Ratgeber

Gebühren-Wirrwarr beim Girokonto: So gängeln Banken und Sparkassen Kunden

Ein Gastbeitrag von Max Herbst

Kostenlose Girokonten bei regionalen Banken dürften bald Geschichte sein, auch wenn die Anbieter die Gebühren nicht immer transparent machen. Wie Kunden versteckte Kosten dennoch enttarnen.

Selbst bei vermeintlich kostenlosen Girokonten lohnt es sich, die Preise zu vergleichen
Selbst bei vermeintlich kostenlosen Girokonten lohnt es sich, die Preise zu vergleichen(Foto: imago/McPHOTO)

Zunächst die gute Nachricht: Wer sein altes Girokonto auflösen und Kunde einer neuen Bank werden möchte, hat mit dem Übertritt immer weniger Scherereien. Viele Banken – zum Beispiel die ING DiBa – bieten Neukunden inzwischen Kontowechsel-Service an, der diesen Namen verdient, und lästigen Papierkram weitgehend vermeidet. Ähnlich gut und schon seit einiger Zeit gültig sind die Offerten von Commerzbank, comdirect bank, DKB, HypoVereinsbank, Santander Bank, Sparda-Bank West und vielen PSD Banken.

Allerdings ist der beste Umzugsservice nicht viel wert, wenn die Konditionen der Bank nichts taugen. Die FMH-Finanzberatung hat die Kontomodelle von etwa 150 Institute (rund zehn Prozent der am Markt vertretenen) genauer betrachtet. Das Ergebnis ist durchwachsen: Während sich vor allem die Direktbanken inzwischen durchaus um Transparenz und guten Service bemühen, gibt es immer noch Kandidaten, die bei den Gebühren ordentlich zulangen. Welche Leistungen besonders teuer sind, variiert von Anbieter zu Anbieter. Einige Banken sind uns besonders aufgefallen.

  • Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
    Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.
    Die Sparkasse Wilhelmshaven will beim starpac classic 8,90 Euro pro Monat. Für die Kreditkarte werden pro Jahr nochmals 30 Euro fällig. In Kombination mit einem Dispozins von 11,65 Prozent ist dieses Angebot nicht unbedingt ansprechend.
  • Gleiches gilt für die Sparkasse Jena Saale Holzland. Sie verlangt monatlich beim giro ideal X-tra zwar „nur“ 7,50 Euro (bei einem Geldeingang von ab 3000 Euro monatlich nur vier Euro). Die Kreditkarte schlägt jährlich dafür mit 35 Euro ins Kontor, beleghafte Buchungen mit 49 Cent pro Stück – und selbst beleglose Vorgänge kosten jeweils 9 Cent. Wer am Ende gar das Serviceterminal verwendet, um seinen Überweisungsauftrag zu erteilen, zahlt nochmals 19 Cent. Immerhin: Der Dispozins ist vergleichsweise niedrig: Er liegt bei 6,85 Prozent.
  • Die Bodenseebank verlangt für das Giro Extra eine monatliche Kontoführungsgebühr von stolzen 9,90 Euro. Dafür verzichtet sie (zurzeit) zumindest auf Kosten für eine Girokarte, Kreditkarte und beleghafte Buchungsvorgänge.
  • Die Sparkasse Hochrhein will beim Giro privat monatlich 6,90 Euro Kontopauschale plus 41,88 für die Kreditkarte. Das sind monatlich umgerechnet zusammen 10,39 Euro und im Jahr 124,68 Euro.
  • Kunden des Giro online der OstseeSparkasse Rostock zahlen zwar keine monatliche Kontoführungsgebühr. Wenn sie es allerdings wagen, den Selbstbedienungsterminal im Schalterraum zu nutzen, wird es richtig teuer: Pro Buchungsauftrag verlangt das Geldhaus drei Euro, die gleiche Summe fällt bei beleghaften Buchungen an. Doch die OstseeSparkasse Rostock hat noch andere Einnahmequellen für sich erschlossen: Kunden, die ihre Kontoauszüge bei diesem Konto nicht zuhause, sondern mit dem Kontodrucker der Bank ausdrucken, zahlen nochmals 50 Cent pro Vorgang. Dass die Kreditkarte nochmal 20 Euro extra pro Jahr kostet, überrascht schon gar nicht mehr.
  • Wer bei der Stadtsparkasse München das kostenlose Girokonto Online nutzt (erhältlich ab 1.750 Euro monatlichem Geldeingang), zahlt zwar, wie der Name nahelegt, keine Kontoführungsgebühren. Dafür aber fallen sowohl für beleghafte Überweisungsvorgänge als auch für die Nutzung des Terminals und des Kontodruckers jeweils 2,50 Euro pro Vorgang an. Die Girokarte kostet 7,50 Euro , die die Kreditkarte 29 Euro. München ist eine teure Stadt – offenbar will die Stadtsparkasse diese Tatsache auch bei den Bankgebühren wiederspiegeln.
  • Andererseits sind die Gebühren auch im weniger teuren Dortmund nicht deutlich günstiger. Die Sparkasse Dortmund will beim Giro Online (ohne monatliche Kontogebühr) 2,50 Euro für beleghafte und am Terminal selbst ausgefüllte Buchungsaufträge. Der Kontodrucker kostet nur 45 Cent, die Kreditkarte dafür aber jährlich 34,80 Euro. Für die Girokarte fallen pro Jahr fünf Euro an.

Fazit: Selbst bei vermeintlich kostenlosen Girokonten lohnt es sich, die Preise zu vergleichen – auch und gerade im Hinblick auf häufig benötigte Dienstleistungen. Ein Wechsel von einem teuren zu einem günstigen Anbieter kann pro Jahr schnell eine dreistellige Summe sparen.

Quelle: n-tv.de

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