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"Ratgeber Hightech" vom 19.11.2012 (Wdh. 20.11.): Intelligente Brillen im Test

Noch wirkt es ein bisschen wie Science Fiction, aber einige Firmen treiben die Entwicklung schon voran: Datenbrillen sollen Infos direkt vor die Linse projizieren. So erfahren bspw. Touristen Wissenswertes über ihren Aufenthaltsort, Gamer tauchen in ihre Fantasie-Welten ab. Fest steht: Die intelligente Brille kommt. Mit Videobrillen soll man direkt vor dem Auge Videos schauen und Spiele spielen können.

Datenbrillen dagegen könnten zusätzliche Informationen ins normale Sichtfeld liefern. An echten Datenbrillen wird noch kräftig geforscht. Videobrillen gibt es dagegen schon für den Verbraucher zu kaufen. Die Anbieter Sony, Zeiss und Vuzix waren die ersten am Markt. Wirklich handlich sind sie aber noch nicht.

Schlechter Tragekomfort bei Videobrillen

Ulrike Kuhlmann, Zeitschrift C´t: "Das Problem, was ich so sehe, ist, dass die Brillen teilweise sehr unbequem sind. Wenn man die länger auf dem Kopf trägt, merkt man das schon deutlich. Wo ich das ok finde, sind Zugfahrten oder im Flieger. Da kann man mal 1,5 Stunden überbrücken. Das ist ok."

Die Auflösung der Videobrillen ist zuletzt immer besser geworden. Auch wenn das Bild bei der Cinemizer von Zeiss noch etwas klein ist. Dank OLED-Display leuchten die Farben. Die Kontraste sind knackig.

Das Bild, das man mit der Sony HMZ-T2 sieht, entspricht sogar dem Bild eines 46 Zoll großen Fernsehers – in bester OLED-Qualität.

Videobrillen fürs Spielen

Wenn es um Spiele geht, sorgen Videobrillen dafür, dass man im Wahrsten Sinne des Wortes in die virtuelle Realität eintaucht. Vor allem, wenn man zur Brille noch einen so genannten Headtracker hat – ein Sensor, der die Kopfbewegungen verfolgt.

Ulrike Kuhlmann (C´t): "Das heißt, wenn ich meinen Kopf nach rechts bewege, dann sehe ich die Landschaft die da rechts weiter geht. Dafür ist der Headtracker zuständig, der verfolgt, also trackt meine Kopfbewegungen. Wenn ich nach rechts gucke, wird mir auch das Bild eingeblendet, was auf der rechten Seite der Szenerie ist."

Einen Headtracker liefert im Moment aber nur die Wrap von Vuzix. Bei den anderen muss man selbst gegen Aufpreis nachrüsten. Dafür kann die Brille bisher nur mit analogen Signalen umgehen und hinter den Gläsern stecken nur LCD-Displays.

Datenbrillen sind durchsichtig

Im Gegensatz zu Videobrillen sind Datenbrillen durchsichtig. Die Ideal-Vorstellung: Datenbrillen sollen eine erweiterte Realität möglich machen – wie die Nutzung von Online-Karten auf dem Weg zum nächsten Buchladen.

So wird die Google-Brille vom Software-Konzern auf Veranstaltungen zwar schon präsentiert, ist aber noch in der Entwicklung. Sie soll aber leicht, elegant und wie auf diesen Bildern werden. Eine Herausforderung für die Entwickler.

Der japanische Elektronik-Anbieter Brother hat zum Beispiel bereits eine Datenbrille auf den Markt. Auf der "Airscouter" ist aber noch ein sehr großes, schweres LCD-Display montiert, das ein Bild vor ein Auge projiziert.

Paul Schalk, Leiter Produktmanagement Brother: "Wir haben jetzt hier eine Auflösung von 600 mal 800 Pixel. Sie sehen das Bild aber so vor dem Auge so, als wäre es – ein Durchmesser von 40 Zentimeter. Sie sehen es also recht groß und können durchaus Details erkennen. "

Viel Forschungsarbeit noch notwendig

Damit ein Bild aber auf der Brille landet, muss man sie erst an ein externes Gerät - wie ein Tablet oder einen Rechner - anschließen. Das versorgt die Brille mit Strom. Zum anderen wird das Bild vom Rechner über das Kabel auf ein LCD-Display gespielt und auf die durchsichtige Optik vor dem Auge projiziert.

Damit kann man sich zum Beispiel auf das Display in der Brille ein Dokument legen wie eine Bedienungsanleitung. Diese kann man lesen, während man auf einem Rechner in einem anderen Dokument schreibt.

Ulrike Kuhlmann, Zeitschrift C´t: "Allerdings ist die Brother Brille auch ein ziemlicher Klotz, den man da am Auge hängen hat. Das soll ja bei Google alles schöner sein, da ist es ja nur so ein ganz schmaler Bürgel. Die Brother zielt ganz klar auf industrielle Anwendungen. Also der Techniker, der sich das Handbuch oder Bedienungsanleitungen einblenden lässt und da hat er beide Hände frei zum schrauben."

Auch am Fraunhofer Institut IPMS in Dresden forscht man intensiv an Datenbrillen. Hier hat man sich auf die Entwicklung von hochauflösenden OLED-Displays spezialisiert, die bereits in Smartphones stecken. Für Datenbrillen wären vor allem ganz kleine OLEDS interessant.

Uwe Vogel, Fraunhofer IPMS, Dresden: "Gerade wenn man diese Displays sehr klein machen kann, sie heißen ja schon MD, kann man sie am Ende in eine solche Datenbrille einbauen, die dann eventuell mal deutlich kleiner und leichter werden könnte."

Die Datenbrillen, die bisher auf dem Markt sind haben aber noch diverse Schwächen. Im Gegensatz zur geplanten Google-Brille fehlt eine Kamera, die die reale Welt mit der virtuellen verbindet. Nur so wird eine erweiterte Realität möglich.

Ulrike Kuhlmann, Zeitschrift C´t: "Damit solche Brillen für die erweiterte Realität so genannte Augmented Reality wirklich praktikabel sind, müssen die erstens ganz leicht sein. Sie müssen einen eigenen Prozessor drin haben oder eine drahtlose Verbindung zum Smartphone."

Auch optisch sollt en die Brillen noch massentauglicher werden. Gerade wenn es um die Brille von Google geht, sind die Erwartungen deshalb groß. Wann die Google-Brille auf den Markt kommt, ist noch unklar.

Unterdessen werden die Brillen-Entwickler weiter forschen. Nicht nur bei den Datenbrillen sondern auch bei den Videobrillen. Die Bildqualität ist hier zwar schon gut. Doch auch diese Brillen müssen noch mit einem Kabel an Rechner oder Fernseher verbunden. Wer den Future Look trotzdem zu Hause haben will, muss dafür außerdem stolze 600 bis 1.000 Euro ausgeben.

 

Quelle: n-tv.de