Ratgeber

Schufa, Bürgel und Co.: Selbstauskunft ist oft nichtssagend

Auskunfteien sammeln Menge Daten und ermitteln daran die Kreditwürdigkeit. Einmal im Jahr müssen die Unternehmen berichten, welche Daten sie gespeichert haben. Diese Selbstauskunft ist kostenlos - oft werden die Verbraucher aber nicht schlau daraus.

Die Schufa bietet auch kostenpflichtige Bonitätsauskünfte an, die man beispielsweise dem Vermieter vorlegen kann.
Die Schufa bietet auch kostenpflichtige Bonitätsauskünfte an, die man beispielsweise dem Vermieter vorlegen kann.(Foto: imago/Rüdiger Wölk)

Wenn die Bank einen beworbenen Kredit nur mit höheren Zinsen anbietet oder wenn der Online-Versender keine Zahlung auf Rechnung akzeptiert, dann ist das wahrscheinlich auf eine Auskunftei zurückzuführen. Bei Schufa, Bürgel oder Infoscore können sich Unternehmen erkundigen, wie kreditwürdig potentielle Kunden sind. Verbraucher wiederum können abfragen, welche Daten die Auskunfteien über sie gespeichert haben. Das sollten sie auch tun – auch wenn die sogenannten Eigenauskünfte oft nur schwer verständlich sind, moniert die Stiftung Warentest.

Für die neue "Finanztest"-Ausgabe haben die Tester Eigenauskünfte bei den fünf deutschen Wirtschaftsauskunfteien eingeholt und geprüft, ob diese verständlich und nachvollziehbar sind. Einmal im Jahr ist ein kostenloser Abruf möglich, das regelt das Datenschutzgesetz. "Gut" informierte im Test nur die Schufa. Und auch sie könne noch einiges besser machen, so "Finanztest". Rein optisch sei die fünfseitige Selbstauskunft der Schufa eine Zumutung: "Zu kleine Schrift, schlechte Textgliederung, unübersichtlicher Textaufbau und lange Textzeilen erschweren die Lesbarkeit", kritisiert das Magazin. Wer den Inhalt entziffern kann, findet in der Auskunft aber fast alle gewünschten Infos.

Bei den übrigen Anbietern war das nicht der Fall, am dünnsten waren die Auskünfte beim Test-Schlusslicht Deltavista. Auf gerade mal einer Seite findet man hier persönliche Daten wie Adresse und Geburtsdatum, den sogenannten Score-Wert und die Herkunft der Daten. Hintergrundinfos, welche Daten überhaupt gespeichert werden und in die Berechnung verschiedener Werte einfließen, gibt es nicht. Von "Finanztest" gab es für die dürftigen Auskünfte nur ein "Mangelhaft". Dabei wäre es für die Kunden womöglich schon hilfreich zu wissen, dass Deltavista gar keine Vertragsdaten speichert, sondern nur vertragswidrigen Zahlungsverzug oder Insolvenzen. Auch Infoscore Consumer Data nimmt nur sogenannte "negative Zahlungserfahrungen" auf. Hier kommt mit der Selbstauskunft aber wenigstens ein Informationsblatt, in dem die wichtigsten Fragen beantwortet werden.

Diese Infos sollten drin sein

Am Anfang stehen die persönlichen Daten des Antragstellers. Neben Namen, Geburtstag und aktueller Adresse können das auch frühere Anschriften sein. Es kommt immer wieder vor, dass Auskunfteien namensgleiche Personen verwechseln. Das fliegt dann beim Vergleich der persönlichen Daten schnell auf.

Girokonten, Kreditkarten, Telekommunikationsverträge, Kredite, Zahlungsverzüge oder Insolvenzen: Das Datensammeln ist den Auskunfteien ausdrücklich erlaubt, sie sollten aber auch darüber informieren, welche Arten von Informationen sie erfassen und wie lange sie die Einträge speichern. Boniversum, Bürgel und Deltavista blieben diese Angaben schuldig.

Interessant wäre auch, unter welchen Voraussetzungen die Informationen an Unternehmen herausgegeben werden und welche Firmen überhaupt Daten abrufen. Zumindest sollten Auskunfteien die Branchen nennen, mit denen sie zusammenarbeiten. Die Schufa macht das vorbildlich, Bürgel, Deltavista und Boniversum hingegen überhaupt nicht.  

Außerdem sollten die Auskunfteien erklären, wann sie Meldungen über unbezahlte Rechnungen speichern dürfen. Solange man sich mit einer Firma über eine offene Forderung streitet, darf sich das nämlich nicht negativ auswirken.

Wer eine Zahlung bis zu 2000 Euro verbummelt hat, kann einen Negativeintrag bei der Schufa übrigens noch löschen lassen, wenn er die Rechnung innerhalb von sechs Wochen bezahlt. Voraussetzung ist, dass der Gläubiger die Zahlung der Schufa auch mitteilt.

Kredite werden drei Jahre nach der Rückzahlung gelöscht.
Kredite werden drei Jahre nach der Rückzahlung gelöscht.

Die Auskunfteien können sich nicht selbst aussuchen, wie lange sie die gesammelten Daten verwenden. Im Bundesdatenschutzgesetz sind bestimmte Speicherfristen vorgegeben. Bank- und Kundenkonten werden normalerweise nur so lange gespeichert, wie das Konto besteht. Kredite müssen spätestens drei Jahre nach der Rückzahlung gelöscht werden. Offene Forderungen bleiben ebenfalls drei Jahre gespeichert, können aber unter Umständen ausradiert werden, wenn man sie in dieser Zeit doch noch begleicht.

Welche Daten werden genutzt?

Alter, Straße, Beruf, Familienstand – all diese Merkmale lassen sich statistisch bewerten. 20-Jährige zahlen ihre Mobilfunkrechnungen womöglich weniger zuverlässig als 40-Jährige, die Bewohner der A-Straße machen Versandhändlern vielleicht mehr Ärger als  Kunden in der B-Straße. All diese Wahrscheinlichkeiten zum Zahlungsausfallrisiko ergeben zusammengenommen einen individuellen Score-Wert. Wie genau der Score-Wert berechnet wird, ist das Betriebsgeheimnis der jeweiligen Auskunfteien. Bekannt ist, dass Infoscore und Deltavista nur Name, Anschrift und Alter berücksichtigen. Bei der Schufa werden zum Beispiel auch vorherige Zahlungsausfälle und Erfahrungen mit Kreditgeschäften berücksichtigt, der Wohnort spielt dagegen keine Rolle. Eine Berechnung allein nach Wohnort – sogenanntes Geo-Scoring – ist übrigens unzulässig.

Interessant ist auch, dass für unterschiedliche Branchen unterschiedliche Score-Werte berücksichtigt werden. Ein sehr zuverlässiger Versicherungskunde kann also beispielsweise beim Thema "Telekommunikation" ein höheres Risiko haben. Die jeweiligen Werte sollten idealerweise in der Eigenauskunft aufgelistet werden, praktisch macht das aber nur die Schufa. Sinnvoll ist es, wenn Auskunfteien auch noch die Score-Werte anhand der Meldungen aus den vergangenen zwölf Monaten berechnen. So kann man feststellen, ob sich die Bewertung zuletzt verbessert oder verschlechtert hat.   

Der letzte Punkt ist für viele Antragsteller auch der interessanteste: Es geht um die konkreten Daten, die der Auskunftei vorliegen, also unter anderem die gespeicherten Konten, Kredite und sonstigen Verträge. Und wieder ist die Schufa die einzige Auskunftei, die hier die Erwartungen erfüllt und benennt, wer welche Angaben wann gemeldet hat. Wie sich die einzelnen Datensätze auf die Kreditwürdigkeit auswirken, erfährt man zwar nicht, das ist aber auch nicht vorgeschrieben.

Sind Daten in der Eigenauskunft falsch, kann man sie korrigieren lassen und das sollten die Auskunfteien auch deutlich machen. Normalerweise reicht ein formloses Schreiben, gegebenenfalls mit Belegen. In der Eigenauskunft sollte auch klar werden, wohin man sich wenden kann, um eine Berichtigung oder Löschung zu erreichen, so die Stiftung Warentest. Aufschlussreich seien hier aber wiederum nur die Angaben der Schufa gewesen.

Quelle: n-tv.de

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