Ratgeber

Kein sicheres Auskommen im Alter: Studie zerpflückt Riester-Rente

Die kapitalgedeckte Riester-Rente taugt nach einer neuen Studie nicht zum Ausgleich der Einschnitte bei der gesetzlichen Rente. Wissenschaftler der Hans-Böckler-Stiftung empfehlen daher, die Subventionierung von Riester-Renten auslaufen zu lassen - und zur Vermeidung von Altersarmut das Rentenniveau zu erhöhen statt zu senken.

R.I.P. Rister-Rente?
R.I.P. Rister-Rente?

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat ein desaströses Urteil über die kapitalgedeckte Riester-Rentenreform gefällt und gleichzeitig eine Stärkung des klassischen umlagefinanzierten Rentensystems gefordert.

Demnach habe sich die Umstellung auf ein teilweise durch privates Kapital gedecktes Alterssicherungsmodell in Form der Riesterrente als "Fehlentscheidung" erwiesen und erhöhe das Risiko von Armut im Alter. "Das gesetzliche Rentensystem muss wieder zu einer Lebensstandardsicherung zurückfinden mit einer paritätischen Finanzierung durch Arbeitnehmer und Arbeitgeber", heißt es in der nun vorgestellten Studie des HBS-Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Weiter fordern die Wissenschaftler, dass zur Vermeidung von Altersarmut das Rentenniveau erhöht werden muss, statt es zu senken. Niedrigrenten sollen durch Steuergelder aufgestockt werden.

Die kapitalgedeckte Rente sei "keinesfalls geeignet, den Menschen ein sicheres Auskommen im Alter in Ergänzung zur gesetzlichen Rente zu garantieren". Blieben die Reformen in Kraft, drohten erhebliche Teile der Erwerbsbevölkerung in Altersarmut abzugleiten, warnen die Autoren. "Leider haben die Rentenreformen um die Jahrtausendwende das Problem des demografischen Wandels nicht gelöst, sondern nur in die Zukunft verschoben", kritisierte IMK-Chef Gustav A. Horn.

"Die hohen Renditen, die die Versicherer in der Vergangenheit auf den Kapitalmärkten erzielten, haben sich nicht in einer entsprechend hohen Verzinsung der Einzahlungen in die Riester-Verträge niedergeschlagen", so die Autoren der Studie. Ein wesentlicher Grund hierfür seien die "hohen offenen und versteckten Kosten der Riester-Verträge".

Die Rentenreformen der Jahre 2001 bis 2004 waren mit dem Ziel beschlossen worden, Rentenbeitragssätze auch bei einer wachsenden Zahl von Rentnern bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen zu lassen. Dazu wurde die Formel zur Rentenberechnung um Dämpfungsfaktoren ergänzt. Die Folge dieser Eingriffe ist nach dem Fazit der Forscher fatal: Das Versorgungsniveau, das die gesetzliche Rente Beschäftigten mit durchschnittlichem oder niedrigem Einkommen biete, liege in Deutschland "deutlich unter dem Niveau in anderen OECD-Ländern".

Die private Vorsorgemöglichkeit wurde im Jahr 2001 von dem damaligen SPD-Arbeitsminister und langjährigen Gewerkschaftsfunktionär Walter Riester eingeführt, insofern ist die Kritik der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung besonders beachtlich.

Quelle: n-tv.de

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