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Liebe kann die eine oder andere Komplikation nach sich ziehen.
Liebe kann die eine oder andere Komplikation nach sich ziehen.(Foto: imago/Westend61)
Freitag, 10. November 2017

Dem Liebhaber auf der Spur: Sex mit Folgen - Pflicht zum Gentest?

Vater eines Kindes ist zunächst der Mann, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist. Bisweilen tragen aber auch außereheliche Begehrlichkeiten Früchte. Dann kann der Erzeuger zu einer Genprobe verdonnert werden. Aber was, wenn der tot ist?

Erkennt ein Mann eine Vaterschaft an, übernimmt er die rechtliche Rolle des Vaters - mit allen Rechten und Pflichten – unabhängig davon, ob das Kind tatsächlich sein eigenes ist. Wird ein Kind innerhalb einer bestehenden Ehe gezeugt, geht der Gesetzgeber erst einmal davon aus, dass der Ehegatte auch der Erzeuger ist. Doch manchmal spielt das Leben anders.  

Beispielsweise dann, wenn außerehelichen Begehrlichkeiten nachgegeben wird. Bekennt sich das Objekt der Begierde zum Resultat dieser, ist es der Vater. Aber auch ein Gericht kann feststellen lassen, wer sich über Nachwuchs freuen darf. Kommen mehrere Erzeuger in Betracht, gilt derjenige als Vater, der zuerst ein entsprechendes Anerkenntnis abgibt. Wenn er dies denn abgibt. Eine Scheinvaterschaft kann übrigens angefochten werden. Dann ist man alle Pflichten wieder los - aber eben auch die Rechte. Wer jahrelang für seinen vermeintlichen Nachwuchs gezahlt hat, kann dann aber vom wirklichen Erzeuger gegebenenfalls auch Schadenersatzansprüche geltend machen.   

Soweit ein grober Überblick über die Väterthematik. Nun zu den Kindern. Diese haben ein Recht, sich Kenntnis über ihre Abstammung zu verschaffen. Was dazu führen kann, dass ein Mann, dessen Vaterschaft vermutet wird, eine Genprobe abliefern muss, mit der die Abstammung geklärt werden kann. Aber was passiert, wenn der mutmaßliche Vater bereits verstorben ist? Mit dieser Frage musste sich das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg befassen (Az.:  4 UF 106/17).

Hier wollte eine 42-jährige Frau ihre Abstammung aufklären. Aufgrund eines Gentests stand bereits fest, dass der Ehemann ihrer Mutter nicht ihr leiblicher Vater sein konnte. Dieser konnte aber zumindest von einem Seitensprung der Mutter mit einem anderen berichten. Eine Genprobe konnte allerdings nicht mehr entnommen werden, denn dieser war bereits verstorben. Im Rahmen eines Verfahrens vor dem Familiengericht wurden daher die zwei Söhne des Mannes verpflichtet, Genmaterial abzugeben. Hiergegen riefen die beiden das OLG an. Die Vermutung, ihr Vater sei auch der Vater der Frau, sei vollkommen ins Blaue hinein erfolgt. Außerdem habe die Frau sich jahrelang nicht um ihre Abstammung gekümmert. Eine Verpflichtung zur Abgabe einer Genprobe sei daher insgesamt nicht zumutbar, argumentierten die beiden Brüder.

Das Gericht sah dies jedoch anders. Laut Entscheidung, spreche einiges dafür, dass der Vater der Brüder auch der Erzeuger der Frau sei. Darüberhinaus sei die Abstammung, gegenüber dem Interesse der leiblichen Kinder mit der Sache nicht behelligt zu werden, als übergeordnet zu bewerten, weil das Wissen um die eigene Herkunft von zentraler Bedeutung für das Verständnis und die Entfaltung der eigenen Individualität sei. Die beiden Brüder müssten dagegen nur einen geringen Eingriff dulden, der keine erhebliche Zeit in Anspruch nehme. Dies sei zumutbar, so das OLG.  

Quelle: n-tv.de

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