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Neuer Trend?: Computer am Handgelenk

Infos am Handgelenk - mit so genannten Smart Watches soll der Computer den Platz der normalen Armbanduhr einnehmen. Das Ganze läuft unter dem Begriff "Wearable Computer". Einige Anbieter sind schon am Start - aber werden die tragbaren Rechner wirklich zum nächsten großen Ding?

An Mini Computern fürs Handgelenk forscht offensichtlich eine ganze Branche. Und die ersten so genannten Smart Watches sind am Markt. Wie die I´m Watch, die gerade erst in einer überarbeiteten Version auf den großen Elektronik-Messen präsentiert wurde. Unter dem Display steckt ein abgespecktes Android Betriebssystem.

Mit Smartphone verbunden

Technisch entspricht die Uhr fast einem Billig-Smartphone. Trotzdem soll es das Handy nicht ersetzen, wie Carlo Bianchi  von I´m Watch erläutert: "I´m Watch ist ein Gerät der Zukunft. Man nennt das ganze Smart Watch. Es ist also kein Telefon. Sondern eine tragbare Variante fürs Handgelenk, dass an das Smartphone via Bluetooths Verbindung gekoppelt ist." 

Nach einer Verbindung von Handy und Uhr kann man auf der I´m Watch sms, E-Mails,  Kalendereinträge und Facebook-Nachrichten lesen – aber auch News und das Wetter. Rund 20 Apps sind vorinstalliert. Einige wenige, kann man sich zusätzlich noch aus dem Internet laden.  

Noch einige Macken

Nico Jurran von der Computerzeitschrift C´t beobachtet den Hype um die tragbaren Computer fürs Handgelenk noch etwas skeptisch. Denn auch die frisch überarbeitete Version der I'm Watch hat immer noch einige Macken: "Man kann sich seine Mails anzeigen lassen, das geht aber nur für einen Account. Und die Mail darf nicht zu lang sein. Sobald ich über 4.500 Zeichen komme, lässt sie sich nicht mehr aufrufen. Dann kommt eine Fehlermeldung, ist zu groß. Bei FB ist es so ähnlich. Da werden mir nur Mitteilung angezeigt, nicht der normal Status. Und wenn es über 100 Zeichen ist schneidet die das auch ab."

Der Akku hält bei regelmäßiger Nutzung außerdem nur einen Tag. Und die Freisprechanlage funktioniert nur eingeschränkt. Die I´m Watch kann übrigens an Apple und Android-Geräte angeschlossen werden, kostet allerdings stolze 300 Euro.

Neue Geräte am Markt

Die Sony Smart Watch gibt es dagegen für rund 100 Euro. Sie lässt sich aber nur mit Android-Handys verbinden. Im Prinzip kann der Konkurrent alles was auch die Im Watch kann, nur nicht telefonieren. Aber das hatte da ja auch nicht wirklich geklappt. Bei der Sony-Variante werden eigehende Anrufe jedoch angezeigt, wie Damjan Stamcar von Sony Mobile erklärt: "Wenn sie direkt einen Anruf ablehnen möchten, können sie das direkt auf der Smart Watch machen, aber zum Telefonieren ist weiter das Smart Phone nötig. Also diskret mal während einer Besprechung kurz auf das Handgelenk geschaut, sehen sie ihre eingehenden  Simsen oder Facebook Benachrichtigungen. Oder E-Mail sogar. Oder Whats App – was alles da ist."

Sony bietet immerhin schon fast 200 Applikationen für seine Smart Watch. Auch der Akku schneidet besser ab als bei der I´m Watch.

Doch braucht man so ein Gerät wirklich? Kai Dahlke aus Berlin macht den Praxis-Test. Die Bluetooth-Verbindung zwischen den Geräten läuft zwar reibungslos. Doch es wird schnell klar, so richtig überzeugt ist er von dem mobilen Extra-Gerät nicht: "Ein witziges Gimmick an sich, man kann seine Nachrichten lesen und schauen, ob man FB Nachrichten bekommen hat. Das Display ist wahnsinnig klein. Man muss irrsinnig scrollen und es ist nicht unbedingt alltagstauglich."

Weitere Geräte in den Startlöchern

Da verwundert es schon, warum der Hype um die Smart Watches so groß ist. In den kommenden Monaten sind jede Menge neue Geräte angekündigt, wie Nico Jurran erläutert: "Es ist mal was Neues. Smart Watches sind einfach mal was, wo man sagen kann, das haben wir noch nicht 1000-fach gesehen. Ich glaube, es ist sehr interessant, zu sehen, was sich da im Moment entwickelt. Allerdings muss man sagen, im Moment sind da ganz kleine Firmen dabei. Also Start ups mit vielen Ideen. "

Über große Internet-Sammelaktionen – unter anderem bei Kickstarter – haben diese Start ups das nötige Kapital eingesammelt. Bekannt wurde vor allem das Projekt Peppel, das bisher auf mehr 10 Million Dollar gekommen ist. 

Die Peppel erscheint gerade auf den Markt - für 150 Dollar. Sie funktioniert mit iphones  und Android Handys und ist mit einem besonders stromsparenden Display ausgestattet. Außerdem kann sie auf die GPS-Daten des Smartphones zurück greifen und ist damit auch als Sport-Computer geeignet.

Die neue dänische Fitnessuhr Leikr wird dagegen als echter virtueller Trainer fürs Handgelenk beschrieben. Denn sie ist sogar selbst mit GPS und Internetkarten ausgestattet. Eines der innovativsten Projekte am Markt.

Steigt auch Apple ins "Uhrengeschäft" ein?

Da überrascht es, dass Apple als einer der größten und innovativsten Mobilfunk-Hersteller der Welt noch nicht in typischer Manir eine eigene Smart Watch vorgestellt hat, doch das könnrte sich bald ändern, meint Nico Jurran von C't: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass Apple da einsteigt. Sie haben das Know How und die finanziellen Möglichkeiten das zu bauen. Und es soll angeblich eine Uhr in der Entwicklung sein mit einem flexiblen Display, also gebogenem Display. Dadurch würde sich die Uhr gut an dem Handgelenk anschmiegen."

Im Moment sind die meisten Geräte auf dem Markt noch nicht ganz ausgereift. Dazu gehört auch die Coocoo. Kai Dahlke aus Berlin probiert auch sie aus. Zwar ist die Verbindung mit dem Handy schnell hergestellt, genauso fix ist er von der Uhr aber genervt: "Die Uhr hat natürlich einen Nachteil: Das sie nichts kann. Ich sehe, dass ein Anruf eingegangen ist, und das Ding erinnert mich an Geburtstage, aber ich kann weder E-Mails lesen, noch kann ich Facebook-Nachrichten lesen."

Dafür muss man dann doch wieder das Telefon zücken. Die Coocoo kostet trotzdem rund 130 Euro. Da gibt es bereits leistungsstärker Alternativen am Markt, so Nico Jurran von C´t: "Andere Smart Watches zeigen Emails an, bei der I'am Watch kann man sogar telefonieren, auch wenn es nicht besonders toll ist, aber es zeigt halt, die Smart Watches ist noch ein recht unklarer Begriff."

Denn zunächst wird weiter geforscht und entwickelt. Studien haben bereits ergeben, in 4-5 Jahren sollen sich die Smart Watches bereits am Markt etabliert haben.

Quelle: n-tv.de