Ratgeber
(Foto: imago/Westend61)
Samstag, 04. Juli 2015

Bettlaken und Schutzfolien: So übersteht man die Backofen-Hitze

Der Sommer kommt spät, aber gewaltig. Wer in den nächsten Tagen ein kühles Plätzchen sucht, könnte es sich im Keller bequem machen. Mit diesen Hitze-Tipps kommt man aber auch so durch die heißen Tage.

Bis zu 40 Grad werden am Wochenende in manchen Gegenden Deutschlands erwartet und sehr viel kühler wird es wohl auch danach nicht werden. Am Baggersee lässt sich das ganz gut aushalten. Am Arbeitsplatz womöglich schon weniger, wenn es keine Klimaanlage gibt. Und auch in der eigenen Wohnung kann die Hitze zur Belastung werden. Was kann man tun, um die heißen Tage erträglich zu gestalten?

Im Haus

Klimaanlagen in Privathaushalten sind in Deutschland kein Standard, also müssen sich die Bewohner anders behelfen, um die Temperatur auf ein erträgliches Level zu bringen. Die wichtigste Maßnahme ist auch die einfachste: Die Fenster tagsüber geschlossen halten. Die Wärme aus der Luft von draußen wird ansonsten in den Wänden gespeichert und das heizt die Wohnung nur zusätzlich auf. Besser man lüftet am späten Abend, am Morgen oder über Nacht.  

Wer Rollläden hat, tut gut daran, sie tagsüber herunterzuziehen, es gibt kaum einen besseren Hitzeschutz. Denn wenn die Sonne gar nicht erst aufs Fenster trifft, heizt sich das Glas auch nicht so auf. Gibt es keine Rollläden, kann man sich mit innenliegenden Rollos oder schweren Gardinen helfen. Sie reduzieren die Sonneneinstrahlung immerhin noch um 25 Prozent. Manche moderne Fenster verfügen auch schon über einen integrierten Sonnenschutz, der Sonnenstrahlen reflektiert. Solche Fenster halten bis zu 80 der Energie draußen. Das gleiche gilt für Sonnenschutzfolien, die man individuell nachrüsten kann. Sie werden - am besten von Profis - auf die Außenseite des Fensters geklebt und haben dort einen spiegelnden Effekt. Die Sonne halten sie recht gut ab - Licht allerdings auch. Da man die Folien im Winter nicht einfach abkratzt, sollte man sich gut überlegen, ob und wo man sie einsetzt. Für Dachgeschosswohnungen, die im Sommer zum Backofen werden, könnten die Folien beispielsweise eine gute Lösung sein.

Manche Menschen hängen feuchte Handtücher oder Bettlaken vors Fenster, die in heißen Sommernächten Abkühlung schaffen sollen. Der Hintergrund: Beim Trocknen wird der Luft Wärme entzogen, dabei kühlt auch die Umgebung etwas ab. Das kann aber auch kontraproduktiv sein, denn beim Verdunsten steigt natürlich auch die Luftfeuchtigkeit und die Luft wird schwüler.   

Ein Ventilator macht einen Raum zwar nicht kühler, er sorgt aber für Bewegung in der Luft und lässt den Schweiß schneller verdunsten. Oft ist das schon ganz hilfreich. Das Gerät sollte allerdings nicht die ganze Nacht laufen, dafür verbraucht es zu viel Energie. Außerdem drohen Verspannungen.   

Am Körper

Hitze mit Kälte bekämpfen? Keine gute Idee. Auf eiskalte Duschen reagiert der Körper mit thermischer Regulierung, sprich: Er heizt auf. Der kurzen Abkühlung folgt dann starkes Schwitzen. Am besten hat das Duschwasser um die 35 Grad, also knapp unter Körpertemperatur. Statt sich mit einem Handtuch trocken zu rubbeln, lässt man die Feuchtigkeit besser verdunsten.   

Wie beim Duschen gilt auch beim Trinken: Zu kalt ist kontraproduktiv. Die Cola mit Eiswürfeln mag erfrischend schmecken, provoziert aber nur verstärktes Schwitzen und bei empfindlichen Menschen auch Magen-Darm-Probleme. Besser sind warmes – nicht heißes – Wasser oder Tee in ausreichender Menge. Zwei bis drei Liter Flüssigkeit sollte man bei Hitze mindestens zu sich nehmen, Kaffee und Schwarztee eher in Maßen, denn auch sie fördern das Schwitzen.

Je heißer das Wetter, desto kürzer die Kleidung -  so lässt es sich zumindest auf der Straße beobachten. Dabei kommt es gar nicht darauf an, so wenig wie möglich anzuziehen, sondern das Richtige. Unter engen Hosen und Shirts kann sich die Hitze stauen, besser ist luftig-leichte Kleidung, die dann auch ruhig den Körper bedecken kann. Naturfasern wie Baumwolle, Leinen oder kühlende Seide nehmen den Schweiß gut auf. Kunstfasern wie Polyester oder Viskose vermeidet man besser, denn sie sind nicht atmungsaktiv.

Am Arbeitsplatz

Männer mit kurzen Hosen, Frauen mit Spaghettitops – was in manchen Firmen völlig okay ist, kann anderswo schon ein Grund für eine Abmahnung sein. Gerade in Bereichen mit Kundenkontakt bestehen Arbeitgeber oft auf Sakko, Langarmhemd und Feinstrumpfhosen zum Rock. Und dazu sind sie auch berechtigt. Erleichterung können aber auch hier die richtigen Materialien schaffen. So trägt sich ein Anzug aus leichter Merinowolle meist angenehmer als einer aus Baumwolle. Auch helle Farben wie beige, khaki oder braun sind im Hochsommer vorteilhaft, weiß ist dagegen oft nicht gern gesehen, weil es zu urlaubshaft wirkt.

Klimaanlagen sind in modernen Büros üblich, aber längst nicht überall Standard. Aber kann es Mitarbeitern zugemutet werden, bei Innentemperaturen von 30 Grad oder mehr am Schreibtisch zu sitzen? Jein. Laut Arbeitsstättenrichtlinien sollte die Temperatur in Arbeitsräumen nicht über 26 Grad Celsius liegen. Das ist aber nur eine Empfehlung, kein verbindlicher Wert. Arbeitgeber sind lediglich dazu angehalten, "im Rahmen des betrieblich Möglichen" erträgliche Bedingungen zu schaffen. Das heißt nicht, dass die Firma nun Klimaanlagen installieren muss. Es kann schon reichen, Jalousien nach der Arbeit geschlossen zu halten oder früh morgens durchzulüften. Außerdem könnte der Arbeitgeber Trinkwasser stellen oder Gleitzeitregelungen für die Arbeitszeitverlagerung anbieten. Wenn es strenge Bekleidungsvorschriften gibt, könnten sie gelockert werden.

Erst ab 35 Grad Innentemperatur gilt ein Arbeitsraum als "ungeeignet". Dann sollten wenn möglich technische Maßnahmen wie Luftduschen Abhilfe schaffen. Es kann aber auch schon reichen, Mitarbeiter zu "Entwärmungsphasen" in einen anderen Raum zu schicken. Hitzefrei gibt es für Arbeitnehmer nicht. Auch wenn es im Büro so heiß ist, dass man ohnehin nicht mehr klar denken kann, darf man nicht einfach zu Hause bleiben. Nur dann, wenn der Arbeitgeber überhaupt keine Schutzmaßnahmen ergreift und deshalb ein konkretes Gesundheitsrisiko besteht, kann man ungestraft die Arbeit einstellen.     

Quelle: n-tv.de

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