Sparen beim Kfz-Versicherungswechsel So viel kann man rausholen
Der Countdown für den Kfz-Versicherungswechsel ist angezählt. Letzte Woche haben wir das Sparpotenzial unserer Redaktionsmitglieder überprüft. Diesmal nehmen wir uns einen fiktiven Beispielkunden vor. Und der ist in etwas edleren Karossen unterwegs als die Kollegen. Aber kann er auch mehr sparen?
Tick tack, die Zeit läuft ab: Keine zwei Wochen mehr bleiben Autofahrern, um ihre Kfz-Versicherung zu wechseln. Auch jene, die ihren Anbietern bisher die Treue hielten, könnten nun über einen Wechsel nachdenken. Denn nach jahrelangen Preiskämpfen erhöhen viele Versicherer nun erstmals wieder ihre Tarife – und das auch für Bestandskunden. Auf die gesamte Branche gerechnet dürften die Beiträge um zwei bis drei Prozent steigen, prognostiziert der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV).
Nötig wird das, weil die Versicherer dauerhaft mehr für die Schadensregulierung bezahlen müssen, als sie durch Beiträge einnehmen. Auf jeden verdienten Euro kommen in diesem Jahr 1,05 Euro an Ausgaben. Schuld sind unter anderem der harte Winter, aber auch die höheren Durchschnittskosten für Reparaturen. Auf Dauer kann sich nicht jede Gesellschaft dieses Subventionsgeschäft leisten. Als erste kündigten im "Handelsblatt" im Oktober die Branchenriesen Allianz und HUK Coburg "moderate Anpassungen" an, wenn auch nur im einstelligen Prozentbereich und nicht für alle Kunden.
Neue Wagen aus Deutschland
Als wir letzte Woche die Policen der Redaktionsmitglieder verglichen haben, erwies sich zumindest die HUK als gute Wahl. Als verhältnismäßig teuer stellte sich dagegen ein Anbieter heraus, von dem man das nicht vermutet hätte: der Direktversicherer DirectLine. Nach der Stichprobe aus dem echten Leben wollen wir heute das Sparpotenzial eines fiktiven Kunden auswerten. Der fährt – anders als die Kollegen – einen relativ neuen Wagen gehobener Klasse. Bei der Auswahl der Versicherung war er allerdings unvorsichtig: Er ist bislang beim teuersten Anbieter versichert. Wir haben die Vergleichsexperten von Check24 gebeten, uns die jeweils günstigsten Angebote herauszusuchen, um das maximale Sparpotenzial zu ermitteln. Kann man wirklich hunderte von Euro günstiger fahren, wie das stets behauptet wird?
Unser Beispielkunde ist 40 Jahre alt, Angestellter und nutzt sein Auto ausschließlich privat. Er hat keine Punkte in Flensburg und fährt seit Langem unfallfrei, ab nächstem Jahr in SF 20. Er wohnt mit seiner Frau und zwei Kindern in einer Eigentumswohnung in Stuttgart. Das Ehepaar fährt rund 9000 Kilometer im Jahr, mangels Garage wird auf der Straße geparkt. Das Fahrzeug ist seit Mitte 2008 zugelassen und wurde neu gekauft. Für die Vollkasko sind 300 Euro Selbstbeteiligung im Schadensfall vorgesehen, 150 Euro in der Teilkasko. Einen Schutzbrief braucht unser Kunde nicht, dafür eine Mallorca-Police. Damit erhöht sich die Haftpflicht-Deckungssumme von Mietwagen, wenn er mal im europäischen Ausland unterwegs ist. Der Kunde akzeptiert eine Werkstattbindung, um seine Beiträge zu senken.
So viel zu den Grunddaten. Das Wichtigste haben wir aber noch gar nicht erwähnt: das Fahrzeug. Wir haben Check24 fünf verschiedene Autos prüfen lassen. Alle von deutschen Herstellern, alle nicht ganz klein. Hier die Ergebnisse:
Fall1: Audi A4 Avant 1.8 TFSI
Auf 120 PS bringt es der Benziner aus Ingolstadt. In der Haftpflicht ist er in Typklasse 14 eingestuft, das ist günstig. In Voll- und Teilkasko rangiert er in Klasse 18 bzw. 19, nicht optimal, aber noch im Rahmen.
Im teuersten Tarif bezahlt unser Beispielkunde 463 Euro im Jahr. 200 Euro könnte er sich sparen, denn gleich vier Anbieter bieten gleichen Versicherungsschutz für rund 264 Euro. Am günstigsten ist die Confidon. Für alle, die von dieser Versicherung noch nie etwas gehört haben: Es handelt sich um die Eigenmarke von Check24, dahinter steckt die altbekannte Direct Line. Wer die Preise der Mitbewerber kennt, kann selbst die günstigsten Tarife anbieten. Groß ist der Unterschied aber nicht: Weil Nur ein paar Cent teurer ist der Basis-Tarif von Asstel, der allerdings nicht so umfangreich ist wie der hauseigene Check24-Tarif. Mit 265 Euro machen auch WGV-Himmelblau und Adcuri vergleichbare Angebote.
Fall 2: VW Passat B6 Variant 1.4 TSI
Wieder ein Kombi, diesmal mit 122 PS. Mit Typklasse 16 in der Haftpflicht steht der Passat aber etwas schlechter da als der Audi. Für Vollkaskoschäden ist der Wolfsburger Kombi dafür statistisch weniger anfällig, hier fährt der Passat in Klasse 17.
Fast 499 Euro kann der Kunde für die Versicherung seines Wagens bezahlen – muss er aber nicht. Wieder liegt die Confidon mit 268 Euro hauchdünn vorn im Preisvergleich. 1,50 Euro mehr sind es bei AllSecur, der Online-Tochter der Allianz. Und auch die WGV-Himmelblau mischt wieder mit im Spitzenfeld. Wir notieren jedenfalls: Sparpotenzial 230 Euro.
Fall 3: VW Golf V 1.4 TSI
Eine Nummer kleiner, aber genauso viel Leistung wie der Passat: der Deutschen liebstes Auto, der Golf. In der Haftpflicht fährt er in Typklasse 15 - also mittelmäßig, wie wir inzwischen wissen, in Voll- und Teilkasko dagegen in der guten Klasse 17.
Im schlechtesten Fall ist unser Musterkunde für 483 Euro versichert. Im besten für 253 Euro. Und diesmal hat nicht etwa Confidon die Nase vorn, sondern die Asstel, der Direktversicherer der Gothaer. Der Check24-Versicherer liegt mit 253 Euro aber immerhin auf dem zweiten Platz, dicht gefolgt von Allsecur. Fürs Protokoll noch das Sparpotenzial: 230 Euro.
Fall 4: Mercedes-Benz E 220 CDI
Die E-Klasse mit 136 PS. Eigentlich ein klassischer Firmenwagen, aber unser Kunde leistet sich den edlen Diesel für den Privatgebrauch. Und ist bereit, dafür ordentlich Geld auszugeben. Der Kaskoschutz liegt mit Typklasse 24 noch im Mittelfeld, die Haftpflicht-Klasse 21 ist dagegen richtig teuer.
Tarife um die 250 Euro wird man in dieser Klasse nicht mehr finden. 771 Euro, wie beim teuersten Anbieter, müssen es aber auch nicht sein. Den umfassenden Spezialtarif der Barmenia-Tochter Adcuri gibt es für rund 430 Euro, also 341 Euro günstiger. Da dürfte unser schwäbischer Beispielkunde schon in Wechsellaune kommen. Alternativen zu Adcuri sind wiederum Asstel und WGV-Himmelblau, die beide noch unter 440 Euro rangieren.
Fall 5: BMW 730 D
Wir wollten ja klotzen, nicht kleckern. Deshalb haben wir unserem Musterkunden als fünftes Fahrzeug nochmal einen echten Oberklasse-Schlitten gegönnt: Einen 7er BMW mit 245 PS. Klar, dass der auch in der Versicherung nicht gerade bescheiden ist. Haftpflicht Klasse 23, Teilkasko Klasse 30 und Vollkasko Klasse 29 – heißt dreimal teuer.
Und so wundert es auch nicht weiter, wenn die Preisspitze nun erstmals in den vierstelligen Bereich vordringt: 1355 Euro stehen beim teuersten Versicherer auf der Rechnung. Dann doch lieber zur BavariaDirekt, wo es den Schutz für 665 Euro gibt, also weniger als die Hälfte. Die BavariaDirekt ist übrigens eine Marke der OVAG – Ostdeutsche Versicherung. Die wiederum gehört zur Sparkassen-Finanzgruppe. Um hier nicht den Überblick zu verlieren, noch schnell die Plätze zwei und drei, die an alte Bekannte gehen: Adcuri (673 Euro) und AllSecur (692 Euro).
Wir halten fest: Je teurer die Versicherung generell aufgrund der Typklassen ist, desto höher ist auch das Sparpotenzial. Die meisten Kunden werden ohnehin nicht beim teuersten Anbieter versichert sein, weil sie zumindest bei der Anmeldung des Fahrzeugs auf die Prämie geachtet haben. Das hat zumindest die Stichprobe in der letzten Woche gezeigt. Doch selbst wenn man nicht das Extrembeispiel wählt, dürfte auch im Mittelfeld noch Luft nach unten sein. Ab einem dreistelligem Sparpotenzial sollte man sich den Wechsel zumindest überlegen.