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Schrecksekunde vor Gericht: Unfall durch offene Autotür - wer haftet?

Alles scheint ruhig, der Verkehr fließt. Rechts der Fahrbahn parken Autos. Plötzlich knallt es. Ein Fahrzeug ist mit der offenen Tür eines parkenden Autos kollidiert. Für die Haftungsfrage ist es maßgeblich, ob diese plötzlich aufgerissen wurde oder nicht.

Nicht immer ist die Schuldfrage eindeutig zu beantworten.
Nicht immer ist die Schuldfrage eindeutig zu beantworten.(Foto: dpa)

Im täglichen Straßenverkehr kommt es relativ häufig vor: Die Tür eines parkenden Autos wird zur Fahrbahnseite plötzlich geöffnet. Oft wird dann von demjenigen behauptet, der die Tür geöffnet hat, diese sei nur einen Spalt weit offen gewesen. Zudem habe sie bereits einige Zeit offen gestanden. Dagegen macht der Fahrer des kollidierenden Fahrzeuges geltend, die Tür sei plötzlich weit aufgerissen worden.

Grundsätzlich haftet derjenige für den Schaden bei einem Unfall, der seine Autotür unachtsam öffnet. Steht jedoch fest, dass die Wagentür schon länger geöffnet war, haftet der Unfallgegner aufgrund der Betriebsgefahr seines Fahrzeugs zu 30 Prozent mit. Dies hat das Amtsgericht Hamburg-Barmbek entschieden (Az. 814 C 86/15).

In dem verhandelten Fall fuhr eine Autofahrerin mit ihrem Wagen auf einer Straße innerhalb einer Stadt. Rechts stand ein Fahrzeug auf einem Parkstreifen. Bei der Vorbeifahrt kollidierte das Fahrzeug der Frau mit der hinteren linken Tür des geparkten Fahrzeugs. Die Frau behauptete, der Fahrer habe plötzlich die hintere linke Tür seines Fahrzeuges geöffnet, als sie daran vorbeigefahren sei. Der Mann, zu dem das parkende Auto gehörte, erklärte hingegen, die Tür habe schon länger offen gestanden, da er gerade sein Enkelkind im Kindersitz angeschnallt habe.

Die sich dem Streit um die Schuld der Kollision anschließende Klage der Frau war teilweise erfolgreich. Das Gericht nahm eine Haftungsverteilung von 70 Prozent zulasten des Mannes vor. Dieser habe ein erhebliches Hindernis dadurch geschaffen, dass er seine Tür für eine nicht unbedeutende Zeit vollständig habe offen stehen lassen. Aufgrund der Lichtverhältnisse während der Morgendämmerung habe man dies auf große Entfernung nicht erkennen können.

Die Richter waren aber auch davon überzeugt, dass die Tür bereits längere Zeit geöffnet war, also nicht plötzlich geöffnet wurde, wie von der Fahrerin behauptet. Daher müsse die Betriebsgefahr des anderen Fahrzeugs berücksichtigt werden. Die Frau haftet deshalb konsequenterweise zu 30 Prozent mit.

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Quelle: n-tv.de

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