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Wird eine Ehe geschieden, müssen meist auch Versorgungsanwartschaften geteilt werden.
Wird eine Ehe geschieden, müssen meist auch Versorgungsanwartschaften geteilt werden.(Foto: imago/Westend61)
Mittwoch, 17. Mai 2017

Wenn die Ehe in die Brüche geht: So läuft der Versorgungsausgleich

Wird eine Ehe geschieden, ist meist ein Versorgungsausgleich fällig. Dann müssen die in der Ehe erworbenen Rentenansprüche geteilt werden. Das gilt für die gesetzliche und private Rentenversicherung sowie für die betriebliche Altersversorgung, wie Finanztest erklärt.

Scheitert eine Ehe, beginnt das große Rechnen. Neben etwaigen Unterhaltskosten und dem Aufteilen während der Ehe erworbener materieller Güter ist auch meist ein Versorgungsausgleich fällig. Es sei denn, dieser wurde nicht ausdrücklich ausgeschlossen. Ist dem nicht so, werden durch das Familiengericht alle während der Ehe erworbenen Rentenansprüche beider Eheleute je zur Hälfte geteilt und miteinander verrechnet. Dies gilt für die gesetzliche wie für die private Rentenversicherung, für die betriebliche Altersversorgung und auch Pensionsansprüche aus einem Beamtenverhältnis. Bei Ehen, die nicht länger als drei Jahre gehalten haben und auch bei krassem Fehlverhalten eines Ehepartners entfällt der Ausgleich meist.

Ansonsten dient der Versorgungsausgleich dazu, Ungleichheiten im Erwerbsleben der Eheleute auszugleichen - beispielsweise wenn die Frau sich überwiegend um die gemeinsamen Kinder kümmert, kein eigenes Einkommen hat und dadurch weniger in die Rentenkasse einzahlt. Dann wird bei der Rente und beim Unterhalt per Gesetz dafür gesorgt, dass dieser Einsatz für die Familie demjenigen Partner nicht zum Nachteil gereicht. 

Die Tatsache, dass in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundes­amtes von 1000 Ehen spätestens nach 25 Jahren 393 wieder geschieden werden, zeigt, wie relevant die Arbeit der Familiengerichte ist, die den Versorgungsausgleich bei einer Scheidung meist automatisch durchführen. Geteilt werden nur Ansprüche aus der Ehezeit.

Finanztest nennt in seiner neusten Ausgabe Zahlen, welche Summen derart neu verteilt werden. Denn zunächst hat der Versorgungsausgleich keine spürbaren finanziellen Auswirkungen. Was sich mit dem Rentenbeginn aber deutlich ändert. Wenn zum Beispiel ­eine geschiedene Ehefrau von ihrem Ex-Mann Versorgungsansprüche ­mit einem derzeitigen Wert von 960 Euro monatlich über­tragen bekommt, macht das bei einer Rentenbe­zugs­dauer von nur zehn Jahren mehr als 115.000 Euro aus - ohne Berücksichtigung ­von Rentensteigerungen. Lebt die Frau nach Renten­eintritt noch 20 Jahre, sind dies mehr als 230.000 Euro.

Zu beachten ist, dass beim Versorgungsausgleich nur Ansprüche berücksichtigt werden, von denen das Gericht auch weiß. Zwar muss jeder Ehepartner dem Gericht alle Versorgungsträger nennen, bei denen er Anwartschaften hat, welche dann vom Gericht an den anderen Partner zur Kontrolle übermittelt werden. Wurde allerdings eine Anwartschaft vergessen und bleibt vom baldigen Ex-Gatten unbemerkt, führt dies nachträglich zu keiner Änderung des festgelegten Versorgungsausgleichs.

Grundsätzlich können Ehepaare aber auch eigene Vereinbarungen zur Gestaltung ihrer Altersversorgung im Falle einer Scheidung treffen. Diese müssen, um vor Gericht Bestand zu haben, von einem Notar beurkundet sein. Derart kann ein Versorgungsausgleich auch ganz ausgeschlossen werden. Allerdings wird dies vor Gericht nur dann anerkannt, wenn es einen vergleichbaren Ausgleich gibt. So soll vermieden werden, dass ein Partner stark benachteiligt wird oder im Alter staatliche Hilfe benötigt.    

Quelle: n-tv.de

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