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Wie das Geld verteilt wird, hängt  in erster Linie von der eigenen Risikobereitschaft ab.
Wie das Geld verteilt wird, hängt in erster Linie von der eigenen Risikobereitschaft ab.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)
Sonntag, 28. Mai 2017

50:50 oder 30:60:10?: Vermögen richtig streuen

Nicht alle Eier in einen Korb legen - diese Grundregel bemühen Anlageexperten immer wieder. Anders gesagt: Anleger müssen ihr Vermögen streuen, wenn sie nicht zu große Verlustrisiken in Kauf nehmen wollen. Doch wie verteilt man sein Geld richtig?

Zwei Dinge braucht es, um ein Vermögen aufzubauen: einen langen Atem und die richtige Strategie. Aber was ist die richtige Strategie? Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Die Bedürfnisse, Ziele und Risikobereitschaft eines jeden Anlegers sind unterschiedlich.

Klar ist aber: Wer sein Verlustrisiko minimieren will, sollte sein Geld verteilen. Denn setzt ein Anleger alles auf eine Karte, treffen ihn Kursverluste oder Preisrückgänge hart. Wie können Anleger also vorgehen? Drei Experten verraten ihre Strategie:

Der Volkswirt

Dirk Ulbricht ist Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. Für ihn ist das Durchhaltevermögen besonders wichtig bei der Geldanlage: "Nichts ist schlechter, als aus Not aussteigen zu müssen", sagt der Volkswirt. "Insbesondere am Aktienmarkt muss man Rückschläge aussitzen können."

Die Auswahl

Ohne Aktien geht angesichts der niedrigen Zinsen derzeit nichts, findet Ulbricht. "Die Aktienmärkte sind langfristig am chancenreichsten und sorgen für einen guten Renditemotor in der Anlage." Da in Einzelaktien aber vergleichsweise hohe Kursrisiken stecken, rät der Volkswirt zu ETFs.

"Über ETF lässt sich zu niedrigen Kosten eine breite Risikostreuung sicherstellen", erläutert Ulbricht. Denn diese Fonds bilden immer einen Index ab. "Die Rendite einer Anlage sollte nicht von einem einzelnen Unternehmen, einer Branche, oder einem Land abhängen."

Daneben sollten sichere, verzinsliche Papiere mit ins Depot, empfiehlt Ulbricht. "Diese sind schwankungsärmer und bringen eine Stabilität in die Wertentwicklung." Hier eignen sich zum einen ETF-Geldmarktfonds oder Tagesgelder, zum anderen Rentenfonds, die in internationale Anleihen hoher Bonität investieren.

Die Verteilung

Der Anteil der Aktien im Depot sollte sich an der Risikobereitschaft orientieren. "Für eher risikoscheue Anleger gilt als grobe Richtschnur 30 Prozent, für durchschnittliche 50 Prozent und für risikofreudige Anleger 70 Prozent ETF-Anteil", sagt Ulbricht. Der Rest sollte in kurzlaufende verzinsliche Anlagen fließen. Nach einer Normalisierung des Zinsniveaus kann man Rentenfonds wählen, die in verzinsliche Papiere guter Bonität investieren.

Die Vermögensverwalterin

Kathrin Eichler Anlageprodukte auswählt, stellt sie eine grundlegende Frage: Zu welchem hauptsächlichen Zweck soll das Geld angelegt werden? "Denn je nach Zielsetzung muss das Vermögen anders gestreut werden", erklärt die Vermögensverwalterin der Eichler & Mehlert Finanzdienstleistungen GmbH in Düsseldorf.

Die Auswahl

Grundsätzlich gilt für die Expertin: "Langfristiger Vermögensaufbau, insbesondere für die Altersversorgung, stützt sich klassischerweise auf drei Säulen: Immobilien, monatliche laufende Einnahmen und Wertpapiervermögen." Der richtige Mix setzt sich unter anderem aus Aktien, Anleihen und ausreichend Liquidität zusammen.

Die besten Produkte sind diejenigen, die zu den Zielen und zur Risikoneigung des Anlegers passen, vergleichsweise preiswert sind und die Renditevorgaben erfüllen. "Das 'beste' Produkt, das für jeden Anleger und jede Situation für jedes Portfolio passt, gibt es also nicht." Bei einem Anlagebetrag von 150.000 Euro bieten sich aus ihrer Sicht standardisierte Produkte an, also Publikumsfonds oder ETFs.

Meiden sollten Anleger Produkte, die sie inhaltlich nur schwer oder gar nicht verstehen. "Wer die Chancen und Risiken eines Produkts nicht einschätzen kann, kann auch nicht beurteilen, ob dieses Produkt im eigenen Portfolio überhaupt Sinn macht." Privatanleger sollten besser einen Bogen um gehebelte Derivate und Termingeschäfte machen. Auch geschlossene Fonds sind in der Regel nicht zu empfehlen.

Die Verteilung

"Als grobe Faustregel galt bisher: 100 minus Lebensalter des Anlegers sollte in etwa dem Prozentsatz entsprechen, den man in Aktien investieren sollte", erklärt Eichler. "Das ist natürlich immer auch abhängig von der Kapitalmarktsituation." Ihre Empfehlung: Aufgrund des aktuell sehr niedrigen Zinsniveaus Rententitel eher untergewichten und mehr auf Aktienwerte mit einer nachhaltigen Dividende setzen.

Auch der Einsatz strukturierter Produkte, die Aktien als Basiswerte haben, kann sich lohnen - zum Beispiel konservativ gestaltete Aktienanleihen oder Discountzertifikate. "Mit solchen Produkten reduzieren Anleger zwar einen Teil der Rendite-Chancen, die Aktien bieten, aber sie senken damit ihr Aktienmarktrisiko und können auch in holprigen Börsenzeiten eine attraktive Seitwärtsrendite erzielen." Sinnvoll ist in jedem Fall eine Liquiditätsquote von 10 Prozent.

Der Verbraucherschützer

Thomas Mai ist Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Wichtig für ihn: "Bevor sich Verbraucher Gedanken über die Geldanlage und die Altersvorsorge machen, sollten existenzielle Risiken abgesichert sein." Das heißt: Für die Familie sollten wichtige Versicherungen bestehen, Kredite getilgt und ein finanzieller Puffer aufgebaut sein. Erst wenn "diese Hausaufgaben erledigt sind", können Anleger sich an die Geldanlage wagen.

Die Auswahl

Anleger sollten risikoreiche Investments meiden, empfiehlt Mai. Geschlossene Fonds sowie sogenannte Zertifikate oder Investmentfonds - mit einem hohen Derivate-Anteil - eignen sich nicht für die Vermögensbildung. In die Auswahl "gehören eher die Anlageklassen Anleihen und Aktien", sagt Mai.

Auch offene Immobilienfonds oder Gold können geeignet sein. "Gold aber nur mit geringerem Teil von maximal 10 Prozent." Statt nur Rentenfonds und Rentenpapiere zur Absicherung einzusetzen, können Anleger auch Festgelder mit Verzinsung von 1,0 bis 1,5 Prozent auf fünf bis acht Jahre zur Sicherheit mit einstreuen.

Die Verteilung

Wie das Geld verteilt wird, hängt aus Sicht von Mai in erster Linie von der eigenen Risikobereitschaft ab: "Je risikoscheuer man ist, desto höher müsste der sichere Anteil sein", sagt der Verbraucherschützer. Festgeld, Anleihen und Immobilienfonds können bei sicherheitsorientierten Anlegern einen Anteil von 75 Prozent des Portfolios ausmachen. Die restlichen 25 Prozent können in Aktienfonds fließen. Wer mehr als zehn Jahre auf das Geld verzichten kann, könnte den Aktienanteil auf 50 Prozent erhöhen.

Die Pflege: Ist das Geld einmal verteilt, sollte die Geldanlage regelmäßig überprüft werden, finden alle drei Experten. "Die klassische 'Buy and hold'-Strategie ist längst überholt", sagt Eichler. "Spätestens nach drei oder fünf Jahren müsste die Ausrichtung und Verteilung angepasst werden", ergänzt Mai. "Sobald ein wichtiges Ereignis im Leben, wie eine Hochzeit, Jobwechsel oder die Geburt eines Kindes auftritt, sollte man sich in jedem Fall aber noch einmal Gedanken machen", fügt Ulbricht hinzu.

Quelle: n-tv.de

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