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Die "Überflieger": Flugzeugmöbel fürs Wohnzimmer

Eine Passion für Flugzeuge haben Valentin Hartmann und Stephan Boltz erst nach und nach entwickelt. Am Anfang hatten die beiden Jungunternehmer es nur auf die Trolleys abgesehen. Aus denen fertigen sie Designermöbel, die als Bürocontainer, Minibar oder Badezimmerschrank einsetzbar sind.

Valentin Hartmann, bordbar: "Die erste Idee hatten wir während des Studiums an der Kölner Möbelfachschule. Wir haben so allgemein Dinge aus dem öffentlichen Leben umfunktioniert in Einrichtungsgegenstände. Da waren alte Kinosessel dabei, Stahlspinte, OP-Leuchten und eben auch der Flugzeugtrolley."

Ein technisch ausgereiftes Produkt, befanden die beiden. Ideal zum Weiterverarbeiten.

Valentin Hartmann, bordbar: "Das Hauptproblem war dann überhaupt an Trolleys zu kommen. Wir hatten ganz am Anfang eine Handvoll, ich glaube das waren zehn Stück mal per Zufall bekommen. Die hätten wir gleich zwei und drei Mal verkaufen können. Aber bis uns mal eine Airline oder auch ein Produzent der Trolleys mal ernst genommen hat, das war ein langer Weg."

Die Fluggesellschaften brauchen schließlich ihre Trolleys selber. 600 Euro kostet ein solcher Essensbehälter. Entsprechend sorgsam werden sie behandelt, damit sie möglichst lange im Einsatz bleiben. Doch nach zehn Jahren ist in der Regel Schluss. Dann werden sie ausgemustert.

Jörg Schneider, Air Berlin: "Die Trolleys werden heute als Bestandteil eines Flugzeugs gesehen, die auch ihren Beitrag leisten müssen zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Das heißt, wir sind bemüht, die Trolleys auch leichter zu machen gemeinsam mit unserem Produzenten. Die kommen ja ursprünglich von einem Luftfahrt zertifizierten Unternehmen, diese Trolleys sind um ein Drittel leichter. Das heißt, wir sparen enorm viel Gewicht an Bord unserer Flotte und sparen dadurch circa 6000 Tonnen CO2-Verbrauch pro Jahr und ungefähr 1700 Tonnen Kerosin. "

Die Jungunternehmer aus Köln sind dankbare Abnehmer der aussortieren Container. Jeder einzelne von ihnen wird genauestens untersucht. Nur die mit geringen Gebrauchsspuren schaffen es in die Werkstatt, wo sie veredelt werden.

Stephan Boltz, bordbar: "Erster Arbeitsschritt ist erstmal: alles das, was später stört, um das Design aufzubringen, wird erstmal entfernt. Dazu gehört auch das Schloss und das wird dann anschließend später, wenn das Design drauf ist, alles wieder neu draufgenietet."

Pro Tag bearbeitet die Kölner Firma etwa fünf Trolleys. Jeder Arbeitsschritt wird von Hand gemacht, das erfordert Zeit.

Stephan Boltz, bordbar: "Ich hab jetzt gerade einmal kurz hier drüber geschliffen. Da sieht man schon mal ganz deutlich, wo nun die Beulen zu erkennen sind genau die Stellen, die ich dann später spachteln werde, damit es dann anschließend ne schöne homogene Fläche gibt, wenn das Design wieder drauf ist."

Zuvor aber wird noch der Staub entfernt. Außerdem könnten die Räder nach tausenden Flugmeilen nicht mehr ganz intakt sein.

Stephan Boltz, bordbar: "Wenn die so in dem Zustand sind, die sind jetzt wirklich sehr schön, dann lassen wir die auch so. Ansonsten werden die ganz einfach ausgetauscht."

Zum Schluss wird noch eine Folie auf den Trolley geklebt. Unternehmensgründer Stephan Boltz hat ein einfaches Konzept erfolgreich umgesetzt: 1,5 Millionen Euro Umsatz machte die Designfirma im vergangenen Jahr. Von Köln aus finden die Trolleys ihren Weg zurück in die weite Welt.

Alte Flugzeugteile haben ihre Liebhaber auch im unterfränkischen Bessenbach, bei der Firma Private Wing.

Alexander Geis, Private Wing: "Hier sehen sie verschiedene Teile der Douglas DC3. Douglas DC-4. Das sind Seitenruder, Höhenruder, Vorflügel. Was wir dann machen, wenn wir unsere Tische oder unsere Produkte fertigen: Wir entfernen diesen Textilstoff, um an das Skelett zu kommen und an das Gerippe zu kommen, dann wird das Gerippe weiter bearbeitet."

Auch hier ist Hand- und Maßarbeit notwendig. 60 Stunden dauert es bis aus Schrott ein Designertisch wird. 4000 Euro kostet der - auch weil die Materialien so schwer zu beschaffen sind:

Alexander Geis, Private Wing: "Es gibt sehr viele Regularien, was das gezielte Verschrotten von Flugzeugteilen angeht. Zum einen wird sensibles Material, wie wir das nennen, nicht mehr in den freien Verkehr gegeben. Auch nicht an uns. Teile aus der kommerziellen Luftfahrt sind zu bekommen, die bekommen wir auch aus Nordamerika, aus Europa auch, es gibt einige Länder in Europa, die das anbieten. Wir kriegen unsere Teile aus Asien, sogar aus Zentral-Schwarzafrika bekommen wir unsere Teile. Das sind dann allerdings ältere Teile, die wir bevorzugen für unsere Klientel."

Auch wenn Trolleys nicht ganz so rar sind wie Ruder oder Flügel - knapp sind auch sie.

Valentin Hartmann, bordbar: "Also Trolleys sind natürlich eigentlich Mangelware. Das kann man schon so sagen. Vor allem natürlich was jetzt die gebrauchten angeht. Die, die wir bearbeiten natürlich so oder so, weil wir natürlich darauf gucken, dass wir noch die guten der Gebrauchten benutzen wollen. Da wir uns nur auf die Trolleys spezialisiert haben, müssen wir uns mit den anderen wenig streiten."

Solange der Mensch die Welt bereist, gibt es genug zu tun für die Designer. Der Traum vom Fliegen - in Form eines Möbelstücks kann ihn jeder mit nach Hause nehmen.

Quelle: n-tv.de