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Energieverschwender gesucht: Mit Wärmebildkamera auf Hausbesuch

Die Bundesregierung plant ab dem nächsten Jahr strengere Energievorschriften für Neubauten. Für ältere Gebäude sind bisher keine schärferen Regeln geplant. Dabei gehen in Altbauten bis zu einem Drittel der Wärmeenergie an die Außenwelt verloren, wie Aufnahmen mit der Wärmebildkamera eindrucksvoll dokumentieren. Wir haben einen Thermografen bei seiner Arbeit begleitet.

Das Stadtzentrum von Essen. Thermograf Jörg Pohlhaus ist auf dem Weg zu einem Kunden. Der Hausbesitzer erwartet ihn schon. Die beiden sind verabredet. Denn Jörg Pohlhaus soll heute mit der Wärmebildkamera untersuchen, wo an seinem Haus Energie verloren geht.

Gemeinsam geht es auf die andere Straßenseite. Thermograf Jörg Pohlhaus beginnt sofort mit seiner Arbeit. Alles was er dafür braucht, ist eine hochempfindliche Infrarotkamera. Sofort hat er auch schon die ersten Schwachstellen am Haus erkannt.

Schwachpunkt Fenster

Jörg Pohlhaus, Delta Thermografie: "Also das ist das externe Display, da können Sie gleich die Bilder live drauf sehen. Was man natürlich gleich sofort sieht, sind die Fenster. Also an den Fenstern hat meine erhöhte Oberflächentemperatur. Wenn man das mal vergleicht mit den Fenstern auf der rechten Seite, dann sieht man da gleich einen Unterschied. Vielleicht kann man da hier schon erkennen welche Fenster die älteren und welche die neueren sind."

Doch nicht nur durch die Fenster, auch durch die Mauern geht hier jede Menge Wärme verloren.

Jörg Pohlhaus, Delta Thermografie: "Die eigentliche Auswertung wird natürlich im Büro gemacht, aber das was ich jetzt schon sagen kann, ist, dass die Fassade aus den 50er Jahren ist, von daher sieht man hier schön im Bild erhöhte Oberflächentemperaturen, im Vergleich zum Nachbarhaus ist das schon deutlich mehr."

Für 100 Euro Klarheit

Rund 100 Euro zahlt der Hausbesitzer den Essener Stadtwerken für die Arbeit des Thermographen.  Dass sein Haus nicht den neuesten energetischen Ansprüchen genügt, hatte er befürchtet:  "Ja, natürlich hätte ich mir gewünscht, dass alles in Ordnung ist nach 50 Jahren. Aber das passt. Bestätigt mich zumindest in dem Vorhaben, das Haus zu sanieren."

Jörg Pohlhaus  hört immer wieder überraschte Reaktionen seiner Kunden. Denn die Bilder auf dem Display seiner Kamera sprechen eine eindeutige Sprache: "dann kommt auch so ein gewisser aha-Effekt beim Kunden. Denn viele Kunden denken meistens, na ja das Fenster ist undicht, da zieht`s etwas, aber so groß kann die Schwachstelle ja nicht sein, aber auf einem Wärmebild sieht die Schwachstelle schon spektakulär aus und die Kunden sind dann schon verwundert.“

Schwachpunkt Haustür

Mittlerweile fängt es an dunkel zu werden. Kein Problem für die Aufnahmen mit der Wärmebildkamera. Zeit also noch für einen Blick aus nächster Nähe. Erster Anlaufpunkt: Die Haustür: "Ich sehe schon, das ist Einfachverglasung, schon allein das Wort Einfachverglasung sagt eigentlich schon alles. Die Treppenhausfenster das gleiche."

Schwachpunkt Fassade

Auch hier besteht also Handlungsbedarf. Thermograf Pohlhaus ist mit seiner Arbeit aber noch nicht fertig. Hinter dem Haus gerät die Fassade ins Visier des Thermografen. Tiefrote Flecken auf dem Display verraten , dass hier besonders viel Wärme verloren geht.

„Ich vermute mal, dass hier eine Heizleitung verläuft in der Wand, die nicht isoliert ist. Man sieht es wirklich hier, dieser Strang geht bis hinauf ins Dachgeschoss. Aber das ist dann Thema einer gesamten Energieberatung.“, so Thermograf Pohlhaus.

Thermograf Jörg Pohlhaus ist mit seiner Arbeit fertig. Zumindest für heute. Er hat jetzt sechs Bilder vom Haus erstellt. Die Bilder werden ausgewertet. In zwei bis drei Wochen erhält der Hausbesitzer einen Thermografiebericht zugeschickt. Dieser wird sich demnächst mit einem Energieberater treffen und möglichst bald mit der Sanierung seines Hauses beginnen.

Quelle: n-tv.de