Dienstag, 04. August 2009
Lehman-Opfer: Statistik zur Pleite
Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers hat in Deutschland einer Studie zufolge vor allem bei älteren Kapitalanlegern für massive Verluste gesorgt. Das Durchschnittsalter der Geschädigten liege bei 60 Jahren, teilte die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mit. Anlegeranwälte rieten Betroffenen, aktiv zu werden, um noch vom Lehman-Insolvenzverfahren in den USA zu profitieren.
Die meisten Betroffenen haben zwischen 10.000 und 24.000 Euro verloren.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Vom Kollaps der US-Bank im September 2008, der zur Verschärfung der Finanzkrise führte, waren laut DSW auch zahlreiche Anleger über 75 betroffen. Daneben hätten aber ebenso viele Familien Lehman-Zertifikate gekauft, etwa um die Ausbildung ihrer Kinder zu finanzieren. Insgesamt schätzt die DSW die Zahl der Geschädigten in Deutschland auf 50.000. Die Vereinigung hat für ihre Studie 800 Einzelfälle ausgewertet.
Viele Anleger hatten in den vergangenen Jahren in Lehman-Papiere investiert, weil diese von Banken als ertragsstark und sicher beworben wurden. Ältere Menschen trifft der praktisch vollständige Wertverlust hart, weil sie die Zertifikate für ihre Altersvorsorge gekauft hatten.
Verlierer sitzen in NRW
Der überwiegende Teil der Geschädigten habe zwischen 10.000 und 24.000 Euro angelegt, teilte die DSW mit. Dies treffe auf etwa 40 Prozent der Anleger zu. Etwas mehr als ein Viertel habe bis zu 49.000 Euro angelegt, weitere 14 Prozent bis zu 74.000 Euro. Nur ein knappes Zehntel hatte demnach unter 10.000 Euro für Lehman-Zertifikate ausgegeben.
Mit einem Anteil von 40 Prozent komme der Großteil der betroffenen Anleger aus Nordrhein-Westfalen, teilten die Anlegerschützer mit. Weitere knapp 17 Prozent stammten aus Hessen, zwölf Prozent aus Bayern, acht Prozent aus Baden-Württemberg und knapp sieben Prozent aus Niedersachsen. Berlin und Ostdeutschland seien mit einem Anteil von 5,7 Prozent weniger stark von der Lehman-Pleite betroffen als der Rest der Republik.
Konto blank dank Citibank
Hauptvermarkter der Lehman-Zertifikate in Deutschland war den Angaben der DSW zufolge die Citibank, bei der 46 Prozent der Anleger ihrer Papiere gekauft haben. Ein knappes Drittel der Geschädigten war demnach Kunde bei der Dresdner Bank. 15 Prozent hätten ihre Papiere von Sparkassen erworben, weitere sieben Prozent bei anderen Instituten.
Die Münchner Anwaltskanzlei Rotter riet Lehman-Opfern, bei den zuständigen Stellen in den USA bis November ein Entschädigungsformular einzureichen, um vom dortigen Lehman-Insolvenzverfahren zu profitieren. Die Frist ende am 2. November. Wie hoch die Entschädigung ausfalle, sei nach wie vor offen. Auch bei Ansprüchen gegenüber deutschen Banken, die Lehman-Papiere verkauften, sollten Anleger den Angaben zufolge die Verjährungsfrist beachten: Diese laufe drei Jahre nach Kauf der Papiere aus.
Derzeit klagen an mehreren deutschen Gerichten Anleger, weil sie sich von ihren Banken und Sparkassen nicht ausreichend über die Risiken der Lehman-Zertifikate informiert fühlten. Bei der Pleite einer Bank sind Zertifikate meist nicht von der Einlagensicherung geschützt. Die Lehman-Papiere sind heute praktisch wertlos. Ein Teil der Anleger moniert auch, dass die Geldhäuser Provisionen für den Verkauf der Papiere nicht ausreichend offen gelegt hätten. Manche Institute, etwa die Hamburger Sparkasse, haben einen Teil der betroffenen Anleger bereits freiwillig entschädigt.
AFP
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