Ratgeber
Donnerstag, 11. Dezember 2014

Zinsjäger im Visier: So erkennen Sparer Lockvogelangebote

Banken werden es Ihnen danken, doch für Kunden lohnt sich ein Wechsel des Kontos oft nicht. Zwar werden hohe Zinsen versprochen, doch im Kleingedruckten entpuppt sich das Lockangebot häufig als Mogelpackung.

Auf klassische Sparer warten viele Gefahren.
Auf klassische Sparer warten viele Gefahren.(Foto: imago stock&people)

Das Angebot klingt unglaublich: 3 Prozent Zinsen auf das Tagesgeld - und das ab dem ersten Euro. Bei solch guten Konditionen reiben sich Sparer derzeit verwundert die Augen. Denn das Zinsniveau ist für Tagesgeldkonten in der Regel weit niedriger. Mehr als 1,3 Prozent Zinsen bekommen Sparer bei guten Anbietern kaum (Quelle: FMH.de, Stand 9.12.14) "Es gibt aber viele Geldinstitute, die mit Lockangeboten auf Kundenfang gehen", hat Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beobachtet. "Allerdings sind diese Angebote immer mit vielen Sternchen versehen." Kunden sollten also genau hinschauen.

Das bedeutet: Es gibt viele Einschränkungen. Sparer, die auf der Jagd nach guten Zinsen sind, müssen einige Voraussetzungen erfüllen, um in den Genuss der guten Konditionen zu kommen. "Solche Angebote gelten in der Regel nur für Neukunden", erklärt der Finanzexperte. "Das heißt, ich muss bereit sein, die Bank zu wechseln." Auch werde der attraktive Zins nur für einen bestimmten Betrag gezahlt. "Und schließlich gilt er auch nur für einen bestimmten Zeitraum, den das Geldinstitut festlegt." Mitunter werden die Konditionen nur gewährt, wenn Kunden ein anderes Produkt kaufen, zum Beispiel einen Fonds.

"Bei kleinen Sparsummen machen wenige Prozentpunkte Zinsen mehr am Ende oft aber keine großen Beträge aus", sagt Nauhauser. Ein Beispiel: Ein Sparer legt 5000 Euro auf einem Tagesgeldkonto an. Bei seiner Bank bekommt er dafür 1,3 Prozent Zinsen im Jahr. Das macht nach zwölf Monaten einen Zinsertrag von 65 Euro. Ein Wettbewerber bietet dem Sparer zwar 3 Prozent Zinsen - allerdings nur für drei Monate. Danach werden die Einlagen mit 1,0 Prozent verzinst. Insgesamt kann der Sparer in diesem Beispiel nach einem Jahr mit 75 Euro Zinsen rechnen. Nauhauser: "Ob sich das lohnt, muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden."

Die Stiftung Warentest hat kürzlich die gängigsten Methoden der Geldinstitute zusammengestellt:

Neukundenangebote

Der vermeintlich attraktive Zinssatz gilt nur für kurze Zeit. Kaum ist der so umworbene Neukunde zum Bestandskunden geworden, stürzen die Zinsen ab. So beobachtet bei Wüstenrot direct. Die versprochenen 1,3 Prozent Zinsen bekommen Sparer für ihr Tagesgeld nur die ersten drei Monate. Danach gibt es nur noch 0,4 Prozent Zinsen. Zudem ist das Angebot bei 10.000 Euro gedeckelt. Ähnlich verfahren auch die Volkwagenbank, ING-Diba oder 1822direkt.

Zinsen mit Bedingung

Die hohen Zinsen für das Tagesgeldkonto gibt es nur bei entsprechender Gegenleistung. So verspricht beispielsweise CortalConsors seinen Neukunden 3 Prozent Zinsen. Allerdings nur, wenn die so Umworbenen mit ihrem gesamten Wertpapierdepot in Höhe von mindestens 6000 Euro zu den Franzosen umziehen. Zudem muss das Anlagekonto bei der alten Bank aufgelöst werden. Ein ähnliches Angebot gibt es bei der DAB Bank.

Spiel auf Zeit

Das Angebot: Je länger ein Kunde sein Geld auf dem Konto lässt, desto mehr Zinsen bekommt er. Klingt erst einmal gut, ist in der Praxis allerdings vollkommen unrentabel, wie ein Angebot der PSD Bank Berlin-Brandenburg zeigt. Beworben wird das "PSD WachstumsSparenSprint" mit bis zu 1 Prozent Zinsen. Tatsächlich bekommen Kunden diesen Zinssatz aber nur, wenn sie ihr Geld drei Jahre liegen lassen – und auch dann nur für das letzte halbe Jahr. Für die restlichen zweieinhalb Jahre sind es nur 0,3 Prozent. Macht über die drei geforderten Jahre eine Gesamtverzinsung von 0,58 Prozent. Bei einer derzeitigen Inflationsrate von 0,8 Prozent.

Wiederanlage inklusive

Wem das Geldinstitut mit einem Festgeldangebot zum Ende der Laufzeit auch eine automatische Wiederanlage anbietet, sollte vorsichtig sein. Ansonsten wird das freigewordene Kapital erneut für die gleiche Laufzeit - allerdings zu dann gültigen Konditionen - neu angelegt. So beobachtet bei SWK Bank. Wer fest mit seinem Geld geplant hat, schaut dann in die Röhre. Um diese Abofalle zu umgehen, müssen Kunden selbst aktiv werden.

Kein Zinseszins

Statt die erwirtschafteten Erträge am Jahresende dem Sparkapital zuzuschlagen und mitzuverzinsen, werden die Zinsen unverzinst gesammelt und am Ende der Laufzeit ausgezahlt. Dadurch, dass der Zinseszins einbehalten wird, verlieren Sparer Geld. So macht es zum Beispiel die Oyak Anker Bank. Legen Kunden hier beispielsweise 20.000 Euro für fünf Jahre zu 1,5 Prozent Zinsen an, gehen ihnen durch diese Praxis 45,68 Euro verloren. Bei 4 Prozent wären es schon 330 Euro. Die tatsächliche Rendite liegt durch den einbehaltenen Zinseszins bei nur 1,46 Prozent.

Sparer sind also gut beraten, grundsätzlich bei Tages-, Festgeld und Banksparplänen nicht nur auf die im Angebot ausgewiesenen Zinsen zu achten. Vielmehr sollte die tatsächliche Rendite (der effektive Jahreszins) auch durch hartnäckige Nachfrage in Erfahrung gebracht werden.

Quelle: n-tv.de

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