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Gebrauchtwagen kaufen: So wird man nicht übers Ohr gehauen

Gebrauchtwagen werden meist bei Vertragshändlern gekauft. Sie sind zwar etwas teurer, dafür ist das Risiko, dass gemogelt und getrickst wird, überschaubar. Wie erkennt man seriöse Privatverkäufer und Gebrauchtwagenhändler?

Verkäufer ohne Markenbindung sind meist etwas günstiger als Vertragshändler.
Verkäufer ohne Markenbindung sind meist etwas günstiger als Vertragshändler.(Foto: imago/CHROMORANGE)

Wirtschaftlich ist es der Kauf eines Neuwagens alles andere als clever. Sobald nach der Erstzulassung die Schilder verschraubt sind, hat das Fahrzeug schon im zweistelligen Prozentbereich an Wert verloren, ohne dass es einen Meter bewegt wurde. Kein Wunder, dass sich rund 85 Prozent der Autokäufer für einen Gebrauchten entscheiden. Dafür schränken sie sich bei Wunschausstattung und Garantie ein, nehmen kürzere TÜV-Laufzeiten in Kauf sowie das Risiko, dass der Verkäufer womöglich wichtige Details verschweigt. Die Stiftung Wartentest warnt im neuen "Finanztest"-Magazin vor Tricksereien beim Gebrauchtwagenkauf und erklärt, wie man am besten vorgeht.

Neuwagen bekommt man nur beim Vertragshändler, beim Erwerb aus zweiter Hand sind die Möglichkeiten vielfältiger. 39 Prozent der Interessenten kaufen von Privat. Das erfordert zwar meist etwas mehr Aufwand und Recherche – schließlich hat der Verkäufer keine Auswahl an Fahrzeugen herumzustehen -, ist aber meist auch die günstigste Variante. Im Schnitt gaben Käufer bei privaten Deals im letzten Jahr laut der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) knapp 7000 Euro aus, etwa 8 Prozent weniger als bei professionellen Händlern für gleichwertige Fahrzeuge gezahlt wurden. Der Nachteil: Privatverkäufer schließen meist jegliche Gewährleistung aus und das dürfen sie per Gesetz auch. "Gekauft wie gesehen" heißt es dann beispielsweise im Kaufvertrag. Für technische Mängel muss der Vorbesitzer nicht haften - es sei denn, er hat sie absichtlich verschwiegen.

Anders bei den Verkaufsprofis. Mit 19 Prozent ist der Anteil der klassischen Gebrauchtwagenhändler am Geschäft vergleichsweise gering. Die meisten Kunden haben laut DAT mit 42 Prozent die Vertragshändler. Sie verlangen im Schnitt die höchsten Preise, die Gewährleistungsfristen sind bei beiden gleich: Grundsätzlich müssen professionelle Händler zwei Jahre für Mängel haften, bei Gebrauchten können sie die Dauer auf ein Jahr verkürzen. Steht das nicht im Kaufvertrag, gelten zwei Jahre. 

Zeichen für unseriöse Angebote

Ist der Wald- und Wiesenhändler weniger vertrauenswürdig als der Markenverkäufer? Nicht unbedingt. Wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, spricht nichts gegen den Gebrauchtwagenhändler. Ein gutes Zeichen ist, wenn der Betrieb Mitglied der Kfz-Innung ist. Falls es später zu Streit kommt, kann die entsprechende Schiedsstelle schlichten. Sicherheit gibt es, wenn der Wagen werkstattgeprüft ist. Mängel sollten detailliert beschrieben werden, ein schlichtes "Wagen in altersgemäß gutem Zustand" reicht nicht aus. Wenn das Fahrzeug auf dem Hof anders dasteht als in der Anzeige beschrieben, ist das kein gutes Zeichen. Die Angaben im Inserat sind übrigens verbindlich - auch wenn bestimmte Eigenschaften im Kaufvertrag nicht mehr erwähnt werden. Steht etwa eine Klimaanlage im Inserat, kann der Käufer davon ausgehen, dass sie vorhanden ist. Auch, wenn im Kaufvertrag keine Rede mehr davon ist.

Generell sollten die Alarmglocken schrillen, wenn der Händler zwar bestimmte Eigenschaften des Wagens erwähnt, diese aber nicht in den Kaufvertrag aufnehmen will. Fehlt das Inspektionsheft? Finger weg. Auch wenn alle Einträge in der gleichen Handschrift oder mit demselben Stift notiert sind, sollte man skeptisch werden. Der ADAC berichtet über Tachomanipulationen bei jedem dritten Gebrauchtwagen. Auffällig ist es, wenn die Tachostände und die zeitlichen Abstände zwischen den Wartungen sehr unregelmäßig sind.

Wird ein technisch einwandfreies Fahrzeug als Bastlerwagen verkauft, soll damit die Gewährleistung ausgeschlossen werden. Das Gleiche gilt, wenn der Kunde den Kaufvertrag als Unternehmer unterschreiben soll. Lieber nicht, vermeintliche Schnäppchen können teuer werden.

So geht man vor

Egal, ob von Privat oder vom Profi: Ein Auto kauft man nicht wie ein paar neue Schuhe, es ist schon etwas Vorbereitung nötig. Zunächst gilt es, sich über die Schwächen des Wunschmodells zu informieren. Eine Preisrecherche ist sowieso selbstverständlich. Damit man beim Besichtigungstermin keinen Punkt vergisst, druckt man sich am besten vorher eine Checkliste aus. Die vom ADAC ist recht ausführlich. Beim Verkäufer lässt man sich neben dem Auto auch die Papiere zeigen. Dazu gehören neben der Zulassungsbescheinigung und TÜV-Bericht auch Werkstattrechnungen und Inspektionen.

Zur Probefahrt kommt man am besten zu zweit – besonders, wenn man sich nicht gut mit Autos auskennt. Unfälle auf der Testfahrt sind nicht immer von der Vollkaskoversicherung abgedeckt, jedenfalls nicht komplett. Viele Händler lassen Interessenten eine Vereinbarung unterschreiben, in der ein hoher Selbstbehalt festgelegt ist. Bei Privatverkäufen kann der Verkäufer Schadensersatz verlangen, wenn sich nach einem Unfall seine Schadenfreiheitsklasse erhöht.

Das Auto gefällt und das Angebot scheint seriös? Dann steht einem Kaufvertrag nichts im Wege. Meist kümmert sich der Verkäufer darum. Wichtig ist, dass er auch seine Ausweisdaten einträgt. Außerdem rät "Finanztest", Datum und Uhrzeit des Kaufs zu notieren, um klarzustellen, ab wann der neue Besitzer haftet. Wird der neue Besitzer beispielsweise auf dem Weg zur Zulassungsstelle geblitzt, ist somit klar, dass er auch den Strafzettel zu bezahlen hat. Besteht der Händler auf Barzahlung - bei Privatverkäufern ist das üblich – erledigt man das am besten gemeinsam bei der Bank. Schließlich ist es ziemlich riskant, Tausende Euro mit sich herumzutragen.

Quelle: n-tv.de

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