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"Ratgeber Hightech" vom 07.01.2013 (Wdh. 08.01.): Teure Abzock-Apps

Es gibt sie für alle Lebenslagen und das zu hundertausenden: Smartphone-Apps verwandeln das Handy zu allem Möglichen - viele davon kostenlos. Aber Vorsicht: Hier lauern Gefahren - für Ihre Daten und für ihren Geldbeutel.

Im App-Zeitalter scheint so manches technische Wunder möglich zu sein. Doch bei inzwischen mehr als 700-tausend Mini-Programmen in den App-Stores, ist es nicht ganz leicht, den Überblick zu behalten: Welche sind praktisch, welche sinnlos oder gar gefährlich?

Thomas Bradler, Verbraucherzentrale NRW: "Wir haben viele Beschwerden über Kosten, die durch Apps entstehen. Es gibt kostenfreie Apps, wo sich im Spiel erst zeigt, dass das Spiel erst weitergeht, wenn man Geld ausgibt. Und das Problem über Tippen auf Werbebanner werden Verträge geschlossen – die Leute sind dann abgezockt, ohne dass sie es merken."

Ärger mit Abo-Apps

Genug Gründe für unseren App-Tester Jochen Fleuchaus, sich das einmal näher anzuschauen. Tatort Kinderzimmer. Von Patensohn Tim weiß er, dass gerade Kinder bei Spiele-Apps immer wieder Opfer von versteckten Kosten-Fallen werden. Zum Beispiel bei einem der beliebtesten Spiele: Dem Schlumpfdorf.

Ziel ist es, den Schlümpfen ein Dorf zu bauen. Dafür braucht man selbstverständlich Material - und je schneller man baut, umso mehr. Aber das Material kostet Schlumpfbeeren und die muss sich der Spieler entweder verdienen oder häufig nachkaufen. Die Kosten für diesen In-App Kauf liegen zwischen €4,99 und €89,99.

Jochen Fleuchaus, App-Tester: "Und mit dem kleinen Finger patsche drauf und dann hat man mal eben 90 Euro ausgegeben – ja da ist das Taschengeld weg."

Zwar wird der Spieler vor dem Kauf der Schlumpfbeeren nach seinem Passwort gefragt, aber auch das ist kein Hinderungsgrund, meint unser Tester.

Jochen Fleuchaus, App-Tester: "Ist für Kinder eigentlich zu leicht. Denn das Passwort haben sie sich von den Eltern besorgt und dann wird fleißig eingekauft und die Eltern wundern sich nachher über die hohe Rechnung. Fazit: Die App macht Spaß, gerade für Kinder, also aufpassen!"

Nächste App: Talking Tom – die sprechende Katze! Lustig ist sie und macht den Kids viel Spaß. Allerdings: Ständig tauchen Werbebanner am oberen Bildrand auf. Da mal eben draufgedrückt, schon wird der Spieler zu anderen Apps weitergeleitet und wer nicht aufpasst, hat dann schnell mal etwas heruntergeladen – und das kann teure Folgen haben. Dem 11jährigen Tim ist das passiert: "Ich hab schon mal ein Klingelton-Abo heruntergeladen, das hat €5 die Woche gekostet. Da waren meine Eltern nicht sehr begeistert...."

Schutz vor Abzocke

Doch wie kann man sich vor solchen Abo-Fallen schützen? Thomas Bradler, Verbraucherzentrale NRW: "Ganz wichtig ist, wenn man mal reingefallen ist, dass man das Abo stoppt, wenn es eins ist, also unbedingt stoppen, sonst ist es auf der nächsten Rechnung auch drauf. Dann sollte man sich überlegen, eine sogenannte Drittanbietersperre einzurichten bei seinem Provider, damit so etwas in Zukunft nicht nochmal passieren kann."

Weitere fragwürdige Apps

Aber auch für Erwachsene gibt es zahlreiche eher sinnlose Apps. Food-Spotting ist eine davon zum Beispiel. Sie verspricht, besonders köstliche Essens-Tipps in der Umgebung anzuzeigen. Die Empfehlungen, die dann aber tatsächlich kommen, sind jedoch fragwürdig. Jochen Fleuchaus, App-Tester: "Also diese App kostet €1,79 und wer Geld zum Fenster rausschmeißen will, das ist wunderbar angelegtes Geld. Restaurants in NY, in HongKong, in Bali, in Singapur - wo Leute Empfehlungen abgeben, das sind hier die heißen Tipps. Wenn ich Hunger hab und spontan essen gehen will, Mensch geh nach NY, da gibt es unheimlich leckere Reiscracker. Also Leute, das würde ich sagen, ist ein richtiger Daumen nach unten."

Nächstes Thema: Sicherheit. Wer bspw. auch im Urlaub wissen möchte, was auf seinem Grundstück, Haus oder Garage zuhause gerade passiert, der kann seine Überwachungskameras durch diese App beobachten: Mobile Cam Viewer. Allerdings ein nicht ganz preiswertes Vergnügen, denn dieses Mini-Programm kostet schlappe 319,99 Euro. Und wer will im Urlaub schon ständig auf sein Handy gucken? Jochen Fleuchaus, App-Tester: "Mit der App kann ich mal eben mein Haus überwachen, kostet halt ne Kleinigkeit. Nützt aber nix, bin eh nicht vor Ort und ist schweineteuer, also sehr übertrieben."

Verlockend erscheint auch diese App: Das TV Deutschland heißt sie. Pech gehabt, wer hofft, sich für €1,79 damit ein Streaming vom deutschen Fernsehprogramm auf‘s Smartphone laden zu können. Jochen Fleuchaus, App-Tester: "Das ist die eigentliche Abzocke, das man nicht sieht, was ist das überhaupt, was ich da lade, gute oder schlechte App!" Nein, das wird bei dieser App erst später klar, zum Beispiel wenn man die Kundenrezensionen liest. Jochen Fleuchaus, App-Tester: "Letztendlich ist es ein schlecht gemachtes Programmheft. Ist so schlecht, ich kann nicht reinklicken und TV gucken schon gar nicht!"

Auch die nächste App hat mit Fernsehen rein gar nichts zu tun. Sie ist ein Spiel für Machos und heißt: Fernbedienung für die Frau. Jochen Fleuchaus, App-Tester: "Man muss als Mann schon schmunzeln. Aber sie ist grottenmäßig aufgemacht, Sound ne Katastrophe, Menü sieht grässlich aus – das ist nicht wirklich originell –eigentlich braucht die kein Mensch!"

Und noch eine App, über die sich unser Tester geärgert hat: Lock your screen! Sie verspricht coole Entriegelungs-Tricks für’s Smartphone - d.h. leichtes Öffnen per Fingerabdruck oder Stimmerkennung. Doch nach dem Runterladen - nichts von alledem. Die App ist lediglich ein einfacher Bar- und QR-Code-Reader. Jochen Fleuchaus, App-Tester: "Das wollte ich nicht, ich wollte doch dieses James Bond mäßige Instrument haben – und man ist bewusst getäuscht."

Und bei all diesen Apps bleibt die Sorge, was passiert mit den persönlichen Daten? Den Vorlieben, Kaufwünschen und Chatinhalten zum Beispiel.

Christina Cassala, Just-Apps: "Letztendlich werden Daten gesammelt und dann Bewegungs- und Konsumprofile erstellt und dann bekommt der User zielgerichtet Werbung. Ist die Frage: stört den User das?"

 

 

 

 

Quelle: n-tv.de