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Gleichmacherei für den Gewinn?: Unisex kostet mehr

Seit dem 21. Dezember 2012 darf es beim Abschluss eines neuen Versicherungsvertrags keine Tarife mehr geben, die nach Geschlecht getrennt sind. Mit ihren neuen Unisex-Tarifen haben die privaten Krankenversicherungen den Unmut von Verbraucherschützern auf sich gezogen. Demnach werden die neuen Tarife zulasten der Versicherten umgesetzt – um die eigenen Gewinne zu steigern.

"Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Versicherer entdecken, dass noch Spielraum besteht."
"Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Versicherer entdecken, dass noch Spielraum besteht."(Foto: picture alliance / dpa)

Der Abschluss einer neuen Versicherung ist seit Einführung der geschlechtsneutralen Tarife im Dezember nach Angaben von Verbraucherschützern in vielen Fällen teurer geworden. Es habe sich die Sorge bestätigt, dass die Versicherer mit der Umstellung auf die neuen Tarife die Beiträge in vielen Fällen nur angehoben und nicht gesenkt hätten, sagte Thorsten Rudnik, Vorstandsmitglied des Bundes der Versicherten (BdV). Die Versicherer hätten die Beiträge häufig "dem höheren Niveau angepasst".

Hintergrund sei, dass die Versicherer "übervorsichtig" kalkuliert hätten, sagte Rudnik. Bislang sei aber nicht davon auszugehen, dass ein Missbrauch seitens der Unternehmen vorliege. Die Finanzaufsicht BaFin würde bei einer Untersuchung "sicher keinen Missstand feststellen, dass Versicherer Beiträge zu hoch kalkuliert haben". Auch sei "nicht zu vermuten, dass es Preisabsprachen gegeben hat".

Für Verbraucher gebe es auch die Hoffnung, dass die Versicherer ihre Tarife wieder senkten, sagte Rudnik: "Da wird sich sicherlich noch einiges bewegen." In fast allen Versicherungssparten konkurrierten bis zu 50 Anbieter miteinander, die den Wettbewerb ständig beobachteten. "Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Versicherer entdecken, dass noch Spielraum besteht."

Männer zahlen mehr

Deutlicher formulierte es der Vorsitzende des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein, gegenüber der "Frankfurter Rundschau": "Die Unisex-Tarife werden eklatant und krass zu Lasten der Versicherten umgesetzt, Die Entwicklung zeigt, dass die Versicherungen die Beiträge auch erhöhen, um die Gewinne zu steigern."

Rudnik bezog sich auf eine am Mittwoch veröffentlichte Untersuchung des Finanzanalyseunternehmens Morgen & Morgen. Die Studie hatte ergeben, dass beispielsweise private Krankenversicherungen für 30-jährige Frauen kaum günstiger wurden, während Männer bei Neuverträgen über 100 Euro Aufschlag zahlen müssen.

Bislang gab es bei vielen Versicherungen unterschiedliche Tarife für Frauen und Männer. Bei Risikolebensversicherungen etwa mussten Männer bislang höhere Beiträge als Frauen zahlen. Seit dem 21. Dezember bieten die Versicherer in Deutschland aber nur noch geschlechtsneutrale Tarife an. Hintergrund ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Dieser hatte entschieden, unterschiedliche Tarife für Männer und Frauen seien diskriminierend.

Die Versicherungsbranche erklärte, sie habe bereits vor Einführung der Unisex-Tarife darauf hingewiesen, dass Versicherer ihre Sicherheitspuffer aufstocken müssten. "Grund hierfür ist die auch aufsichtsrechtlich gebotene vorsichtige Kalkulation der Unternehmen" von Versicherungsleistungen, erklärte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Da Versicherer nicht wüssten, wie viele Männer und Frauen neue Unisex-Verträge abschlössen, hätten diese schätzen müssen. Hierzu hätten keine Erfahrungswerte vorgelegen. Deshalb habe die Branche eine "Sicherheitsmarge" einkalkuliert.

Die Branche kündigte an, die Sicherheitspuffer künftig gegebenenfalls an die Kunden zurückfließen lassen zu wollen. Erweise sich die Kalkulation der Unisex-Tarife "als zu vorsichtig, bekommen die Versicherten die gebildeten Sicherheitsmargen über die Überschussbeteiligung zum weit überwiegenden Teil wieder gutgeschrieben", erklärte der GDV.

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Quelle: n-tv.de

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