Ratgeber

Streit mit der Versicherung : Tod des Ehepartners Grund für Reiserücktritt?

Die Reise für 5700 Euro ist gebucht und bezahlt. Die Vorfreude groß. Zur Sicherheit schließen die Eheleute noch eine Reiserücktrittsversicherung ab. Dann verstirbt der Ehemann plötzlich. Und die Versicherung weigert sich, zu zahlen.

Nach Auffassung des Amtsgerichts München ist der Tod des Ehepartners kein Grund für einen Rücktritt von einer gemeinsam geplanten Reise (Az.: 233 C 26770/14). Demnach ist eine akute Belastungsreaktion aufgrund der Trauer um den Partner in der Regel keine unerwartet schwere Erkrankung im Sinn der Reiserücktrittsbedingungen. Es besteht kein Anspruch auf Erstattung der Stornierungskosten.

In dem verhandelten Fall buchte eine Frau im Dezember 2013 für sich und ihren Ehemann eine Schiffsreise durch Frankreich für 5736 Euro. Diese sollte im Juni 2014 stattfinden. Am 30. April 2014 beantragte sie nachträglich noch eine Reiserücktrittsversicherung, wobei sie selbst, ihr Ehemann und zwei weitere Personen versichert werden sollten.  

In der Nacht vom 30. April 2014 auf den 01. Mai 2014 starb völlig überraschend der Ehemann der Frau. Die Versicherung nahm den Antrag der Klägerin am 07. Mai 2014 an. Sie wusste nicht, dass der Ehemann verstorben war. Die Frau stornierte die Reise am 20. Mai 2014. Sie habe infolge des Todes ihres Mannes an einer schweren psychosozialen Belastungsstörung gelitten, wodurch der Reiseantritt unmöglich gewesen sei, begründete sie ihre Entscheidung. Der Reiseveranstalter berechnete dennoch Stornogebühren in Höhe von 3441,60 Euro. Diese wollte die Witwe von der Reiseversicherung ersetzt bekommen. Als diese sich weigert zu zahlen, klagt die Frau.

Allerdings ohne Erfolg. Die Reiserücktrittsversicherung muss nicht zahlen. Demnach ist die Klägerin nach den Versicherungsbedingungen verpflichtet gewesen, das versicherte Ereignis, also den Tod ihres Mannes, unverzüglich anzuzeigen und die Reise unverzüglich zu stornieren. Die Meldung erst am 20. Mai 2014 stelle eine vorsätzliche Obliegenheitsverletzung dar, welche die Versicherung von der Leistungspflicht befreit.

Noch dazu stellte das Gericht klar, dass die Trauer der Witwe keine unerwartet schwere Erkrankung im Sinn der Reiserücktrittsbedingungen ist. "Die Klägerin zeigte nachvollziehbarerweise eine akute Belastungsreaktion - mithin einen psychischen Schock. Dies ist jedoch keine psychische Störung im Sinne eines regelwidrigen Zustandes. Die (schwere) Trauer ist vielmehr als ganz normale Folge des Versterbens eines nahen Angehörigen zu sehen", befand der zuständige Richter.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen