Ratgeber

Studentenapartment als Geldanlage: Unterm Strich kommt wenig raus

Kleine Fläche, große Rendite - glaubt man den Versprechungen der Vermittler, sind Studenten-Apartments zuverlässige Ertragslieferanten. Die Stiftung Warentest hat nachgerechnet. Das Ergebnis ist ziemlich enttäuschend.

Ein Wohnheim in Greifswald. Kleine Wohnungen sind derzeit heiß begehrt.
Ein Wohnheim in Greifswald. Kleine Wohnungen sind derzeit heiß begehrt.(Foto: picture alliance / dpa)

Über 100.000 Euro für eine Wohnung von rund 20 Quadratmetern? Klingt selbst für begehrte Großstadtlagen teuer, ist aber der übliche Preis, wenn man in eine Studentenwohnung investieren will. Privat finanzierte Studentenwohnheime schießen in vielen Unistädten derzeit wie Pilze aus dem Boden. Und sie sind begehrt, nicht nur von Studenteneltern, sondern auch von Kapitalanlegern. Kein Wunder: Makler und Bauträger versprechen Investoren nicht nur sichere Vermietungschancen, sondern auch satte Renditen von bis zu fünf Prozent brutto. Für das neue "Finanztest"-Heft hat die Stiftung Warentest nachgerechnet – und das Ergebnis ist ziemlich ernüchternd: Bei einer seriösen Kalkulation liege die anfängliche Nettomietrendite meist nur bei rund 3 Prozent. Zudem sei die Anlage gar nicht so risikolos, wie es die Investmentgesellschaften gerne behaupten.

Die Tester haben in mehreren Metropolen und begehrten Uni-Städten wie Heidelberg oder Erlangen Angebote für Studenten-Apartments eingeholt und verglichen. Mit öffentlichen Wohnheimen, wie man sie von früher kennt, haben sie so wenig zu tun wie eine Jugendherberge mit einem Vier-Sterne-Hotel. Kein fleckiger Linoleumboden, keine Etagenklos, dafür vollmöblierte Zimmer mit modernen Bädern, Kochzeilen und Internetanschluss. Gemeinschaftsküchen gibt es nicht, dafür können sich die Bewohner in Studienlounges oder Fitnessstudios treffen oder auf dem hauseigenen Sportplatz austoben.

Zahl der Erstsemester sinkt

So viel Luxus hat seinen Preis: Je nach Stadt und Objekt zahlen die Studenten, bzw. deren Eltern, zwischen 16 und über 20 Euro pro Quadratmeter. Dazu kommen Nebenkosten zwischen 80 und 100 Euro. Insgesamt kommen so monatlich locker 450 Euro oder mehr zusammen. Vermietungsprobleme gibt es derzeit trotzdem nicht: Doppelte Abiturjahrgänge und die Abschaffung der Wehrpflicht lassen es eng werden an deutschen Hochschulen. Plätze in Wohngemeinschaften sind heiß begehrt und bezahlbare Einzimmerwohnungen vielerorts rar.

Makler gehen davon aus, dass das auch so bleibt. Demografen sind sich darin aber nicht so sicher. Das Berliner Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (Fibs) etwa hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, wonach die Zahl der Studienanfänger in den nächsten zehn Jahren um ein Fünftel sinkt. Ob sich auch künftig genügend Mieter für die teuren Apartments finden, ist gut möglich, aber nicht gewiss. Auch von der Vorstellung, dass sich die Wohnung auf jeden Fall irgendwann mit Gewinn verkaufen lässt, sollte man sich verabschieden. Schließlich handelt es sich dann nicht mehr um einen Neubau und die Immobilienpreise müssen auch nicht zwangsläufig weiter so steigen, wie das in den letzten Jahren der Fall war. Schon heute hält die Bundesbank die Immobilienmärkte in den Ballungsräumen für überbewertet. Eine Blase sei derzeit zwar nicht auszumachen, bleiben die Zinsen im Keller, sei das für die Zukunft aber nicht auszuschließen.

Hohe Nebenkosten drücken die Rendite

Selbst wenn man den Wohnungsmarkt optimistisch sieht, ist ein Studentenappartement nicht unbedingt erste Wahl für potentielle Vermieter. Die versprochenen Traumrenditen zu erzielen, dürfte jedenfalls schwierig werden. Bei den Angeboten, die "Finanztest" vorlagen, sprachen die Vermittler von bis zu fünf Prozent Rendite. Damit meinen sie aber nur das Verhältnis zwischen Jahreskaltmiete und Kaufpreis.

Am Ende kostet die Immobilie weit mehr: Allein die Erwerbsnebenkosten liegen mit Grunderwerbsteuer, Notargebühren und Grundbucheintrag zwischen fünf und sieben Prozent des Kaufpreises. Dazu kommen Verwaltungskosten zwischen 200 und 800 Euro im Jahr. Und zu guter Letzt muss auch die Instandhaltungsrücklage mit einkalkuliert werden. Bei Neubauten liegt sie im Schnitt bei sechs Euro pro Quadratmeter. Sie gilt aber nur für das Gemeinschaftseigentum. Braucht die Wohnung irgendwann eine Sanierung oder neues Mobiliar, muss das der Besitzer selbst zahlen.

Unterm Strich blieben von anfänglichen fünf Prozent nur 2,8 bis 3,3 Prozent Netto-Mietrendite übrig, rechnet "Finanztest" vor. Wer nicht mindestens 50 Prozent auf Eigenkapital finanzieren könne, sollte davon lieber die Finger lassen. Und wer unbedingt in Immobilien investieren möchte, findet vielleicht auch in einer gewöhnlichen Wohnanlage eine kleine Eigentumswohnung. Die hätte den Vorteil, dass sie nicht nur an Studenten vermietbar ist.   

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen