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Dienstag, 26. Februar 2013

Ratgeber Bauen & Wohnen vom 26.2.2013 (Wdh. 27.02.): Haustreppen vom Designer

Haben Sie schon mal über Treppen nachgedacht? Vermutlich nicht allzu häufig. Manche Treppen können aber ein bisschen mehr als andere, mitunter sogar Familienprobleme lösen. Beispielsweise zusätzlichen Stauraum schaffen! So oder so: eine Treppe soll möglichst wenig Platz verbrauchen. Wer da einen guten Architekten hat, bekommt zusätzlich auch noch schickes Design geliefert.

Eine Treppe hat eine klare Aufgabe: Sie verbindet Geschosse. Mal geht man rauf, mal runter - und gut ist. Gerd Streng ist das zu wenig. Er ist Architekt und bei ihm kann eine Treppe einiges mehr. Der Planer nennt seine Projekte "Fallstudien für Treppenhäuser". Vier hat er mittlerweile schon eingebaut, allesamt in Bestandsgebäude.

Er hat viel dabei gelernt, über falsche Baupläne oder anders verlegte Balken: "Der Statiker von mir hat immer gesagt, Bestand ist eine Pralinendose, wo du nicht weißt, was drin ist, das stimmt auch. Ich fang jetzt echt nichts mehr an, ohne dass man sagt, einmal bitte die Decke aufmachen. Ich will den Balken sehen, fühlen, riechen, ich will wissen, wo ist er genau, damit ich weiß, wo ich wegnehmen und dranbauen kann."

Fallstudie  Nummer 1: Das eigene Zuhause.

Ein 100 qm-Häuschen, das für die Architektenfamilie mit ihren zwei Kindern einfach zu klein ist. "Man musste also versuchen, durch eine neue Treppe und eine neue Erschließung den Spitzboden zu aktivieren und auszubauen, ohne von den anderen Räumen allzu viel abschneiden zu müssen.", erläutert Architekt Gerd Streng.

Mit Farbe Akzente setzen

Die Lösung: Eine Spindeltreppe auf kleinster Grundfläche. Die Farbe Orange hebt die neuen Elemente im Haus hervor. Der ungenutzte Spitzboden ist jetzt Schlafzimmer.

Gerd Streng liebt einfache Lösungen, ein Polyesterrost als Klappe etwa. Die Griffflasche: eine ausgediente Krawatte: „Ich hab 8 Jahre beinahe in Holland gearbeitet und da auch studiert, und da ist halt eine ganz andere Tradition im Gebrauch von Materialien die nicht so ganz üblich sind für den Einsatz, wie Kunststoffe oder Fußmatten an der Wand und ich mir auch immer denke, was will ich erreichen, kann ich das Gleiche auch mit weniger und vielleicht auch auf eine unkonventionelle und günstigere Art erreichen.“

In die Giebelwand wurde ein Wandschrank eingebaut. Passgenau. Dafür braucht man allerdings sehr gute Handwerker.

Fallstudie Nummer 2: Eine Hamburger Hinterhofbebauung.

Hier konnte Familie Rau zunächst eine Wohnung in der ersten Etage erwerben. "Wir hatten eine Wohnung gekauft im ersten Stockwerk, und hatten ein Kind geplant, und das war auch alles wunderbar und dann kündigten sich Zwillinge an, die wir überhaupt nicht erwartet haben.", so Bauherrin Ute Rau, Bauherrin.

Die Raus hatten Glück und konnten die untere Wohnung dazukaufen, wie Ute Rau erläutert: "Ja, dann haben wir zugeschlagen sozusagen, hatten die knapp 40 qm noch dazu und brauchten dann dringend eine Lösung, um das zu verbinden miteinander."

Die Treppe wird zum Sofa

Im Zuge einer Komplettsanierung wurde ein schmales Treppenmöbel eingebaut. Es passt genau zwischen zwei Deckenbalken und macht aus beiden Etagen eine schicke Maisonettewohnung. Im Untergeschoss geht die Treppe in ein Sitzmöbel über, das zudem noch jede Menge Stauraum bietet. Und bei Familienfeiern wird das Sofa zur Sitzbank. "Dann werden die Tische einfach weg gestellt, und dann lümmeln alle auf dem Sofa rum, und es ist gleich total gemütlich.", freut sich Ute Rau.

Fallstudie Nummer 3: Das Bauprojekt von Familie Meyer

"Wir wollen hier oben ausbauen und haben dann nach einer vernünftigen Idee gesucht, hier eine passende Treppe reinzukriegen. Weil letztendlich ist es bei den Altbauten mit den 3,30 m Deckenhöhe auch ein Problem auf den kurzen Strecken eine Treppe vernünftig rein zu kriegen. Und dann haben wir auch überlegt, dass wir gleichzeitig das kombinieren mit der Küche unten und das war die Idee, die wir dann dem Herrn Streng übergeben haben.", erklärt Bauherr Frank Meyer.

Und so sieht das Ganze dann in real aus:  Ein schwebendes Treppenhaus, das mit der Küchenzeile eine Einheit bildet. Und wenn man mal hoch hinaus will, hilft eine zweite Treppe.

Zusätzlicher Stauraum geschaffen

Ein praktisches Detail: Versenkbare Steckerleisten. Für ausreichend Stauraum ist natürlich auch gesorgt. In der oberen Etage liegt der Rückzugsraum des Hausherrn Frank Meyer. Hier konnte er auch seine Comicsammlung unterbringen: "Das ist mein Reich, da habe ich auch lange für gekämpft und das haben wir uns vorher überlegt und da ich ab jetzt öfter auch zu Hause arbeite habe ich dann meine Ruhe und das ist ganz toll jetzt."

Architekt Gerd Streng macht aus Raumnot eine Tugend. Seine Treppen haben handliches Format bei minimalem Platzbedarf. Und jedes seiner Objekte hat einen eigenen Charme. Sein Geheimnis: Den Bauherren gut zuhören und dann entwerfen: "Wichtig für mich war, dass ich weder von jemand anderem noch von mir selbst eine Kopie hier rein zu bauen versuche, die neuen Funktionen zu finden, sich heraus kristallisieren zu lassen, um dann ein Unikat zu schaffen, was genau da gut passt.", so der Architekt.

Sprach`s und machte sich schon wieder auf den Weg zu neuen Projekten.

Quelle: n-tv.de