Ratgeber

Wo Singles glücklich werden: Singlebörsen schlagen Partnervermittlungen

Bei Parship oder Elitepartner machen Mitgliedsgebühren von über 60 Euro die Partnersuche per Algorithmus zum teuren Unterfangen. Die Trefferquoten bei günstigeren Singlebörsen sind laut Stiftung Warentest teils sogar vielversprechender.

Parship und Co. setzen auf ausgefeilte Persönlichkeitstests.
Parship und Co. setzen auf ausgefeilte Persönlichkeitstests.(Foto: imago stock&people)

Abenteuerlicher Flirt oder Partner fürs Leben – Millionen Menschen suchen online nach Kontakten. Oft lassen sie sich das auch einiges kosten. 20 Euro im Monat für ein Profil auf einer Singlebörse, 70 Euro für die Vorschläge einer virtuellen Partnervermittlung, mit diesen Preisen muss man kalkulieren. Wo ist das Geld gut angelegt? Die Stiftung Warentest hat sich elf Portale genauer angesehen. Immerhin viermal vergab sie das Testurteil "gut", die anderen Dienste kamen "befriedigend" weg.

Bei Singlebörsen wie DatingCafe oder Neu.de legt man ein Profil an und sucht dann selbstständig nach passenden Partnern. Bei Partnervermittlungen wie Elitepartner.de steht am Anfang ein Persönlichkeitstest. Ein Algorithmus schlägt dann passende Partner vor. Nur Mitglieder, die laut der Glücksformel miteinander kompatibel sind, können einander kontaktieren. Dieser Service ist zwar deutlich teurer, laut Warentest aber nicht unbedingt erfolgversprechender.

Geprüft hat das die Stiftung mit fünf fiktiven Testprofilen:Für jeweils zwei Frauen und zwei Männer Mitte 30 und Mitte 50 sowie einen Homosexueller von 45 Jahren wurden von Psychologen bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und Anforderungen an den Wunschpartner festgelegt. So suchte die konservative Mittdreißigerin mit Kinderwunsch einen erfolgreichen Mann mit stabiler Persönlichkeit, der 55-Jährige wurde als gut verdienend, kreativ und offen für Neues eingestuft. Mit den vorgegebenen Daten legten die Tester insgesamt 55 Profile auf den verschiedenen Plattformen an. Um keine falschen Hoffnungen zu wecken, nahmen sie nie Kontakt auf und wiesen Anfragen mit Hinweis auf Zeitknappheit ab.

Profile vom Psychologen 

Bei den Partnervermittlungen bewerteten Psychologen, ob die Partnervorschläge zu den Persönlichkeitsprofilen passten. Bei den Singlebörsen war entscheidend, ob die Suchergebnisse mit den eingegebenen Kriterien übereinstimmten. Bei Friendscout24, Neu.de und Finya klappte das ganz gut, die ersten beiden ermöglichten auch eine überdurchschnittlich detaillierte Suche. Bei den Partnervermittlungen lieferten Elitepartner und eDarling die passendsten Ergebnisse. Die  besten Chancen, ein passendes Äquivalent zu finden, hatte übrigens die 35-jährige Frau, am wenigsten Resonanz bekam der Mann, der einen männlichen Partner suchte. Parship und eDarling waren für ihn noch am vielversprechendsten, kaum Angebote für homosexuelle Singles fanden sich dagegen bei Finya, eDarling und AcademicPartner. Grobe Schnitzer wie falsche Regionen oder unpassendes Alter kamen bei allen Anbietern nur selten vor.

Vor dem ersten Treffen wird oft telefoniert.
Vor dem ersten Treffen wird oft telefoniert.(Foto: imago/Westend61)

Wer sich nicht sicher ist, auf welchem Portal sich die Suche lohnt, kann sich überall auch erstmal kostenlos anmelden. Die Nutzungsmöglichkeiten sind dann aber sehr eingeschränkt. Will man tatsächlich das volle Potenzial der Services nutzen, muss man einen Vertrag abschließen. Nur Finya ist komplett kostenlos, die Seite finanziert sich über Werbung. Die Laufzeiten liegen zwischen mindestens einer Woche bei eDarling und sechs Monaten bei Parship. Länger geht natürlich immer und dann wird es normalerweise auch günstiger. Gezahlt wird stets per Vorkasse, wobei auch hier das zweiwöchige Widerrufsrecht gilt. Die Singlebörse Zoosk will einem dann kein Geld zurückzahlen. Laut Warentest ist die Klausel aber unzulässig.  

Früher oder später will man der Partnerbörse vermutlich den Rücken kehren, im besten Fall natürlich, weil man gefunden hat, was man sucht. Bei den meisten Anbietern war die Kündigung mit ein paar Klicks im Kundenkonto erledigt, Dating Cafe, Single.de, ElitePartner und Parship bestanden dagegen auf eine schriftliche Kündigung. Bei Zoosk und Single.de erwies sich die komplette Löschung des Profils als äußerst schwierige Angelegenheit.

Singlebörsen schlecht gesichert

Insgesamt schnitten unter den Partnervermittlungen Parship und Eliteparter am besten ab. Bei beiden konnten die Tester unter reichlich Partnervoschlägen auswählen, positiv fiel unter anderem auf, dass Fotos erst freigegeben werden müssen, bevor andere Mitglieder sie zu sehen bekommen. Wer hier nach dem nächsten Date fahndet, dürfte es wirklich ernst meinen. Knapp 360 Euro kostet die 6-Monats-Mitgliedschaft bei Parship, kürzere Laufzeiten waren nicht möglich. Elitepartner nimmt 210 Euro für drei Monate.

Wer das zu teuer findet, der kann sich auch für 60 Euro für drei Monate bei Friendscout 24 oder bei Neu.de registrieren. Hier funktionierte die Partnersuche nach Einschätzung der Tester sogar besser als bei den teuren Partnervermittlungen, in diesem Prüfpunkt schneiden sie sogar "sehr gut" ab. Minuspunkt hier, wie auch bei Finya und Single.de: Anmeldedaten werden unverschlüsselt übertragen. So ist nicht ausgeschlossen, dass Hacker die Profile kapern. 

Im Vergleich zur Zeitungsannonce oder zu konventionellen Partnervermittlungen kann man mit der Online-Suche natürlich weit mehr potenzielle Partner erreichen. Die Trefferquoten sollte man aber nicht überbewerten. Unter 20 interessanten Profilen läge vielleicht bei jedem zweiten ein wechselseitiges Interesse vor, so der Psychologe Jens B. Asendorpf im "Test"-Magazin. Nach dem ersten Treffen blieben dann bestenfalls zwei übrig. Selbst wenn die Suche nach dem Traumpartner erfolglos bleibt, muss die Sache nicht umsonst gewesen sein. Auch wenn es nicht funkt, können sich durchaus interessante Kontakte oder Freundschaften ergeben.

Quelle: n-tv.de

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