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Manche Ehe scheint von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Manche Ehe scheint von vornherein zum Scheitern verurteilt.(Foto: imago/CHROMORANGE)
Freitag, 23. September 2016

Ehe im Eimer? : So viel kostet eine Scheidung

Von Axel Witte

Das Scheitern einer Ehe ist nicht nur schmerzhaft, sondern meist auch kostspielig. Wie teuer es tatsächlich wird, hängt maßgeblich vom Einkommen, Vermögen, der Zahl der Kinder, aber auch vom Miteinander der Trennungswilligen ab.

Die Ehe ist der Sonderfall eines Abonnements, das mehr Geld kostet, als wenn man einzeln zahlen müsste, wusste schon Johann Wolfgang von Goethe zu berichten. Gemeint ist hier sicherlich: wenn die Ehe Bestand hat. Teuer wird es aber auch, wenn sich die einst Liebenden entzweien, sprich scheiden lassen. 

Neben Versorgungsausgleich, Unterhaltskosten und dem Aufteilen während der Ehe erworbener materieller Werte kostet auch die rein formale Trennung Geld. Unter Umständen sogar eine ganze Menge. Denn Eheleute können ihre Scheidung nur mit anwaltlicher Hilfe vor dem Familiengericht über die Bühne bringen.    

Die Kosten für eine Scheidung setzten sich im Wesentlichen aus zwei Faktoren zusammen: den Gerichtskosten (geregelt im Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen, FamGKG) und den Anwaltskosten. Letztere ergeben sich aus dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Einige Anwälte lassen sich aber auch nach Stunden bezahlen, dann wird es entsprechend teurer. Scheidungskosten richten sich in Deutschland immer nach dem Verfahrenswert (Nettoeinkommen minus 250 Euro je Kind) x 3 + 10 Prozent des Vermögens) der jeweiligen Scheidung. 

Scheidungskosten in Deutschland
Scheidungskosten in Deutschland

Und so liegen die Belastungen bei einer durchschnittlichen Familie mit zwei Kindern bei einer Scheidung bei rund 4000 Euro (Verfahrenswert rund 15.500 Euro). Zumindest dann, wenn zwei Anwälte eingeschaltet werden, wie das unabhängigen Versicherungsportal Getsurance ermittelt hat. Bei entsprechend hohem Einkommen und Vermögen kann sich die Summe aber auch leicht verdoppeln (siehe Tabelle). 

In aller Regel wird es aber noch teurer. Denn zu den reinen Scheidungskosten gesellen sich oft weitere Gerichts- und Anwaltskosten, wenn um Sorgerecht und Unterhalt für gemeinsame Kinder gestritten wird. Auch wenn Gutachter beispielsweise zur Immobilienbewertung eingeschaltet werden müssen, steigen die Ausgaben. Dann können einige tausend Euro dazukommen.

Vor derartigen finanziellen Belastungen können sich Ehepartner zum Beispiel schützen, wenn sie einen Ehevertrag abschließen. In diesem können zum Beispiel vorab das Umgangsrecht, Unterhaltszahlungen oder die Aufteilung der Möbel geregelt werden. Hier kann auch eine Gütertrennung vereinbart werden, was in der Konsequenz bedeutet, dass das jeweilige Vermögen der Ehepartner getrennt bleibt. Bei der Scheidung findet dann auch kein Ausgleich des erzielten Vermögenszuwachses während der Ehe statt. Wird Entsprechendes nicht geregelt, findet in Deutschland automatisch der Zugewinnausgleich Anwendung. Ein Ehevertrag kann vor oder auch während der Ehe abgeschlossen werden. Besteht über die Trennungsmodalitäten weitesgehend Einigung zwischen den Ehegatten, sollten diese nur die Dienste eines Anwalts in Anspruch nehmen.

Darüber, ob und inwieweit Gerichts- und Anwaltkosten steuerlich als außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden können, wird lebhaft gestritten. In den meisten Fällen verwehren die Finanzämter und Gerichte aber die Anerkennung. Es sei denn, die finanziellen Aufwendungen waren notwendig, um sie für die Abwehr einer Existenzgefährdung aufzuwenden.

Aber auch in weniger dramatischen Fällen hat es Sinn, gegen einen negativen Bescheid Einspruch einzulegen und auf die anhängigen Verfahren beim Bundesfinanzhof hinzuweisen (BFH, Az. VI R 66/14, VI R 81/14 und VI R 19/15). Bis die Frage dann juristisch final geklärt wird, bleibt der Steuerbescheid in diesem Punkt offen. Etwaige Entlastungen gelten dann aber als gewahrt.  

Quelle: n-tv.de

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