fassen: Das kann bedeuten, einen Umzug aus einer wirtschaftlich schwachen Region zu erwägen. Auch sei es in der derzeitigen Krise wenig realistisch, nur dem einen Wunschberuf hinterherzujagen, meint Tomasik.
Wenn deutlich wird, dass die Jobsuche gänzlich aussichtslos ist, kann man auch ein Ehrenamt oder eine Auszeit für die Familie als Alternativen in Betracht ziehen. "Das ist natürlich für diejenigen nicht einfach, für die die Arbeit bisher alles war", sagte Tomasik. Dennoch seien solche Auszeiten ein Weg, die Krise auszusitzen und dabei etwas Sinnvolles zu tun. Und das bringt Betroffenen immer noch mehr, als Bewerbungen für den Papierkorb zu schreiben.
dpa
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