Ratgeber
(Foto: imago/Ikon Images)
Mittwoch, 11. Januar 2017

Tenhagens Tipps: So baut man Vermögen auf

Nicht dass die Geldanlage in der Vergangenheit einfach war. Aber angesichts von Mini-Zinsen erscheint es nahezu unmöglich, mit dem Spargroschen noch ein ansehnliches Sümmchen aufzubauen. Ein Irrtum, wie "Finanztip"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen weiß. 

n-tv.de: Mit den Zinsen, die es auf Fest- und Tagesgeld gibt, ist ja derzeit kein Blumentopf zu gewinnen. Wie baut man denn da Vermögen auf?

Hermann-Josef Tenhagen: Vermögensaufbau funktioniert ja in drei Schritten. 1. Ich zahle meine Schulden zurück - denn für die muss ich blöderweise Zinsen zahlen. Auf dem Girokonto am meisten, nämlich 10 Prozent oder mehr. 2. Damit in Zukunft eine Kontoüberziehung vermieden wird, habe ich ein Tagesgeldkonto – auf dem parke ich zwei bis drei Monatsgehälter für unvorhergesehene Ausgaben. Ein Prozent Zinsen sind immer noch drin. Und dann erst fange ich mit dem Geldanlegen an.

Und wie soll dann gespart werden?

Bei einem mittel- bis langfristigen Zeithorizont, also ab 10 Jahren, sollte dann auch in Aktien investiert werden. Das geht unproblematisch über einen monatlichen Sparplan. Am besten in Form eines kostengünstigen ETFs. Wichtig ist dabei dann auch eine günstige Depotbank. Wer also nicht in eine Immobilie investieren möchte oder kann, für den sind solche Indexfonds für den Vermögensaufbau unumgänglich.

Wie sollte bereits vorhandenes Erspartes in der derzeitigen Niedrigzinsphase anlegelegt werden?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Neben dem besagten Tagesgeldkonto sollte auch ein Festgeldkonto unterhalten werden. Hier kann  so viel Geld angelegt werden, wie in absehbarer Zeit benötigt wird. Wenn also fest steht, dass in drei Jahren ein neues Auto fällig ist, sollte dieser Betrag auf ein sicheres Festgeldkonto. 1,2 Prozent für drei Jahre sind im Augenblick drin.

Bedenken sollten Verbraucher, dass sie ja neben Fest- und Tagesgeld meistens ja auch einen sicheren Anspruch aus der gesetzlichen Rente haben. Hinzu kommen oft noch eine ebenfalls garantierte Riester-Rente und/oder eine Betriebsrente sowie eine Lebensversicherung. Mit dem Rest des vorhandenen Kapitals hat eine Anlage in Aktien – bei entsprechendem Zeithorizont – dann durchaus Sinn.   

Welche Märkte sind denn zu bevorzugen?

Immer MSCI World. Oder auch in Europa via den Stoxx Europe 600. Alles andere würde ich nur machen, wenn ich überlege, aus der Geldanlage ein Hobby zu machen. Sprich, dafür wäre dann erstens auch mehr Aufwand erforderlich, um die Märkte gezielt miteinander zu vergleichen. Zweitens brauche ich auch die Glaskugel, um zu wissen welcher Markt denn nun besonders gut laufen wird. Bei den oben genannten breiten Indizes fallen diese beiden Anforderungen weg. Gegebenenfalls kann der Anlagebetrag auch zwischen ihnen aufgeteilt werden, da der MSCI World sehr USA-lastig ist.

Mutige Anleger können auch versuchen, ein bestimmtes Sparziel mit ETFs zu erreichen. Zum Beispiel, wenn jemand zum Zeitpunkt X (ab zehn Jahren) 10.000 oder 20.000 Euro benötigt. Dann könnte dies auch mit einem ETF-Sparplan versucht werden.  Wenn dann beispielsweise bereits nach 6 oder 7 Jahren das Sparziel aufgrund einer guten Wertentwicklung erreicht ist, wird diese sichergestellt, also realisiert und die erreichte Summe auf ein Festgeldkonto angelegt. Zukünftige Beträge werden dann für die restlichen Jahre weiter in den ETF investiert.

Setzen Sie auf physische oder replizierte Indexfonds? 

Bei Finanztip unterscheiden wir da offiziell nicht. Ich persönlich neige zu physischen ETFs, die verstehe ich besser.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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