Ratgeber
Freitag, 07. Juni 2013

Fotos auf der Firmenwebsite: Was müssen Mitarbeiter dulden?

Von Isabell Noé

Ob auf der Firmenpräsenz im Netz oder auf der Facebook-Seite: Viele Unternehmen schmücken sich mit den Gesichtern ihrer Mitarbeiter. Doch nicht immer sind die Abgebildeten damit einverstanden. Gerade bei einem Arbeitsplatzwechsel kann es Ärger geben.

Manche Firmen holen Fotografen in die Firma, um Mitarbeiterporträts anzufertigen. Wer nicht mit Bild im Netz landen will, sollte widersprechen.
Manche Firmen holen Fotografen in die Firma, um Mitarbeiterporträts anzufertigen. Wer nicht mit Bild im Netz landen will, sollte widersprechen.(Foto: Tim Reckmann, pixelio.de)

Ein offizielles Porträtfoto für die Firmenwebsite oder ein Schnappschuss vom Sommerfest für den Facebook-Auftritt - Angestellte müssen damit rechnen, dass Bilder von ihnen im Internet erscheinen. Aber müssen sie das auch zulassen?

Nicht unbedingt: Zwar gehört ein Bild grundsätzlich demjenigen, der es gemacht hat. Sofern allerdings gut erkennbar Menschen darauf abgebildet sind, greift das Persönlichkeitsrecht. Und das beinhaltet auch das Recht am eigenen Bild. Der Fotografierte kann selbst entscheiden, ob ein Foto veröffentlicht werden darf oder nicht. Das gilt nicht nur für Mitarbeiter, sondern ganz allgemein - auch wenn täglich tausendfach dagegen verstoßen wird, wenn etwa Bilder auf Facebook hochgeladen werden, ohne die Abgebildeten zu fragen.

Arbeitgeber sollten sich aber daran halten, das hat das Arbeitsgericht Frankfurt im letzten Jahr klargestellt. In dem Fall hatte eine Bank Bilder einer Mitarbeiterin auf die Firmenwebsite gestellt, eines von ihrem Ausbildungsjahrgang, ein anderes von einer Geschäftstagung. Nachdem die Frau aus der Firma ausgeschieden war, verlangte sie die Löschung der Bilder. Ihr Einverständnis zur Veröffentlichung des ersten Fotos hatte die Frau gar nicht gegeben, bei zweiten widerrief sie ihre Einwilligung. Auch wenn die Bank ein berechtigtes Interesse daran hat, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren, müssen die Bilder auch wieder gelöscht werden, entschied das Gericht.

Regelung darf nicht zu schwammig sein

Will eine Firma nicht für jedes einzelne Bild eine Genehmigung einholen, kann sie die Bildverwertung auch vorab im Arbeitsvertrag regeln. So hatte es auch die verklagte Bank gemacht. Allerdings darf diese Klausel nicht zu allgemein gehalten sein - eine generelle Einwilligung, dass Mitarbeiterfotos genutzt werden dürfen, ist zu unspezifisch. Zudem könnten Gerichte daran zweifeln, dass das Einverständnis gänzlich freiwillig gegeben wurde. Im Streitfall sind solche Regelungen also nicht unbedingt wasserdicht.

Mit einer einzeln erfragten Genehmigung vor Veröffentlichung eines Bildes gehen Arbeitgeber auf Nummer sicher. Nun können Arbeitnehmer aber nicht für jedes Bild Schadenersatz verlangen, das ohne ihre Genehmigung auf der Firmenseite gelandet ist. Weiß man von einem veröffentlichten Foto und meldet keinen Widerspruch an, dann kann der Arbeitgeber davon ausgehen, dass man damit einverstanden ist. So urteilte das Landesarbeitsgericht Köln im Falle einer kaufmännischen Angestellten, deren Bild ohne Namensnennung zur Illustration der Firmenwebsite verwendet worden war. Nach ihrer Kündigung verlangte die Frau Schadenersatz - zu Unrecht, fand das Gericht (Az. 7 Ta 126/09).

Nach dem Abschied wird es kritisch

Überhaupt haben die meisten Angestellten kein Problem mit Bildern auf der Firmenwebsite, solange sie im betreffenden Unternehmen arbeiten. Ärger gibt es meist erst dann, wenn die Abgelichteten bei einem neuen Arbeitgeber in Lohn und Brot stehen. Ob Arbeitnehmer in diesem Fall eine einmal gegebene Einwilligung widerrufen können, hängt vom konkreten Fall ab. Dient das Bild reinen Dekorationszwecken, wie bei der kaufmännischen Angestellten, haben die Fotografierten schlechte Karten. Sofern es im Arbeitsvertrag oder in der individuellen Vereinbarung nicht anders geregelt ist, dürfen solche Fotos auch weiter verwendet werden.

Anders ist die Lage bei Bildern, bei denen die abgebildete Person in einem bestimmten Kontext zur Firma steht, etwa wenn Name und Kompetenzen genannt werden. Dann können Ex-Mitarbeiter verlangen, dass das Foto entfernt wird. So im Fall einer Rechtsanwältin, deren ehemalige Kanzlei ihr Foto nicht von der Website nehmen wollte, obwohl die Juristin inzwischen den Job gewechselt hatte. Hier ist ein Widerruf einer einmal erteilten Einwilligung möglich, entschied das Landesarbeitsgericht Hessen (Az. 19 SaGa 1480/11).

Grenzwertig sind Gruppenfotos: Sie können verwendet werden, wenn die Abgebildeten nur "Beiwerk", also nicht individualisierbar, sind. Im Streitfall wird zwischen den Werbeinteressen der Firma und dem Persönlichkeitsrecht der Abgebildeten abgewogen. Eine Lösung wäre es, wenn die Firma die betreffende Person unkenntlich machen würde, etwa durch Verpixeln oder einen schwarzen Balken vor den Augen. In der Praxis dürfte das aber kaum eine Lösung sein - besser also, man regelt solche Fragen schon, bevor das Bild auf der Website landet.

Ärger mit dem Arbeitgeber? Rechtsschutzversicherungen im Vergleich

Quelle: n-tv.de

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