Ratgeber

Immer Ärger ums Erbe: Testamentskopie kann reichen

Ohne Original geht nichts - das muss bei einem Testament nicht unbedingt der Fall sein. Wer eine Kopie besitzt und zusätzlich glaubhaft machen kann, dass das Testament gültig ist, hat unter Umständen eine Chance.

In Einzelfällen geht es auch ohne das Original: Dann müssen die Erben aber sowohl mit einer Kopie des Testaments, als auch anderweitig nachweisen, dass es gültig ist.
In Einzelfällen geht es auch ohne das Original: Dann müssen die Erben aber sowohl mit einer Kopie des Testaments, als auch anderweitig nachweisen, dass es gültig ist.

In einem Erbfall muss grundsätzlich das Original des Testamentes vorgelegt werden. Manchmal reicht jedoch auch eine Kopie. Nur muss dann zusätzlich mit anderen Mitteln bewiesen werden können, dass das Testament gültig ist. Das teilt die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) unter Berufung auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Naumburg mit. Denn ein unauffindbares Originaltestament bedeutet nicht zwingend, dass der Erblasser dieses vernichtet hat und somit die Erbfolge ändern wollte. Den Widerruf eines Testaments durch Vernichtung der Originalurkunde muss deshalb auch derjenige beweisen, der sich hierauf bezieht.

In dem Fall hatte der verstorbene Erblasser keine gesetzlichen Erben hinterlassen. Einzig infrage kam der Neffe der bereits gestorbenen Ehefrau des Erblassers. Der Neffe machte sich aber zunächst keine Hoffnung auf das Erbe, da er nur die Kopie des Testaments hatte. Zehn Jahre nach dem Erbfall stellte er dennoch einen Antrag auf Erteilung eines Erbscheins.

Das Amtsgericht Naumburg wies den Antrag des Neffen auf einen Erbschein zurück. Es stehe nicht zweifelsfrei fest, dass der Verstorbene das Original tatsächlich verfasst habe und der Verlust des Originals nicht auf einen Widerruf des Testaments, etwa durch bewusste Vernichtung durch den Erblasser, zurückzuführen sei.

Das Oberlandesgericht erkannte die Kopie des Testaments hingegen an. Zum einen habe die Ehefrau des Neffen glaubhaft die Details der Testamentserrichtung schildern können. Zum anderen habe der Neffe den Antrag erst spät eingereicht. Bei einem beabsichtigten Erbbetrug hätte er nicht zehn Jahre gewartet, befanden die Richter.

Zwar sei zum Nachweis eines testamentarischen Erbrechts grundsätzlich die Urschrift der Urkunde vorzulegen, auf die das Erbrecht gestützt werde. Ist diese Urkunde nicht auffindbar, komme der allgemein anerkannte Grundsatz zum Tragen, dass es die Gültigkeit eines Testaments nicht berühre, wenn die Urkunde ohne Willen und Zutun des Erblassers vernichtet worden, verloren gegangen oder aus anderen Gründen nicht auffindbar sei. In so einem Fall könnten Errichtung und Inhalt des Testaments mit allen zulässigen Beweismitteln, auch durch Vorlage einer Kopie, bewiesen werden.

Quelle: n-tv.de

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