Ratgeber

Steuererklärung abgegeben: Wann kommt die Rückerstattung?

Von Isabell Noé

Die Steuererklärung ist nicht jedermanns Sache, aber wenigstens lohnt sich der Aufwand meistens. Wer sich jetzt schon an die Arbeit macht, wird allerdings eine ganze Weile auf die Rückerstattung warten müssen.

Die Tage sind kurz, kalt und oft auch nass und als wäre das nicht genug, sind Januar und Februar auch finanziell meist unangenehme Monate. Das Weihnachtsgeld – so es denn welches gab - ist ausgegeben, die Stromrechnung fällt nicht immer erfreulich aus und oft buchen auch noch diverse Versicherungen ihre Prämien ab. Eine Möglichkeit, das gebeutelte Konto mit relativ wenig Aufwand wieder aufzufüllen: die Steuererklärung. Zumindest diejenigen, die nicht zur Abgabe verpflichtet sind, können sich oft ganz ansehnliche Summen zurückholen. Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamts bekommen Arbeitnehmer im Schnitt rund 870 Euro Nachzahlung. Wer jetzt allerdings auf buchstäblich schnelles Geld hofft, wird enttäuscht. Im Februar wird das wohl nichts mehr mit der Finanzspritze vom Fiskus.

In der Regel legen die Finanzämter nämlich erst ab März mit der Bearbeitung der neuen Steuererklärungen los. Aus guten Gründen. Zum einen gibt es in jedem Jahr Änderungen beim Steuerrecht. Und die müssen auch in der Software der Finanzbehörden berücksichtigt werden. Anfang des Jahres werden die Programme aktualisiert. Zum anderen dauert es seine Zeit, bis die Finanzämter die nötigen Unterlagen beisammen haben. Arbeitgeber, Versicherungen und andere Institutionen haben per Gesetz bis Ende Februar Zeit, die Daten an die Finanzverwaltung zu übermitteln, die für die Steuerberechnung gebraucht werden. Dazu zählen unter anderem Lohnsteuerbescheinigungen, Rentenbezugsmitteilungen und die Beitragsdaten zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Solange diese Informationen nicht vorliegen, kann das Finanzamt mit den eingehenden Steuererklärungen nichts anfangen. Manchmal zieht sich der Bearbeitungsstart auch noch länger hin. Die Finanzämter in Brandenburg etwa legen erst los, wenn 85 Prozent der Daten vorliegen, berichtet die Vereinigte Lohnsteuerhilfe. Das konnte in der Vergangenheit auch mal Ende März werden. Dieses Jahr wollen die Finanzämter in Brandenburg und Berlin Mitte März startklar sein, in Hessen, Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern bereits am Anfang.  

Elster geht auch nicht viel schneller

Arbeitnehmer bekamen in den letzten Jahren im Schnitt meist um die 870 Euro zurück.
Arbeitnehmer bekamen in den letzten Jahren im Schnitt meist um die 870 Euro zurück.(Foto: imago/Gerhard Leber)

Auch wenn die Steuererklärungen erstmal in der Ablage landen, kann es nicht schaden, sich jetzt schon darum zu kümmern. Bearbeitet werden sie nämlich nach der Reihenfolge ihres Eingangs. Wer die Sache noch etwas beschleunigen will, nutzt zur Übermittlung das Elster-Verfahren. Der zeitliche Vorteil ist aber überschaubar. Laut dem Bund der Steuerzahler muss man nur "wenige Tage" länger warten, wenn man die Formulare per Hand ausfüllt, einscannt und per E-Mail ans Finanzamt schickt.

Seit Jahren führt der Bund der Steuerzahler über die Bearbeitungszeiten in den einzelnen Bundesländern Statistik. Viel wichtiger als die Frage, auf welchem Weg die Steuererklärung das Finanzamt erreicht, ist demnach der Zeitpunkt. Spätestens bis Ende April sollte man in die Puschen kommen, wenn man auf eine baldige Rückzahlung hofft. Denn Ende Mai und Anfang Juni haben die Finanzbeamten alle Hände voll zu tun, den Schwung der Pflichtveranlagten abzuarbeiten, also derer, die ihre Steuererklärung bis zum 31. Mai abgeben müssen.

Wie lange die Bearbeitung dann letztlich dauert, hängt stark vom jeweiligen Bundesland ab. In Baden-Württemberg mussten Arbeitnehmer 2014 nur 36 Tage warten, in Hamburg und Rheinland-Pfalz waren die Fälle im Schnitt  nach gut fünf Wochen erledigt. In den meisten anderen Ländern dauerte es ein bis zwei Woche länger. Mit Abstand am meisten Geduld war laut Steuerzahlerbund in Bremen nötig, dort brauchten die Finanzämter gut drei Monate.

Wenn sich nichts tut

Eine gesetzliche Regelung, wie lange sich die Finanzämter Zeit lassen dürfen, gibt es nicht. Wer nach drei Monaten noch keine Reaktion bekommen hat, sollte beim zuständigen Sachbearbeiter nachhaken – zumindest empfiehlt sich das, wenn man Geld zurückerwartet. Ist nach sechs Monaten immer noch kein Steuerbescheid angekommen, kann man dem Finanzamt einen sogenannten Untätigkeitseinspruch schicken. Entsprechende Musterschreiben findet man im Netz. In diesem Fall empfiehlt es sich aber, dass die abgegebene Steuererklärung wirklich wasserfest ist, also keine zweifelhaften Positionen enthält. Denn nach dem Einspruch sind die Aussichten auf Kulanz seitens der Finanzbeamten natürlich geringer.

Wenn man nicht dringend auf das Geld angewiesen ist, kann ein trödelndes Finanzamt sogar von Vorteil sein. Nach Ablauf von 15 Monaten nach dem Steuerjahr muss die Steuererstattung verzinst werden – und das sogar sehr gut. Für jeden Monat, der über diese Frist hinaus geht, muss der Fiskus 0,5 Prozent Zinsen zahlen.   

Quelle: n-tv.de

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