Ratgeber
Video

Schärfer als scharf: 4K-Ferseher im Test

Das Schlagwort heißt "Ultra-HD" oder "4K" - die neueste Generation von Fernsehern: noch schärfer, noch mehr Brillanz, noch größer. Damit will die Branche neue Begehrlichkeiten wecken. Doch wie bestechend sind die Super-TV-Geräte tatsächlich?

Die Welt dreht sich immer schneller – jedenfalls wenn es um das Seh-Erlebnis beim Fernsehen gucken geht. Denn die Branche setzt nach Full HD nun auf Ultra HD bzw. 4K mit 3840 mal 2160 Pixel.

Was bringt die neue Schärfe?

Christoph de Leuw von Computerbild kennt die Vorteile: "4K oder U-HD das ist nochmal die vierfache Anzahl an Bildpunkten. Also die vierfache Auflösung im Vergleich zu HD. HD hat einen Bildschirm mit 2 Millionen Bildpunkten. Bei 4K oder U-HD, also Ultra High Definition da sind es 8 Millionen Bildpunkte. Dadurch sieht das Bild noch schärfer aus und noch Lebensechter."

Gerade erst haben die großen Elektronikhersteller wie Sony, LG, Panasonic und Samsung die ersten Geräte auf aktuellen Messen präsentiert. Schon steht ein Teil der Geräte auch in deutschen Geschäften. Dabei fällt auf: Die Fernseher sind nicht nur ultra scharf, sondern auch riesen groß. Auf fast 100 Zoll kann der Zuschauer künftig Fernsehen auf Kinoniveau genießen. Wegen der unglaublich hohen Auflösung kann man an die ultra scharfen Riesengeräte auch problemlos nah heran rücken, ohne störende Pixel zu sehen.

Schärfer ist auch teurer

Das hat allerdings seinen Preis: Sony bietet den KD-84X9005 für stolze 25.000 Euro an. Der LG 84LM960V steht für fast 20.000 Euro in den Geschäften. Das schreckt die meisten Kunden im Moment noch ab, beobachtet Klaus Witte vom Media Markt in Berlin: "Das ist schon noch mal eine andere Preislage. Man muss schon sagen, neue Technologie, es gibt sie noch nicht in diesen Stückzahlen, auch von der Fertigung. Was wieder am Ende heißt, dass die dann auch wesentlich teurerer sind. 28:51 so ein 84 Zoll Modell liegt dann schnell man bei 20.000 Euro. Das ist natürlich auch nicht für jeden interessant."

Sony war Ende 2012 mit seinem 84 Zoll großen Gerät der erste Anbieter, der in Deutschland einen Ultra HD fähigen Fernseher am Markt hatte. LG folgte im Januar. Für dieses Jahr haben fast alle großen Anbieter weitere super scharfe Flachbildschirme angekündigt. Konkurrenz ist hier offensichtlich gut fürs Geschäft.

Gerrit Gericke von Sony Deutschland ist optimistisch: "Wir freuen uns auch darüber, dass wir nicht der einzige Hersteller sind, der so ein Thema nach vorne bringt. Die Tatsache, dass es so viele Unternehmen gibt, die hinter dem Thema 4K stehen, zeigt, dass es eine gewisse Relevanz hat. Und die wird in diesem Jahr noch weiter steigen."

Das Problem: HD-Geräte haben sich erst in den vergangenen Jahren auf dem Markt etabliert. Die Fernsehsender stellen zum Teil sogar jetzt erst auf das hochauflösende Format um. Nun drängt also schon die nächste Fernseher-Generation auf den Markt. Christoph de Leuw von der Computerbild glaubt nicht, dass wir deshalb auch unsere Lieblings-Fernseh-Programme bald ultrascharf sehen können: "Ich denke, dass die großen Sender da eher zurückhaltend drauf reagieren. Aber für Bezahlsender mit einem großen Sportprogramm ist es natürlich eine gute Gelegenheit sich von den frei empfangbaren Sendern abzusetzen. Und damit auch noch mal eine Prämie verlangen können, wie für Bundesliga in HD für 30 Euro und in UHD für 50 Euro."

TV-Angebote hinken hinterher

Die Experten rechnen allerdings maximal in zwei Jahren mit den ersten TV-Angeboten. Eine schnellere Lösung könnte es bei Filmen und Serien geben, die man sich kauft oder leiht. Super scharfe Inhalte werden bereits gedreht. Doch noch ist nicht klar, wie die schließlich in die Ultra-HD-Geräte gelangen. Eine branchenweite Diskussion ist im Gange.

"Was es heute noch nicht gibt, ist die Blueray, das Trägermedium, das diese Inhalte dann auch auf den Fernseher bringt, das fehlt uns noch der kleine Zwischenschritt, aber das gibt es ja die Blue-Ray-Assoziation, wo alle großen Unternehmen mit drin sitzen, die an einer entsprechenden Lösung arbeiten. Und das wird sich dieses Jahr sichern noch was tun.", so Gerrit Gericke von Sony Deutschland.

Neue Technik erforderlich

Neben dem neuen Trägermedium – das vielleicht auch nicht mehr unbedingt Blueray heißen wird, braucht es neue Abspielgeräte, die ebenfalls in den kommenden Monaten auf den Markt kommen sollen.

Auch die Übertragung per HDMI-Kabel könnte hier an seine Grenzen kommen, meint Klaus Witte vom Media Markt: "Technisch gesehen, wäre das HDMI Kabel am Limit. Da geht diese Auflösung nicht mehr zu fahren mit dem heutigen System, was wir so kennen. Da stehen Möglichkeiten im Raum. Die sind aber noch nicht als Standard definiert. Und so lange das noch nicht der Fall ist, man weiß momentan noch nicht, wo der Weg hinführt."

Die aktuellen Ultra HD-Geräte im Markt sind bisher nur mit HDMI-Anschlüssen ausgerüstet. Bleibt abzuwarten, wie die Anbieter das bei Einführung eines neuen Standards lösen. Immerhin wird zugespieltes HD-Material von den Ultra HD Fernsehern hoch skaliert, wie Christoph de Leuw von Computerbild erklärt: "Das geht problemlos. Und die rechnen das sehr gut hoch. Das ist auch vergleichsweise einfach, weil die Anzahl der Bildpunkte nur vervierfachen werden muss. Während man früher wenn man etwas auf HD hochrechnen wollte, da gab es krumme Faktoren, die machten das umrechnen so schwer."

Trotzdem - wegen der ungeklärten Trägerelemente und Anschluss-Varianten sind die extrem teuren aktuell vorgestellten Modelle weniger für den Massen-Markt geeignet: "…zum Ende des Jahres werden kleinerer Geräte kommen, die dann auch deutlich günstiger sind. Das sind dann Preise so um die 5.000 € oder drunter im Gespräch, für Geräte mit 1,40 m großen Bildschirmen. Also 55 Zoll wären das dann und dann kann man schon eher überlegen, ob es ins eigene Wohnzimmer passt.", so Christoph de Leuw.

Bis die Preise für die Geräte sinken, hat die Branche also genug Zeit, um für die entsprechenden Inhalte und Abspielgeräte zu sorgen und auf den folgenden Messen zu präsentieren.

Quelle: n-tv.de