Ratgeber
Samstag, 23. Juli 2016

Wie sag ich's dem Mitarbeiter?: So wird die Kündigung kein Desaster

Kündigungen sind für Angestellte eine niederschmetternde Erfahrung. Viele Vorgesetzte tun sich entsprechend schwer damit. Sie sollten sich im Voraus Gedanken machen, wie sie die Trennung erklären - und den scheidenden Mitarbeiter in der Umbruchphase unterstützen.

Kündigungen von heute auf morgen sind in Deutschland nicht ohne weiteres möglich.
Kündigungen von heute auf morgen sind in Deutschland nicht ohne weiteres möglich.(Foto: imago/MITO)

Für viele Chefs gehören Kündigungen zu den unangenehmsten Aufgaben. Wer überbringt schon gern Hiobsbotschaften? Der Jobverlust ist ein massiver, negativer Eingriff ins Leben, den Angestellten zieht die Nachricht oft den Boden unter den Füßen weg. Arbeitgeber müssen also genau überlegen, wie sie die Kündigung im Gespräch vermitteln.

Oft liegen die Ursachen in einer Umstrukturierung des Unternehmens - und damit nicht beim Arbeitnehmer selbst. Diesen Umstand sollte man entsprechend erklären. Auch auf die Frage "Warum gerade ich?" sind Chefs in dem Fall lieber gefasst. "Sie sollten dafür eine sinnhafte Logik vermitteln", erklärt Gisela Mohr. Sie ist emeritierte Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Leipzig. Konkret heißt das: transparent machen, nach welchen Kriterien die gestrichene Stelle ausgewählt wurde. Das können zum Beispiel die Einführung neuer Technologien oder die Veränderung des Produktangebotes sein.

Neben den Gründen für die Entlassung sollten Vorgesetzte Wertschätzung für den Mitarbeiter transportieren. "Ein knappes "Danke" genügt nicht", betont die Professorin. Konkrete Leistungen des Kollegen sollten gewürdigt werden. Zudem empfiehlt es sich, dem Mitarbeiter den Umbruch zu erleichtern. Dazu zählt eine ausreichende Kündigungsfrist, die zeitlichen Raum für die Suche nach einem neuen Job lässt. Den scheidenden Mitarbeitern sollten freie Zeiten gewährt werden, wenn ein Bewerbungsgespräch für eine neue Stelle ansteht. Auch ein gutes Arbeitszeugnis ist hilfreich.

Verhaltensbedingte Kündigung lässt sich nicht schönreden

Nicht immer liegen die Kündigungsgründe im Unternehmen. Manchmal genügen die Leistungen des Arbeitnehmers nicht den Ansprüchen des Betriebs. Da es vor der Kündigung meist entsprechende Hinweise und damit Chancen zur Verbesserung für den Angestellten gab, sollten Arbeitgeber die Entscheidung mit klaren Worten begründen, so Mohr. "Schlechte Leistung lässt sich nicht schönreden. Man muss dann schon authentisch bleiben."

Bei aller Offenheit sollten Arbeitgeber aber anständig und fair bleiben - und auch in so einem Fall im Anschluss den Arbeitnehmer möglichst beim Übergang unterstützen. Das sei auch im Interesse des Unternehmens. "Ein sauberes, geordnetes, wertschätzendes Verfahren senkt die Wahrscheinlichkeit von Sabotage durch den Gekündigten", erklärt Mohr.

Für die Zeit zwischen Kündigung und letztem Arbeitstag gilt es, weiter respektvoll mit dem Kollegen umzugehen, den Übergabeprozess aktiv zu begleiten und dabei zu unterstützen. Auch der Kollegenkreis ist in dem Zeitraum gefordert. "Sie sollten ihn weiter wie einen Kollegen behandeln", sagt Mohr. Wer sich privat mit ihm trifft oder immer gemeinsam mit ihm Mittagpause macht, sollte klarmachen, dass das so bleibt, erläutert die Expertin. Die soziale Unterstützung ist wichtig: Bemerken sie, dass der Kollege dauerhaft traurig und geknickt wirkt, sollten sie ihn ansprechen und anbieten, darüber zu reden. Mohr betont: "Weggucken ist der falsche Weg."

Quelle: n-tv.de

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