Ratgeber

Ungenutzte Milliarden: Sind Tagesgeldkonten noch zeitgemäß?

Ein Gastbeitrag von Max Herbst

Die Zinswende lässt auf sich warten, der deutsche Liebling, das Tagesgeldkonto, wirft immer weniger ab. Eigentlich könnte man sein Geld gleich auf dem Girokonto liegen lassen. Oder nicht?

Wer über ein verlockendes Angebot für ein Girokonto stolpert, sollte sich nicht blenden lassen. Foto: Daniel Reinhardt
(Foto: dpa)

Milliarden schlummern derzeit auf den Girokonten deutscher Sparer: Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank lassen 47 Prozent der Sparer ihr Geld ausgerechnet dort liegen, wo es langsam aber sicher an Wert verliert. Ein ähnliches Schicksal droht Anlegern, die ihre Barschaft auf einem Sparbuch parken – laut Emnid immerhin 30 Prozent. Doch selbst die rund 40 Prozent, die darauf hoffen, ein Tagesgeldkonto werde ihnen – wenn auch geringe – Zinsen bescheren, werden inzwischen meist enttäuscht.

Wer sich die Zinsangebote in der FMH-Tagesgeld Liste ansieht, dem bietet sich ein trauriges Bild: 29 von 88 Banken bieten beim Tagesgeld nur noch 0,01 bis 0,05 Prozent. Gerade einmal zehn Banken offerieren Zinssätze von 0,9 bis 1,25 Prozent– allerdings meist nur für die Neukundengewinnung. Bestandskunden müssen sich auch bei diesen Anbietern meist mit 0,15 bis 0,5 Prozent begnügen. Der FMH-IndeX fürs Tagesgeld liegt damit bei sehr niedrigen 0,34 Prozent. Eine Übersicht über die aktuellen Indexzahlen finden Sie hier

Kann man sein Geld inzwischen also wirklich auf dem Girokonto liegen lassen, weil es auch anderswo kaum noch Renditen gibt? Die Antwort ist ein klares: Jein.

Wenig ist besser als gar nichts

Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass Girokonten seit Jahren nur noch sehr selten Guthabenzinsen abwerfen. Die Renditen liegen meist unter den (wenn auch miesen) Tagesgeldzinsen. Doch es gibt Ausnahmen. Auffallend viel zahlen zum Beispiel die Santander Bank mit 0,25 Prozent und die Ziraat Bank mit 0,3 Prozent. Auch einige regionale PSD Banken vergüten noch Kundengelder auf dem Girokonto mit 0,04 bis 0,3 Prozent – je nach Anlagebetrag.

Bei den Sparbüchern sieht es ähnlich aus. Von 54 Banken in der FMH-Sparbuchliste gewähren 34 von 54 Banken 0,05 Prozent und weniger. Aber vier Banken schaffen immerhin noch Zinsen von 0,5 bis 0,75 Prozent. Der IndeX-Wert fürs Sparbuch liegt bei 0,07 Prozent.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Was also ist zu tun? Eine Variante ist es, das Ersparte auf einem (fast ertragsfreien) Konto liegen zu lassen, um im Fall von unvorhergesehenen Vorfällen wenigstens liquide zu sein. Sollten die Anlagezinsen irgendwann wieder steigen, lässt sich der Notgroschen dann wieder lukrativer anlegen. Schwierig an dieser Strategie ist: Man braucht einen sehr langen Atem – und kann sich dadurch um erhebliche Zinserträge bringen. So haben zum Beispiel viele Anleger in den vergangenen Jahren auf höhere Erträge verzichtet, weil sie ihrem Tagesgeldkonto die Treue gehalten und auf höhere Zinsen gewartet haben. Hätten die Sparer auf besser verzinste, sicheren Festgeldanlagen gesetzt, hätten sie in dieser Zeit mehr aus ihrem Geld gemacht.

Fazit

Wer Tagesgeld gezielt zum Geldparken nutzt, weil er die Liquidität braucht oder bei günstiger Gelegenheit wieder in Aktien oder Anleihen investieren will, ist gut bedient. Falsch ist es jedoch, entbehrliche Gelder ständig im täglich verfügbaren Bereich anzulegen, weil man auf die sagenhafte Topanlage wartet. In dieser Konstellation vernichtet das Warten bares Geld.

Vergleich macht reich

Doch selbst Tagesgeldkunden müssen sich nicht mit Nichts zufrieden geben. Ein Wechsel des Anbieters lohnt sich selbst in der Niedrigzinsphase. Sparer sollten sich nicht scheuen, sich auch nicht-deutsche Anbieter aus dem Euro-Raum umzusehen. Deren 100.000 Euro Einlagen Absicherung riecht für die meisten Anleger aus. Wer 50.000 Euro für sechs Monaten als Tagesgeld parken will, kann sich über einen Zinsertrag von 2,50 oder 250 Euro freuen.

Wer zwischen einer Tages- und Festgeldanlage schwankt, kann zudem über Kombiangebote nachdenken. Sie gibt es unter anderem bei der NIBC Direct oder VTB Direktbank. Dort kann man einen festen Betrag zum Beispiel für zwei Jahre zu 1,3 Prozent (NIBC) festlegen – und das, obwohl die Hälfte der Sparsumme frei verfügbar bleibt. Der Wehrmutstropfen: Ist der Tagesgeldanteil einmal entnommen, lässt er sich nicht wieder auffüllen. Dennoch halten wir die Angebote für attraktiv. Ein garantierter Zins von 1,3 Prozent für zwei Jahre ist aktuell nicht schlecht – und wenn die Zinswende doch kommen sollte, können Kunden immerhin 50 Prozent des Anlagebetrages besser investieren. Bei der VTB Direktbank kann man zwar nur über 20 Prozent des Betrages täglich verfügbaren – dafür aber lässt sich das Volumen wieder auffüllen. Auch zahlt die Bank den garantieren Zins von 1,3 Prozent für insgesamt drei Jahre.

Alternativen für Pessimisten

Wer befürchtet, dass die Zinsen weiter fallen werden, könnte sich zudem an Weltsparen.de wenden. Dort gibt es für das dreijährige Festgeld 1,7 Prozent. Wegen des fehlenden Zinseszinseffektes entspricht das zwar nur einer Rendite von 1,67 Prozent – aber auch das ist alles andere als schlecht. Weiterer Vorteil: Kunden bekommen bei einer Kündigung innerhalb von einem Jahr ohne weiteres an ihr Geld –müssen dann allerdings auf Zinsen verzichten. Wer ab dem zweiten Jahr vorzeitig kündigt, erhält zumindest ein Prozent pro Jahr als Basiszins. Die Anlage erfolgt in Euro. Gemanagt wird alles von dem Vermittler Weltsparen, inkl. der steuerlichen Vorgaben. Die können allerdings von den deutschen erheblich abweichen.

Quelle: n-tv.de

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