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10 Jahre staatliche Zuschüsse: "Riestern", aber richtig

In Deutschland "riestern" rund 14,6 Millionen Sparer und sorgen damit privat fürs Alter vor. Das, was der damalige Arbeitsminister Walter Riester 2001 als "größte Sozialreform der Nachkriegsgeschichte" bezeichnete, haben viele auch nach zehn Jahren kaum durchschaut.

Am 26. Juni 2001 gab Walter Riester seinem Namen eine neue Bedeutung und schaffte es damit sogar in den Duden. Seit nunmehr zehn Jahren kaufen die Deutschen Policen zur "Riester-Rente". Fast 15 Millionen sind es mittlerweile, die nach dem Plan des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers für Alter oder Eigenheim sparen. Die Regeln beim "Riestern" empfinden viele aber immer noch als sehr verwirrend.

Ihm verdankt die Riester-Rente ihren Namen.
Ihm verdankt die Riester-Rente ihren Namen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wie funktioniert die Altersvorsorge per Riester-Rente?

Wer mit Riester-Rente fürs Alter vorsorgen will, schließt einen Vertrag über ein Sparprodukt ab. Es handelt sich dabei entweder um ein Versicherungsprodukt, einen Bank-, einen Bau- oder einen Fondssparplan. Bis zum Renteneintritt zahlt der Kunde Geld ein - mindestens 60 Euro im Jahr. Dafür bekommt er einen Zuschuss vom Staat.

Wieviel Geld gibt es fürs Riestern?

Der Staat fördert die private Vorsorge mit 154 Euro im Jahr, sofern der Sparer mindestens vier Prozent seines Einkommens, maximal aber 2100 Euro eingezahlt hat. Hat er weniger eingezahlt, fällt der Zuschuss entsprechend geringer aus. Zusätzlich gibt es 185 Euro für jedes Kind, für Kinder, die ab dem 1. Januar 2008 zur Welt kamen, sogar 300 Euro im Jahr. Außerdem sind jährlich Einzahlungen von bis zu 2100 Euro steuerlich absetzbar. Vom Anbieter erhält der Kunde am Ende neben den Zulagen mindestens die Summe zurück, die er eingezahlt hat. Die Produkte versprechen darüber hinaus eine Rendite. Am höchsten fällt die im Schnitt zu erwartende Rendite bei Investmentfonds aus. Dort ist das Risiko, im Einzelfall nur eine geringe Rendite zu bekommen, aber auch am höchsten.

Wer darf riestern?

Die Riester-Rente ist denjenigen vorbehalten, die ihre Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung oder in die Alterssicherung der Landwirte einzahlen. Zu den Zulageberechtigten zählen laut Deutscher Rentenversicherung Bund außerdem Beamte und Empfänger von Amtsbezügen, versicherungsfreie Beschäftigte sowie unter bestimmten Umständen Arbeitssuchende und Ehegatten von Personen, die selbst schon eine Riester-Rente abgeschlossen haben.

Was ist Wohn-Riester?

Wer über Riester-Produkte Geld anspart, kann den staatlichen Zuschuss auch für Bau oder Kauf eines Eigenheims nutzen. Zieht der Sparer aus dem Haus oder der Wohnung allerdings wieder aus, muss er die Fördersumme binnen eines Jahres zurückzahlen.

Was geschieht mit fälschlicherweise erhaltenen Zulagen?

Erfüllen Sparer die Bedingungen für eine staatliche Riester-Förderung nicht mehr, geht der zu Unrecht gezahlte Zuschuss an den Bund zurück. Gleiches geschieht laut Bundesfinanzministerium, wenn Sparer ihre Riester-Zulagen statt für Altersvorsorge oder Eigenheim für andere Zwecke aufwenden, etwa einen Autokauf. Weil das Riester-System aber als kompliziert gilt, hat die Bundesregierung im Mai eine Vereinfachung auf den Weg gebracht. Wer versehentlich oder unwissentlich keinen Eigenbeitrag gezahlt hat, soll künftig eine Nachzahlung leisten dürfen. Das könnte etwa der Fall sein, wenn eine Hausfrau über ihren Mann "mitriestert", nach der Geburt eines Kindes aber nicht - wie vorgeschrieben - selbst Bezüge eingezahlt hat.

Wie übersichtlich sind Riester-Angebote?

Laut der Juni-Ausgabe der Zeitschrift "Ökotest" leider überhaupt nicht. Die Unterlagen seien häufig irreführend oder fehlerhaft, urteilten die Tester, nachdem sie insgesamt 144 Riester-Offerten unter die Lupe genommen hatten. Anbieter würden zum Teil hohe Kosten "geschickt verschleiern". Viele Angebote erfüllten außerdem grundlegende vorvertragliche Informationspflichten nicht. So hätten zwei Drittel der getesteten Versicherer das zu Rentenbeginn angesparte Grundkapital gar nicht oder zu niedrig ausgewiesen. Deshalb sei es wichtig, nur solche Verträge abzuschließen, bei denen der Anbieter die gesamten Kosten und das zum Beginn des Ruhestands angesparte Grundkapital korrekt und komplett angebe.

Quelle: n-tv.de

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