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Frauenfeindlich und diskrimierend: Sexy Reklame am Pranger

In manchen Anzeigen und Spots wird die Grenze des guten Geschmacks weit überschritten. Doch nicht jeder Protest gegen Werbung ist begründet, meint die Branche.

Die Frau als Ware? Oder ist doch die Wurst gemeint?Zweideutiges aus der Metzgerei.
Die Frau als Ware? Oder ist doch die Wurst gemeint?Zweideutiges aus der Metzgerei.

Frauen als Dummerchen oder als Sexobjekt - Verbraucher in Deutschland kritisieren bei der Werbung vor allem Frauenfeindlichkeit und Diskriminierung. Der Deutsche Werberat hat im vergangenen Jahr 262 Werbekampagnen und Anzeigen unter die Lupe genommen und sich in rund einem Drittel (87 Fälle) den Beschwerden angeschlossen. Mehr als ein Drittel der Vorwürfe (34 Prozent) richteten sich dabei gegen die angebliche Beleidigung von Frauen.

Weitere 10 Prozent beanstandeten die Diskriminierung einzelner Personengruppen, wie der Werberat in Berlin weiter mitteilte. Die Selbstkontrolle der Werbewirtschaft sah jedoch nur 40 Prozent der Vorwürfe wegen Frauendiskriminierung als begründet an. In sieben Fällen sprach der Werberat öffentliche Rügen aus, weil die Firmen ihre beanstandete Werbung weiterhin schalten wollten.

Allerdings ist die Werbekritik aus der Bevölkerung rückläufig. Während 2011 beim Werberat 580 Einzelproteste eingingen, waren es im Vorjahr noch 907 Eingaben, vor allem gegen überregionale Kampagnen. Weitere Gründe für Proteste waren Verstöße gegen moralische Vorstellungen und gegen die Regeln über Alkoholwerbung.

So hatte sich eine Internetnutzerin über einen Online-Spot aufgeregt, in dem sich die weibliche Darstellerin nicht erinnern kann, wo der Benzintank ihres angeblich äußerst sparsamen Autos ist. Damit würden Vorurteile gegen Frauen geschürt. Der Werberat sah die Beschwerde als unbegründet an, weil sich in dem Spot auch Männer ähnlich verwirrt zeigen.

Dagegen beanstandete der Werberat die Anzeige eines Bettenanbieters mit einem nur spärlich angezogenen Paar und dem Slogan "Wer einmal drin war, will nie wieder raus". Der weibliche Körper diene hier nur als sexuelles Objekt ohne Bezug zu den beworbenen Betten.

Seit seiner Gründung vor 40 Jahren hat der Werberat Beschwerden gegen fast 8000 Werbeaktivitäten erhalten. Rund ein Drittel aller Verbraucherproteste sah der Werberat als begründet ein, die Unternehmen hätten daraufhin ihre Anzeigen verändert oder zurückgezogen.

Werbung werde immer stärker von der Gesellschaft auf ihre "politische Korrektheit" überprüft, sagte der Werberats-Vorsitzende Hans-Henning Wiegmann. Er kritisierte die zunehmenden Versuche aus Brüssel, Werbung etwa für Zigaretten, Alkohol, Autofahren oder Spielzeuge zu regulieren oder ganz zu verbieten. Die Selbstkontrolle der Branche habe sich als effektiver erwiesen als die staatliche Bevormundung, sagte Wiegmann.

Quelle: n-tv.de

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