Ratgeber

Auszahlung der Riester-Rente: Wechsel-Kunden sind unerwünscht

Riester-Kunden, denen das Angebot ihres eigenen Anbieters für die Rentenphase nicht passt, haben zurzeit ein Riesenproblem. Wenn sie wechseln wollen, finden sie kaum einen Versicherer, der ihr Erspartes in eine Rente umwandelt.

Angehende Riesterrentner können wählen, wer ihre Rente auszahlen soll.
Angehende Riesterrentner können wählen, wer ihre Rente auszahlen soll.

Ein guter Riester-Vertrag sollte renditestark und kostengünstig sein. Doch selbst wenn diese Kriterien erfüllt sind, bedeutet das nicht, dass am Ende auch eine erkleckliche Rente folgt. Denn bei Renteneintritt werden die Karten neu gemischt und entscheidend ist nun, wie das Ersparte ausgezahlt wird. Theoretisch kann man dafür eine neue Versicherung wählen, die das Kapital verrentet. Praktisch klappt das aber kaum, wie die Stiftung Warentest feststellt: Riester-Kunden, die einen neuen Anbieter suchten, hätten "ein Riesenproblem", heißt es in der neuen "Finanztest"-Ausgabe.    

44 Anbieter von klassischen Riester-Rentenversicherungen haben die Tester nach Angeboten für Wechselwillige gefragt. Das Ergebnis war ernüchternd: Von den 18 Versicherern, die überhaupt geantwortet haben, boten nur zwei einen kurzfristigen Wechsel zu Beginn der Rentenphase an. Die HanseMerkur24 und die Debeka waren die einzigen, die weder ein Höchstalter noch eine Mindestansparzeit voraussetzten. Sprich: Wer mit Anfang 60 feststellt, dass die Rente beim bisherigen Versicherer nicht das Wahre ist, kann hier noch kurzfristig unterkommen. Andere Assekuranzen sind da sehr viel restriktiver. So nimmt beispielsweise die Targo Versicherung nur Mitglieder bis 52 Jahre auf, die noch mindestens 15 Jahre bis zur Rente haben. Bei der DEVK müssen es sogar 16 Jahre Vorlauf sein. Bei der R+V, die im Modellfall die beste Rente zahlte, muss der Wechsel spätestens fünf Jahre vorher erfolgen, bei der Allianz reichen zwei Jahre.

Wie viel Rente beim bisherigen Riestervertrag zu erwarten ist, erfährt man normalerweise kurz vor dem Ruhestand. Dann kann man prüfen, ob andere Anbieter attraktivere Konditionen bieten – so ist es zumindest vom Gesetzgeber vorgesehen. Ob sich ein Wechsel überhaupt lohnt, hängt davon ab, auf welche Weise man riestert. Bei klassischen oder fondsgebundenen Rentenversicherungen ist man beim bisherigen Anbieter normalerweise am besten aufgehoben. Denn hier gilt während der Auszahlphase der gleiche Garantiezins wie zum Zeitpunkt des Versicherungsabschlusses. Vor 2004 waren das noch 3,25 Prozent, vor 2007 immerhin noch 2,75 Prozent. Inzwischen können die Versicherer nur noch Zinsen von 1,25 Prozent garantieren. Dieser Höchstrechnungszins würde dann während der gesamten Rentenphase gelten.  

Alten Garantiezins sichern

Interessant ist die Wechseloption vor allem für jene, die mit Banksparplänen riestern. Hier wird die Rentenphase normalerweise über einen Bankauszahlplan abgewickelt. Bis zum 85. Geburtstag gibt es eine garantierte Rate plus eventueller Zinsgewinne. Danach schließt sich eine Versicherungsphase an. Dabei gilt dann der Garantiezins von 1,25 Prozent. Der Bankauszahlplan muss nicht verkehrt sein, möglicherweise ist die Abwicklung über eine Rentenversicherung aber attraktiver, vergleichen sollte man auf jeden Fall. Daneben kann man auch einen Fondsauszahlplan in Betracht ziehen. Fondsgesellschaften zahlen bis zum 85. Geburtstag garantierte Raten plus variable Zuzahlungen, auch hier schließt sich ab dem 85. Geburtstag eine Versicherung an. Auch für Kunden mit Riester-Fondssparplan empfiehlt sich ein Blick über den Tellerrand. Sie können in der Rentenphase zu einem anderen Fondsanbieter wechseln oder wahlweise eine Versicherung abschließen.  

Im Grunde hätten Riester-Kunden also durchaus Möglichkeiten, die Höhe ihrer Rente noch zu beeinflussen. Nur mangelt es eben an entsprechenden Angeboten. Den Hauptgrund für die Unlust der Versicherer, späte Riester-Wechsler aufzunehmen sieht Finanztest darin, dass sie an diesen Kunden nicht viel verdienen können. Sie müssen den vollen Übertragungswert garantieren, dürfen also vom angesparten Guthaben keine Abschlussgebühren abzwacken. Und selbst wenn die Neukunden noch ein paar Jahre Sparbeiträge leisten, ist mit ihnen angesichts der andauernden Niedrigzinsphase nicht viel Geld zu machen.

Schön gedacht, schlecht umgesetzt

Eine weitere Erklärung für den Unwillen: Viele Versicherer haben noch kein automatisches System, um schnell und einfach Angebote für die Anzahlphase zu errechnen. Die manuelle Erstellung kostet Zeit und Geld, so sich neue Alt-Sparer für die Anbieter kaum rechnen. Doch allmählich geraten die Versicherer unter Zugzwang. Denn 13 Jahre nach Einführung der Riester-Vorsorge wollen immer mehr Sparer in Rente gehen und womöglich auch von ihrem Wechselrecht Gebrauch machen.

"Es ist schön gedacht, dass dieses Recht gesetzlich geregelt ist", kommentiert Axel Kleinlein, der Vorstand des Bundes der Versicherten, das Testergebnis. "Fakt ist jedoch, dass die, die zu Rentenbeginn wechseln wollen, keine wirkliche Möglichkeit haben, dies auch zu tun." Wegen der geringen Flexibilität habe die Riester-Rente "den Sinn und die Berechtigung einer staatlich geförderten Altersvorsorge verloren", so Kleinlein weiter.
 

Quelle: n-tv.de

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