Ratgeber
In Deutschland gibt es über 200 Pfandleihhäuser. In den letzten Jahren haben sie online Konkurrenz bekommen.
In Deutschland gibt es über 200 Pfandleihhäuser. In den letzten Jahren haben sie online Konkurrenz bekommen.(Foto: imago stock&people)

Schnelles Geld ohne Schufa: So funktionieren Pfandleihhäuser

Von der Rolex bis zur Hermès-Handtasche, von Omas Goldkette bis zum Firmenwagen - Pfandleihhäuser nehmen fast alles entgegen, was sich irgendwie zu Geld machen lässt. Rund eine Million Menschen nutzen die unkomplizierte Kreditvergabe - zahlen dafür aber einen ziemlich hohen Preis.

Schnelles Bargeld auch bei schlechter Schufa? Klingt nach windigem Kreditangebot mit Wucherzinsen – oder aber nach Pfandleihhaus. Wer schnell Bares braucht, aber keinen Bankkredit aufnehmen kann oder will, kann dort wertvolle Gegenstände kurzfristig zu Geld machen. Und das ohne Bonitätsprüfung und Rückzahlungsverpflichtung - so werben jedenfalls die Pfandleihhäuser. Mehr als 200 davon gibt es in Deutschland.

Auch im letzten Jahr haben etwa eine Million Kunden Gegenstände verpfändet und sich insgesamt rund 500 Millionen Euro ausgeliehen. Das Kundenspektrum reiche vom "Bürger A bis zum Unternehmer Z", heißt es beim Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes (ZDP).

Meistens seien es Menschen, die bei der Bank keinen Kredit bekommen, erklärt ZDP-Vorsitzender Joachim Struck. Das muss nicht einmal an kritischen Schufaeinträgen liegen. Auch Existenzgründer, Freiberufler und Selbstständige blitzen bei Banken oft ab, weil sie wenig Sicherheiten bieten können. Denn anders als bei der Bank gibt es beim Pfandleiher keine Bonitätsprüfung - Kunden müssen neben dem Wertgegenstand nur ihren Ausweis sowie eventuell einen Eigentumsnachweis vorlegen. Schon gibt es Geld.

Elektronik bringt nicht viel

Kredite zwischen 10.000 Euro und 30.000 Euro seien keine Seltenheit. Das durchschnittliche Darlehen liegt aber bei rund 300 Euro. Grundsätzlich können Kunden alles beleihen lassen, was beweglich ist. Hoch im Kurs stehen neben teuren Autos auch Designerhandtaschen und Designergürtel sowie Uhren. Für elektronische Geräte wie Mobiltelefone, Computer oder Fernseher gibt es meist wenig Geld. Grund ist der schnelle Wertverfall.

Werkzeuge oder Firmenwagen stehen während der Vertragslaufzeit natürlich nicht zur Verfügung. Sie ruhen ungenutzt im Depot des Pfandleihers. Kunden können sie also nicht nutzen, um damit Aufträge auszuführen. Ein Großteil bringt jedoch ohnehin Schmuck.

Die meisten Kunden bringen Schmuck.
Die meisten Kunden bringen Schmuck.(Foto: dpa-tmn)

Wie viel Geld es für Omas Goldkette gibt, richtet sich laut ZDP üblicherweise nach dem tagesaktuellen Edelmetallpreis. Für andere Gegenstände gilt: Der Betrag hängt unter anderem vom Wiederverkaufwert der Dinge ab - diesen schätzt das Pfandleihhaus. Der Kunde erhält davon meistens 50 Prozent und weniger. "Wer ein Auto von 100.000 Euro hinterlegt, kann an die 50.000 Euro bekommen", sagt Schedl. Er begründet den hohen Abschlag unter anderem mit dem Lageraufwand. Außerdem bestehe das Risiko, dass bei einer Versteigerung ein Betrag unter der Darlehenssumme erzielt wird.

Beim Pfandleih-Kredit gilt der eingereichte Gegenstand als Sicherheit. "Der Kunde haftet nicht mit seinem persönlichen Vermögen und macht keine Schulden", erläutert ZDP-Geschäftsführer Wolfgang Schedl. Zahlt jemand das Darlehen nicht zurück oder löst sein Pfand nicht aus, wird das Objekt öffentlich versteigert. Das passiert laut ZDP aber nur bei zehn Prozent der Fälle.

Den Erlös aus der Versteigerung erhält das Leihhaus - es sei denn, der Gegenstand bringt eine höhere Summe ein, als der Darlehensnehmer in Anspruch genommen hat, dann steht ihm dieser Mehrerlös zu. Der Kunde hat zwei Jahre Zeit, diesen Überschuss abzuholen. Danach kassiert der Staat das Geld. So regelt es die staatliche Pfandleihverordnung von 1961.

Zinsen und Gebühren

Seit einiger Zeit bieten Pfandleiher ihre Dienste auch online an, etwa Valendo, OnlinePfand oder die Deutsche Pfandkredit AG. Die Konditionen sind mit denen der klassischen Häuser vergleichbar. Hauptunterschied: Das Geld wird in der Regel erst überwiesen, wenn die Gegenstände ein Experte im Leihhaus geprüft hat. "Die Kunden fragen über das Netz an und bekommen ein Angebot. Wenn man sich geeinigt hat, holen wir den Wertgegenstand ab", erklärt Martin Nett, Vorsitzender der Deutschen Pfandkredit AG.

Wenn die meisten Kunden ihre Sachen wieder abholen – womit verdienen die Leihhäuser dann überhaupt Geld? Ganz einfach: Die Kreditnehmer müssen auch hier für das Darlehen bezahlen. Monatlich fällt ein Prozent Zinsen an, hinzu kommen Gebühren. Bis zu einer Darlehenssumme von 300 Euro sind sie in der Pfandleihverordnung festgeschrieben. Für höhere Summen werden die Gebühren frei vereinbart. "Auch wenn es am Anfang wegen der kleinen Summen nicht so aussieht: Einen Gegenstand zu beleihen, ist eine teure Angelegenheit", sagt Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Aufs Jahr hochgerechnet könne sich ein Effektivzins von mehr als 40 Prozent ergeben.

Ein weiterer Risikofaktor sei die Einmalgebühr, die Verbraucher mit dem Leihhaus aushandeln müssen. Das Verfahren sei also allenfalls zur kurzfristigen Liquiditätsbeschaffung gedacht, sagt Laag. Wer längerfristig Geld braucht, sollte andere Kreditvarianten wählen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen