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Spielen ohne Grenzen: Entwicklung neuer Computerspiele

In eine ganz eigene Welt abtauchen, eine andere Identität annehmen und mit anderen spannende Abenteuer erleben - das macht für Gamer Computerspiele so faszinierend. Eine ganze Industrie bedient die Leidenschaft Hunderttausender. Und die virtuellen Welten werden immer aufwendiger produziert.

In Deutschland gingen allein in 2012 knapp 74 Millionen Computerspiele über die Ladentheke. Besonders beliebt: Simulationsspiele – denn dieses Genre lässt Träume wahr werden. Ganz vorn mit dabei ist der Wunsch, die eigene Stadt zu bauen.

Simulationsspiele sind gefragt

SimCity gehört zu den Städtesimulationen schlechthin. Im 3D-Modus kreieren die Spieler ihre eigene Stadt aus dem Nichts – erschaffen Wohngebiete, sorgen für die passende Infrastruktur und kümmern sich um die Energieversorgung. Extrem realitätsnah beginnt die Stadt so mit ihren Systemen zu leben.

Unter der Sonne Kaliforniens, in Emeryville bei San Francisco, entsteht die komplexe Software. In der Spieleschmiede Maxis arbeiten rund 100 Leute seit Jahren an der neuesten Version von SimCity. Einer davon ist Kip Katsarelis – er ist Lead Producer: "Was wir versuchen ist – wir bauen die reale Welt nach und integrieren sie dann in das Spiel, die Simulation."

Vor der eigentlichen Programmierung steht das Systemverständnis. Stone Librande, Lead Designer, verschaffte sich zunächst einen Überblick über sämtliche Abläufe und ihre Zusammenhänge: "Das sind einige der ersten Entwürfe. Sie stellen unterschiedliche Städtetypen dar und wie sie zusammenhängen. So bekamen wir ein Gefühl für Maßstäbe und unterschiedliche Funktionen, die eine Stadt haben kann. Dies ist z.B. ein Hafengebiet, darüber könnte Frachtgut zu einer Industriestadt gelangen. Dann gibt es einen großen Shoppingbezirk, die Arbeiter wohnen direkt im Umfeld, haben so Dinge wie einen Fußballplatz. Die Idee war, dass all diese Bereiche zusammenarbeiten und ihre Ressourcen gegenseitig nutzen können."

Realitätsnahe Umsetzung

Der Anspruch an eine möglichst realitätsnahe Umsetzung erfordert eine Menge Spezialwissen. Denn in SimCity agieren über 300 Subsysteme miteinander, erläutert Kip Katsarelis: "Wir sprechen mit Städteplanern und schauen uns die Trends in der Stadtentwicklung an. Und wir fragen uns: Was beschäftigt die Welt? Im sozialen Bereich, in der Wirtschaft. Schon im Vorfeld recherchieren wir sehr viel."

Herz des Spiels ist die Glasbox-Engine. Die eigens kreierte Programmiersprache funktioniert anhand sogenannter Scripts. Darin legen die Experten Regeln für jedes einzelne System fest, dass im Hintergrund der Städtesimulation arbeitet, erklärt Creative Director Ocean Quigley: "Die Grundidee ist, dass die Welt voller Dinge ist. Gebäude, Fabriken, Autos, Bäume und Menschen. Wie macht man ein System daraus, dass das Verhalten und die Veränderung dieser Dinge in der Welt beschreiben? Das brechen wir dann auf grundsätzliches Muster herunter. Und danach funktioniert die Simulation."

Die programmierten Befehle, werden automatisch ausgelöst. Baut der Spieler beispielsweise Fabriken, dann wird die Suche nach Arbeitskräften ausgelöst. Im Wohngebiet angekommen, folgt die Handlung der Bewohner - Sie fahren zur Arbeit. Das gesamte Spiel folgt diesem Prinzip, die Macher haben für jedes Teilsystem Regeln festgelegt. Es funktioniert wie ein großes Uhrwerk.

"Diese Simulation folgt einem Takt, wie ein Uhrwerk. Zweimal pro Sekunde schreitet die Zeit voran und alles was passiert, ist so getaktet. Die Schritte der Leute, die Ampelschaltung, wann die Bewohner ihre Lichter anknipsen oder wann sie zur Arbeit gehen. Alles hört auf diesen Beat.", so Ocean Quigley weiter.

Hohe Komplexität

Die Komplexität der Simulation ist enorm. Jedes Element ist eine Mini-Simulation. Wenn man möchte, kann man in SimCity sogar seine eigene Heimat erschaffen. Und mit etwas Glück, findet man sogar sich selbst, so Ocean Quigley: "Ich hab die 1000 gebräuchlichsten weiblichen und männlichen Vornamen und die 1000 gebräuchlichsten Nachnamen ins Spiel gepackt. Das System mixt sie zufällig zusammen. Also wenn man einen Allerweltsnamen hat, dann ist man vermutlich in der Simulation drin."

10 Jahre haben sie gewartet. Jetzt endlich können die Blogger Denis und Christian, das neue SimCity vorab testen. Sie sind fasziniert von der Detailverliebtheit der Macher: "Man hat halt mit verschiedenen Problemen zu kämpfen. Das ich mein Industriegebiet in Schach halte, für Energie sorge, das macht schon ‘ne Menge Spaß, weil es sich einfach nicht von selbst löst.", freut sich Denis Hartwig.

Deutsche unter Top 5 Spielernationen

Die Deutschen gehören weltweit zu den Top 5 der Spielernationen. Dr. Maximilian Schenk vom Bundesverband für interaktive Unterhaltungsmedien beobachtet den Markt seit Jahren: "In Deutschland werden insgesamt mit Computer und Videospielen rund drei Milliarden pro Jahr umgesetzt. Das sind wesentlich mehr Umsätze als die Filmbranche in Deutschland generiert oder die Musikbranche."

Games werden Musik und Film zwar nicht verdrängen, aber sie spielen eine immer größere Rolle in der Freizeitgestaltung der Deutschen.

"Die Interaktivität, das Soziale, das Miteinander. Games werden ja in der Regel miteinander gespielt und nicht alleine. Dass diese Stärken dazu führen, das Games auch in den nächsten zehn und zwanzig Jahren an Bedeutung gewinnen werden. Und irgendwann wird außer Frage stehen, dass Games das Leitmedium der digitalen Kultur geworden sind.", so Dr. Maximilian Schenk.

Die Macher von SimCity haben noch viele Ideen im Kopf. Vielleicht sind sie in zehn Jahren noch näher dran an der echten Welt – oder einer ihrer Spieler: "Wir kreieren die Systeme, aber dann geben wir sie in die Hände der Spieler. Sie bauen diese Welten, diese Szenarien. Es ist unglaublich was die daraus machen…das konnten selbst wir uns nicht vorstellen.", so Kip Katsarelis.

Die eigene Stadt bauen und verstehen. Simulationen wie SimCity machen es möglich. Aber Vorsicht: Man kann nie wissen, welche Überraschungen die virtuelle Welt bereithält.

Quelle: n-tv.de