Ratgeber

Autoversicherung kündigen?: Wann sich der Wechsel lohnt

Autobesitzer bekommen dieser Tage ihre Beitragsrechnungen fürs nächste Jahr ins Haus. Eine gute Gelegenheit, sich auch mal bei der Konkurrenz umzusehen. Wer wechseln will, hat dafür nicht mehr lange Zeit. Doch manchmal kann es sich lohnen, beim alten Versicherer zu bleiben - auch wenn die Prämien etwas höher sind.

Wer schon lange unfallfrei fährt, profitiert von günstigem Vollkaskoschutz. In diesem Fall lohnt sich die Police unter Umständen auch bei älteren Autos.
Wer schon lange unfallfrei fährt, profitiert von günstigem Vollkaskoschutz. In diesem Fall lohnt sich die Police unter Umständen auch bei älteren Autos.(Foto: picture alliance / dpa)

Der 30. November rückt näher – und damit der wichtigste Stichtag für Autobesitzer. Denn wer im nächsten Jahr Versicherungsprämien sparen will, muss dem bisherigen Anbieter bis Ende November kündigen. Schon in den vergangenen Wochen haben die Versicherer den Kampf um Neukunden eröffnet und ihre Preise deutlich gesenkt. Das zeigt etwa der Prämienindex des Vergleichsportals Check 24: Kunden, die im Oktober ihre Kfz-Versicherung für das Jahr 2013 gewechselt haben, zahlten im Schnitt 25 Prozent weniger als im August. Und bis Ende November dürften die Prämien noch weiter sinken, prognostizieren die Vergleichsexperten. Im kommenden Jahr werden die Prämien dann vermutlich wieder anziehen, bis das Spiel im nächsten Herbst aufs Neue losgeht.

Für Autofahrer, die ihren Vertrag im Laufe des Jahres neu abgeschlossen haben, heißt das: Sie zahlen wahrscheinlich mehr als nötig. Doch auch die anderen haben oft deutliches Sparpotenzial. Vielfahrer etwa zahlen für den teuersten Tarif im Schnitt gut 1700 Euro mehr als für den günstigsten, hat Check24 ermittelt. Bei einer Fahranfängerin liegt die durchschnittliche Preisspanne bei 770 Euro, bei Normalfahrern sind es knapp 320 Euro Unterschied. Auch wenn das Extremwerte sind, die nur für die jeweiligen Beispielkunden gelten, so zeigen sie doch, dass den Versicherten in aller Regel ein gewisser Spielraum bleibt.

Lieber ein paar Euro mehr ausgeben

Ganz oben in den Preisvergleichen stehen normalerweise Anbieter mit schlankem Vertrieb, etwa Huk24, Admiral-Direkt, Direct Line oder Asstel. Versicherungen mit Filial- oder Vertreternetz können da nur selten mithalten, bieten aber einen persönlichen Ansprechpartner. Dieser direkte Draht kann sich unter Umständen als nützlich erweisen, wenn die Kulanz des Versicherers gefragt ist. Beim reinen Leistungsvergleich können die den Direktversicherer aber durchaus mit den Filial-Anbietern mithalten – zumindest, wenn man nicht die allerbilligste Tarifvariante nimmt, sondern noch ein paar Euro drauflegt. Fast alle Anbieter haben mehrere Tarifvarianten und die besseren sind oft nicht viel teurer.

Dafür schließt der Versicherungsschutz dann auch nützliche Extras ein, etwa die Mallorca-Police, die bei Unfällen mit einem Mietauto im Ausland die dort übliche Versicherungssumme aufstockt. Schäden durch grobe Fahrlässigkeit sind bei den billigsten Policen oft ausgeschlossen. Wer dann etwa beim Überfahren einer roten Ampel einen Unfall baut, muss die Kosten zumindest teilweise selbst tragen. Unfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss übernehmen allerdings auch die besseren Tarife nicht.

Davon abgesehen sind die Leistungen der Haftpflichtversicherung aber weitgehend festgelegt. Beim Kaskoschutz haben die Versicherungen mehr Spielraum. Gute Tarife zahlen etwa bei einem Marderbiss nicht nur das defekte Kabel, sondern auch die eventuellen Folgen eines Kurzschlusses. Bei der erweiterten Wildschadensdeckung werden Zusammenstöße mit Tieren aller Art übernommen. Sinnvoll ist auch ein Verzicht auf den Abzug "neu für alt". Müssen bei einem älteren Auto Teile ausgetauscht werden, erstattet die Versicherung den vollen Wert.

Rabattretter wird selten

Ein sehr nützliches Extra haben die meisten Versicherer in ihren neuen Angeboten gestrichen: den Rabattretter. Melden Versicherte ab Schadenfreiheitsklasse 25 einen Schaden, werden sie damit nicht sofort in eine teurere Klasse eingestuft. Diesen "Freischuss" gibt es in neuen Tarifen aber kaum noch: War er im Jahr 2009 noch bei rund 100 von 151 Angeboten inklusive, fand das Magazin "Finanztest" 2012 nur noch 48 Versicherungen mit entsprechendem Bonus. Stattdessen gibt es nun optional einen "Rabattschutz". Für den verlangten die Versicherer allerdings 10 bis 20 Prozent Aufschlag, so "Finanztest". Wer jetzt mit Rabattretter versichert ist, sollte sich den Wechsel also genau überlegen.

Interessant ist der neue Rabattschutz allerdings für Autofahrer, die noch nicht so lange versichert sind: Den Rabattretter gibt es erst nach jahrzehntelangem Fahren, den Rabattschutz dagegen schon ab Schadenfreiheitsklasse 4.

Wer den Kündigungsstichtag 30. November verpasst, hat in diesem Jahr eventuell dennoch eine Chance, die Versicherung zu wechseln. Dann nämlich, wenn die Versicherung in der Beitragsrechnung für 2013 höhere Prämien ankündigt. Egal, ob es an der Preispolitik der Versicherung liegt oder daran, dass sich die Typ- oder Regionalklasse verteuert hat: Wird die Versicherung teurer, darf sie gekündigt werden. Dafür hat man einen Monat Zeit. Kommt die Beitragsrechnung erst Mitte November, darf man auch nach dem 30.11. noch aus dem Vertrag aussteigen.      

Autoversicherung: Hier vergleichen

Quelle: n-tv.de

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