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Vorteile für "Genossen": Genossenschaftswohnungen sind gefragt

Ein Besipiel: Sabine Petrus. Als sie vor 10 Jahren mit der Familie in den Bötzow-Kiez im Berliner Bezirk Pankow zog, war es im Viertel noch beschaulich und vor allem: günstig. Mittlerweile haben Prommis und wohlhabende Freiberufler das Viertel entdeckt. Und spätestens als das zweite Kind kam, war für Sabine Petrus klar: Eine 4-Zimmer-Wohnung muss her.

Im alten Kiez ist eine solche Wohnung für Durchschnittsverdiener wie Familie Petrus nicht mehr finanzierbar. Die Berlinerin hat sich monatelang informiert und recherchiert und sich dann für einen besonderen Weg entschieden: Die Familie wohnt künftig in einer Genossenschafts-Wohnung - und verspricht sich davon nicht nur finanzielle Vorteile:

Sabine Petrus, Neu-Genossin: "Hier steht der Mieter im Mittelpunkt. Hier steht kein Investor dahinter. Ich hab hier ein sicheres Wohnen. Ich muss nicht in ein paar Jahren mit Mieterhöhungen rechnen. Und habe deshalb auch Planungssicherheit für mich und meine Kinder für die nächsten Jahre."

Die neue Genossenschaftswohnung von SabineNagelneue überzeugt auf ganzer Linie: 111 Quadratmeter - mit Eichenparkett, Fußboden-Heizung und Dachterrasse - und das nur knapp 4 Kilometer von der alten Wohnung entfernt. Vor allem: Die Nettokalt-Miete von 950 Euro passt ins Budget von Familie Petrus.

Die Wohnung ist eine von ingesamt 44 modernen Dachgeschoss-Wohnungen, die die Berliner Wohnungsgenossenschaft Vineta 98 errichten lässt. Investitionsvolumen: Rund 8 Millionen Euro. Und denoch geht die Vineta 98 mit vergleichsweise günstigen Mieten kein betriebswirtschaftliches Risiko ein:

Martin Lubinsky, Vorstand Vineta 98: "Wir haben im wesentlichen unsere grundsätzlichen Kosten ermittelt. Einen kleinen Sicherheitsaufschlag für unruhige Zeiten. Und wollen damit zum Teil neues Klientel ansprechen. Insbesondere aber auch Familien, die uns bisher durch die Entwicklung verlassen haben. Mittlerweile können wir diese Gruppe mit neuen attraktiven Wohnungen zu guten Marktpreisen bedienen."

Mit dem knapper werdendem Wohnraum in den Metropolen, erleben die Wohnungsgenossenschaften eine wahre Renaissance. Und das nicht nur in Berlin. Deutschlandweit gibt es derzeit 1883 Wohnungsgenossenschaften mit 2,8 Millionen Mitgliedern. Und die Nachfrage steigt weitaus schneller als das Angebot. Die Folge: lange Wartelisten für frei werdende Wohnungen.

Denn die Wohnungsgenossenschaften haben ihr einst verstaubtes Image längst abgelegt und werben mit ihrer Idee vom Mittelweg zwischen Eigentum und Miete auch um neue Zielgruppen:

Ulrich Ropertz, Deutscher Mieterbund: "Ich denke Wohnungsgenossenschaften versuchen mehr und mehr auch jüngere Klientel anzusprechen als bisher. Das heißt sie suchen jüngere Menschen, die Mitglied bei Ihnen werden. Und dazu gehört es natürlich auch neuen und attraktiven Wohnraum anzubieten."

Das wichtigste Prinzip der Genossenschaften: Die Mitbestimmung. Hier sagt kein Finanz-Investor oder Privat-Eigentümer, wo es lang geht - sondern die Mitglieder der Genossenschaft selbst. Für dieses Mitsprache-Recht müssen sie allerdings Anteile zeichnen. Neben den Mieteinnahmen ist dies der zweite Weg mit dem sich die Genossenschaften finanzieren.

Sabine Petrus zum Beispiel muss bei Einzug in die Wohnung 7.700 Euro an die Vineta 98 zahlen. Das Geld ist aber nicht verloren - zieht Familie Petrus einmal aus, bekommen Sie es nach einer festgelegten Frist zurück. Ein Rest-Risiko bleibt aber generell bei Wohnungsgenossenschaften:

Benjamin Weiler, Rechtsanwalt: "Im Falle einer Insolvenz müssen alle Verbindlichkeiten der Genossenschaft bedient werden. Und leider ist die eigene Einlage dort sehr rangniedrig. Das heißt die eigene Einlage wird mit als Letztes bedient. Und ist daher im Falle der Insolvenz vom Verlust bedroht."

Für die Mitglieder der Vineta 98 bleibt das aber nur eine theoretische Gefahr - denn die Genossenschaft hat vorgesorgt :

Martin Lubinsky, Vorstand Vineta 98: "Es gibt keine zwingende Gewinnerziehlungsabsicht, sondern in erster Linie den Kostendeckungsgedanken. Wobei man immer berücksichtigen sollte, dass eine Genossenschaft Gewinne erzielen sollte. Sonst entstehen natürlich auch da, problematische Situationen.

Familie Petrus freut sich aber erst einmal auf den bevorstehenden Einzug in die neue Wohnung und auf eine sichere Zukunft als Mieter in ihrem neuen Heim.

Quelle: n-tv.de