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"Ratgeber Hightech" vom 27.07.2013 (Wdh. 29.07.): Shareconomy: Teilen statt kaufen

"Shareconomy": ein Kunstwort aus dem englischen "Share" - Teilen - und "Economy" - Wirtschaft - ist das Leitthema der diesjährigen Computermesse Cebit. Dahinter steht das Teilen und das gemeinsame Nutzen von Wissen, Ressourcen, Erfahrungen und Kontakten als neue Formen der Zusammenarbeit. Und das nutzen schon jetzt viele Menschen ganz konkret.

Manfred Behrndt ist Freiberufler, er arbeitet in der Filmbranche, und dafür braucht er unbedingt sein Auto. Damit fährt er dann zum Set, oft in einen anderen Stadtteil oder sogar nach draußen ins Umland. Privat dagegen ist er in Berlin lieber mit dem Rad unterwegs. Wenn er also gerade keine Aufträge hat, so wie jetzt in der Nebensaison, bleibt das Auto stehen, für Manfred Behrndt alles andere als optimal: "Skurril war, dass ich dann mal in einem Winter die Situation hatte, dass es zwei Monate irgendwie stand und nicht bewegt wurde, da sind die Bremsen eingerostet und da dachte ich: Jetzt wird’s langsam Blödsinn, also den Wagen einfach so rumstehen zu lassen. Hat natürlich auch einige Euro gekostet, neuer Bremsensatz. Da lass ich das Auto doch lieber von jemand anderem bewegen, der dann das Auto auch wirklich braucht."

Das eigene Auto teilen

Manfred Behrndt registrierte sich also bei den " Autonetzern", einer Internetplattform für privates Carsharing. Wenn er nun weiß, dass er seinen Wagen ein paar Tage lang nicht braucht, kann er ihn hier ganz unkompliziert an jemanden verleihen, der selbst kein Auto besitzt. 15 Euro verlangt Manfred pro Tag; den Preis hat er selbst festgelegt. Versichert ist der Wagen in der Zeit übrigens über die Autonetzer.

"Über diese Vermietungen kriege ich eigentlich diese Grundkosten dann auch wieder rein - was weiß ich: Versicherung, Steuer, das ist damit eigentlich auch abgedeckt. Und das ist ein ganz angenehmer Nebeneffekt sozusagen, also, ich werde nicht reich damit, aber das ist auch nicht Sinn der Sache - zumindest von meiner Seite her.", so Manfred Behrndt.

Nutzen statt besitzen

Er gehört zur wachsenden Gruppe derer, die Dinge lieber gemeinsam nutzen, statt alles für sich allein zu besitzen. Von shareconomy spricht man mittlerweile, einer Ökonomie des Teilens, oder aber auch collaborative consumption: dem gemeinschaftlichen Konsum.

"Es gibt Menschen, die wollen einfach Geld sparen und etwas nicht kaufen, sondern es preiswert im Internet zur Verfügung haben. Es gibt sehr viele, mehr als 40 Prozent, die mit einem besonders ausgeprägten ökologischen Bewusstsein in diese Teilungsmodelle, in die Modelle des Teilens hineingehen und die damit, ich sag mal, auch was Gutes tun wollen. Und es gibt andere die wollen einfach nur ihren Spaß, und Teilen im Internet macht Spaß.", so Bernhard Rohleder von Bitcom.

Und das Netz spielt in dieser Entwicklung tatsächlich eine wichtige Rolle. Denn so etwas wie Car-Sharing gab es natürlich auch schon früher – nur kann sich jetzt übers Internet zielgerichtet in der eigenen Nachbarschaft und vor allem schnell beteiligen, wie Bernd Rohleder erläutert: "Das Internet liefert die Technologie und auch Smartphones liefern die Technologie, die Sie brauchen, um diese Modelle, wo sie jederzeit sehen zum Beispiel: wo ist ein freies Auto, wo ist ein freies Fahrrad, wo sind vielleicht meine Freunde derzeit gerade in der Stadt unterwegs - dazu brauchen sie das Internet, dazu brauchen sie neue Endgeräte, und das gab es eben in dieser mobilen Form vor einigen Jahren noch nicht."

Tauschen, Verleihen, Verschenken

Und so boomen die entsprechende Online-Angebote: Nicht nur kommerzielle Plattformen, sondern vor allem immer mehr private Initiativen und Netzwerke üben sich im Tauschen, Verleihen oder Verschenken.

Warum sich eine eigene Bohrmaschine kaufen, die man doch nur alle zwei Jahre einmal benutzt? Über "Leila", "Leih’ Dir was" oder "frents" findet man Menschen in der Nähe, bei denen man sich ein solches Gerät auch einfach ausborgen kann.

Genauso kann man aber auch selbst etwas verleihen: Den eigenen Fotoapparat etwa oder ein Einrad. Wer gern reist und dabei Land und Leute kennen lernen will, kann beim Couchsurfing mitmachen und um ein Sofa zum Übernachten bitten. Oder auch sein eigenes anbieten.

Und über "Mitwohnen.org" gibt es Zimmer gegen Mithilfe im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung. Und selbst Gemüse wird hier verschenkt.

Raphael Fellmer wollte etwas tun gegen die Verschwendung von Lebensmitteln und bat einen Biosupermarkt um die frischen, aber unverkauften Reste, die sonst einfach im Müll gelandet wären: "Damit versorgen wir halt unsere WG und uns selber, und dann alles was da übrig bleibt, das stell ich bei Foodsharing rein. Und genauso: Hier haben wir einen Bäcker angesprochen seit ein paar Wochen und da bleiben immer Brötchen übrig, und die hol ich dann ab und die stell ich auch bei Foodsharing rein.", so Raphael Fellmer.

Ein paar Klicks, und der Korb mit 10 Kilo frischen Brötchen steht online – mit Postleitzahl und Zeitpunkt der Abholung. Wenig später kommt Benjamin Schmitt vorbei: Er kann die Brötchen gut gebrauchen - er plant nämlich für den nächsten Tag ein Essen für viele Besucher in einer Galerie.

Teilen schafft Kontakte

Benjamin und Raphael haben sich über diese Plattform kennengelernt und sind Freunde geworden: Auch das ein Effekt der shareconomy: Das Teilen schafft neue soziale Kontakte.

"Jedes Mal wenn ich meine Lebensmittel, die ich über hab’, verteile, dann teile ich nicht nur Essen, sondern ich verteil’ auch ein Lachen und mach einem anderen Menschen ne Freude. Und es gibt einem ein sehr viel besser Gefühl, als die in der Tonne zu wissen, wo man sich eigentlich schlecht fühlt dabei.", so Raphael Fellmer.

Ob Idealist oder Pragmatiker: An dieser gemeinschaftliche Art der Nutzung von Ressourcen beteiligen sich immer mehr Menschen, erklärt Bernhard Rohleder: "Und es hat mittlerweile ein Ausmaß angenommen, wo wir sehen, das ist eine kleine Revolution, die sich derzeit in der Art und Weise, wie wir wirtschaften, auch wie wir leben, vollzieht."

Und eine, bei der auch Menschen, die sich nicht kennen, ein überschaubares Risiko eingehen. Manfred Behrndt jedenfalls erinnert sich an den letzten Fahrer seines Autos jedenfalls gern:

"Jetzt so um die Winterzeit, da war das Auto sowieso relativ eingedreckt, und der hat es dann die ganze Woche, und ich habe das Auto zum Beispiel sauberer zurückgekriegt, als er das übernommen hatte - das sind dann irgendwie so kleine Sachen, wo man so denkt, ja ist doch nett.", meint Manfred Behrndt.

Auch heute wird er seinen Wagen wieder verleihen. Gemeinsam mit dem neuen Mieter fertigt er ein kurzes Protokoll an – dazu der Personalausweis, Führerschein und eine Liste der alten Schrammen. Die Übergabe des Wagens ist jedenfalls schnell geklärt.

Und damit steht dem Sonntagsausflug mit dem geliehenen Auto dann auch nichts mehr im Wege.

Quelle: n-tv.de