Ratgeber

Wie Verpackungen täuschen: Viel Schmu mit der Kuh

Grasende Kühe sieht man immer seltener. Denn Kühe, die im Stall gehalten und mit Kraftfutter gemästet werden, geben mehr Milch. Leider nicht so gute. Viele Käufer bevorzugen deshalb Milchprodukte von Weidekühen. Und viele Hersteller führen sie bewusst in die Irre.

4,2 Millionen Kühe werden in Deutschland gehalten. In den neuen Bundesländern herrschen Großbetriebe vor, im Süden findet man oft Betriebe mit weniger als 30 Tieren.
4,2 Millionen Kühe werden in Deutschland gehalten. In den neuen Bundesländern herrschen Großbetriebe vor, im Süden findet man oft Betriebe mit weniger als 30 Tieren.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Blick ins Kühlregal verheißt landwirtschaftliche Idylle: Auf den Verpackungen von Milch, Butter, Joghurt oder Käse sieht man zuhauf glückliche Kühe, die sattes Grün von der Weide fressen. Mit der Realität haben solche schönen Bilder allerdings wenig zu tun, wie das Magazin "Öko-Test" in der aktuellen April-Ausgabe schreibt. Rund zwei Drittel der Produkte, die mit "Weidemilch" oder grünen Wiesen locken, seien aus Milch von Kühen, die selten Gras gesehen haben. Zudem verböten die wenigsten Molkereien Gen-Soja im Futtertrog.

Vielerorts sind weidende Kühe in den letzten Jahren aus dem Landschaftsbild verschwunden. Die Tiere stehen heute im Stall, auf den Wiesen wird stattdessen Getreide und Mais angebaut. Letzterer landet wiederum als haltbare Silage im Futtertrog, zusammen mit Kraftnahrung aus Rapsschrot, Rübenschnitzeln, Getreide und oft auch genmanipuliertem Soja. Die eiweiß- und energiereiche Kraftnahrung ist nötig, damit die Kühe mehr Milch geben – im Schnitt sind es heute 7000 Liter im Jahr, 2000 Liter mehr als noch vor 15 Jahren.

Grasfresser geben bessere Milch

Eine hohe Kraftfutterdosis ist allerdings alles andere als optimal für Kühe, denn ihr Verdauungssystem ist auf Grasrohkost ausgelegt. Und auch für die Gesundheit der Menschen macht es einen Unterschied, ob die Kuh im Stall steht oder auf der Weide. Denn Milch von Kühen, die viel Gras fressen, enthält deutlich mehr ungesättigte Fettsäuren als die Milch der  Stallkühe. Das hat nicht nur den Vorteil, dass Butter streichfähiger wird, sondern ist auch ernährungsphysiologisch von Bedeutung. So sollen etwa Omega 3-Fettsäuren unter anderem gefäßschützend und blutdrucksenkend wirken und somit das Risiko für Herzinfarkte senken.

Die Unterschiede sind deutlich messbar, ein Umstand, den sich die Ökotester für ihre Studie zunutze gemacht haben. Im Labor ließen sie prüfen, ob die Kühe eine grünfuttertypische Ernährung genossen haben oder mit Kraftfutter gemästet wurden. 34 Milchprodukte wurden für den Test genauer untersucht, sechs davon mit Bio-Siegel. Alle waren auf den Verpackungen mit grünen Landschaften oder weidenden Kühen beworben worden, manche trugen Namenszusätze wie "Weidebutter" oder "Weideglück" oder warben mit "artgerechter Tierhaltung".

All das bedeutet allerdings nicht, dass die Kühe tatsächlich regelmäßig auf die Weide kamen, wie der Test zeigte: Zwar konnten fast alle Biowaren überzeugen, von den 28 konventionell erzeugten Produkten entlarvten die Tester aber 20 als "wiesenfern". Das Verbrauchermagazin moniert außerdem,  dass die meisten konventionellen Anbieter ihren Milchbauern Kraftfutter mit Gen-Soja nicht verbieten. Besonders negativ stößt das bei einem Hersteller wie Almette auf, der seinen Alpenfrischkäse Natur mit "100 Prozent natürliche Zutaten" anpreist. Immerhin lässt hier zumindest die Milchfettzusammensetzung auf ausreichend Grünfutter schließen. Bei Arlas Esrom-Käse ist auch das nicht der Fall, obwohl auch er "nur aus natürlichen Zutaten" bestehen soll.

Nicht alle sind enttäuschend

Mehrfache Kritik muss der Molkereikonzern Friesland Campina einstecken: Er bewirbt seinen Frico Maasdamer und die Landliebe H-Milch ausdrücklich damit, dass die Kühe viel Grünfutter fressen würden – im Labor ließ sich das allerdings nicht nachweisen. Auch in der Weidebutter von Frau Antje ließen sich nur wenig grünfuttertypische Fettsäuren finden – auch wenn der Name anderes nahelegt. Enttäuschend waren auch Markenprodukte wie Meggles Alpenbutter, die frische Alpenmilch von Weihenstephan oder Müllers Buttermilch.

Es gibt aber auch konventionelle Produkte, die halten, was sie versprechen. In der Regel kommen sie von kleineren Anbietern, etwa den Milchwerken Berchtesgadener Land oder der Bergader Privatkäserei.

Im Bio-Segment gab es weniger Enttäuschungen. Hier ist garantiert, dass keine Gen-Technik im Futter steckt. Eine Weide-Pflicht gibt es bei Produkten mit Bio-Siegel zwar nicht, die meisten Biobauern geben ihren Tieren aber schon deshalb mehr Gras, weil Kraftfutter in Bio-Qualität sehr teuer ist. Nur die Bio-Vollmilch von Aldi konnte hier nicht überzeugen. Hier hatten die milchgebenden Kühe zu wenig Gras im Futtermix.

 

Quelle: n-tv.de

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