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Alles auf Kommando: Sprachsteuerung statt Tasten

Bevölkern bei Ihnen zu Hause mittlerweile auch zahllose Fernbedienungen den Wohnzimmer-Tisch? Damit könnte es bald vorbei sein, wenn es nach den Herstellern geht. Dann sollen Sie keine Tasten mehr drücken, sondern nur noch Kommandos gegeben - Sprachsteuerung heißt der neue Trend...

"Einen Espresso bitte" - das sagt man künftig nicht mehr nur im Lieblings-Cafe, sondern auch zu Hause.

Sprachsteuerung im Haushalt

Eine neue Softwareanwendung machts möglich. Sprachsteuerung wird immer beliebter und setzt sich auch in immer mehr Lebenslagen durch. Jetzt darf man sogar im Auto SMS und E-Mails während der Fahrt schreiben, ohne gegen das Gesetz zu verstoßen. Aber nur, wenn man die richtige Software installiert hat.

Sprachsteuerung im Auto

Seit Jahren weit vorn bei der Entwicklung von Software zur Sprachsteuerung und Erkennung ist die US-amerikanische Firma Nuance, die unter anderem einen Standort in Ulm hat.

Fatima Vital, Nuance: "Es ist tatsächlich so, dass die Spracherkennung fürs Auto ihre Anfänge hier in Ulm gefunden hat. Damals mit verschiedenen Firmen. Inzwischen ist es so, dass die Entwicklung der Spracherkennung von Nuance viel aus Ulm vorangetrieben wird."

Mobile Software-Lösungen von Nuance stecken in 50 Millionen Autos. Heute kann man mit Hilfe von eingebauten Mikrofonen und Lautsprechern telefonieren, ohne die Hände länger vom Lenkrad zu nehmen. Und neuerdings ist es auch möglich SMS und E-Mails zu schreiben – via Sprachsteuerung. Einfach Nachrichten diktieren. Empfangene werden vom System vorgelesen.

Sprachsteuerung beim TV

Auch die Fernsehindustrie hat die Sprachsteuerung für sich entdeckt. Samsung und LG haben die ersten Geräte mit Sprachsteuerung bereits vorgestellt. Nuance-Technologie steckt auch zum Teil in diesen Geräten. Doch jetzt will man mit einer eigenen Software den Markt erobern. Damit kann man nicht nur Sender wählen, sondern auch Sendungen aufzeichnen ohne einen Tastendruck.

Fatima Vital, Nuance: "Man hat eine sehr umfangreiche Programmauswahl. Wenn man über 200 Kanäle per Fernbedienung sucht, macht das keinen Spaß mehr. Das heißt, wir möchten es für den Benutzer so einfach wie möglich machen. Er soll einfach sagen, was er vom Fernseher haben möchte, ob er das Kinoprogramm sehen möchte oder den neuen Film mit Brad Pitt kann er das einfach aussprechen."

Sprachsteuerung am PC und Handy

Sprachsteuerung ist eigentlich nichts Neues. Am PC kann man bereits seit Jahren Texte diktieren. Allerdings nutzen das nur wenige Berufsgruppen, wie Anwälte und Ärzte. Besonders ist aber, dass sich diese Möglichkeit jetzt auch auf immer mehr Geräten durchsetzt – vor allem auch vielen mobilen.

Dorothee Wiegand, C´t: "Wie sich das entwickelt, muss man sehen. Am PC habe ich immer die Tastatur. Wenn ich 10 Finger blind schreibe, ist es immer leichter zu tippen. Das ist der Unterschied zum Smartphone. Da sind die Tasten klein und fummelig bedienbar."

Vielleicht hat sich gerade deshalb die Sprachsteuerung bei Handys besonders schnell etabliert. Das Android-Betriebssystem konzentriert sich dabei vor allem auf die Websuche und greift auf die hauseigene Suchmaschine zurück. Ähnlich gut funktioniert die Sache auch mit Windows-7-Telefonen. Allerdings schweigen die Geräte in der Regel bei der Webuche.

iPhone mit Sprachassistent

Das sieht beim iPhone ganz anders aus. Egal was man in das Telefon sagt, eine Antwort kommt prompt. Nicht nur auf dem Display. Das liegt schlicht am anderen Ansatz der Betriebssysteme: Siri in Apples iPhone versteht sich als Sprachassistent. In den anderen Geräten steckt dagegen nur eine Sprachsteuerungssoftware:

Dorothee Wiegand, C´t: "Die Idee hinter diesem persönlichen Assistenten ist die, dass ich mit meiner Anfrage nicht in die Weiten des Internets geschickt werde und da dann ganz viele Treffer habe und die sortieren muss. Sondern der persönliche Assistent für mich ein bisschen vorsortiert. Das funktioniert im Englischen schon deutlich besser als in der deutschen Version."

Diese Problematik kennt man auch bei Nuance. Wenn man eine Anwendung in einer neuen Sprache auf den Markt bringen will, gibt es für die Entwickler viel zu tun:

Fatima Vital, Nuance: "Wenn man eine ganz neue Sprache entwickeln will, da muss man wirklich sehr viele Sprachdaten sammeln in diesem Land. Das ist ein zeitintensiver Prozess. Wenns schnell geht, dauert es ein halbes Jahr."

Doch damit eine Software schließlich die gesprochene Sprache erkennt und darauf reagiert, muss ein Rechenprozess in Bewegung gesetzt werden.

Fatima Vital, Nuance: "Das fängt damit an, dass man dem Spracherkenner beibringt, die kleinsten Laute der Sprache zu erkennen. Das nennt man Phoneme. Aus solchen Phonemen werden dann Wörter zusammengesetzt. Und aus Wortfolgen entstehen dann zusammenhängende Sätze."

Beziehungsweise ganze Übersetzungsprogramme mit Sprachsteuerung, die sich ebenfalls immer mehr am Markt durchsetzen – auf Smartphones und auch auf Tablet-PCs.

Es sieht ganz danach aus, dass uns die Tasten an unseren technischen Geräten zwar noch eine Weile erhalten bleiben, sie aber künftig immer häufiger auch via Sprachsteuerung bedienbar sind.

Quelle: n-tv.de