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Donnerstag, 09. März 2017

Papierlose Steuererklärung: Welche Belege will das Finanzamt sehen?

Bahntickets, Apothekenquittungen, Versicherungsabrechnungen - viele Nachweise muss man gar nicht mehr mit der Steuererklärung abgeben. Manchmal ist es aber sinnvoll, es trotzdem zu tun.

Die Ankündigung aus dem Finanzministerium Ende des letzten Jahres klingt erfreulich: "Ab 2017 wird die Steuererklärung leichter", heißt es auf der Website. "Die generellen Belegvorlagepflichten werden weitgehend durch Vorhaltepflichten ersetzt". Quittungen und Nachweise braucht man künftig also nicht mehr mit der Steuererklärung abzugeben, sondern muss sie nur noch auf Nachfrage vorlegen. Eigentlich eine gute Nachricht, doch Erich Nöll, der Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL), ist nicht richtig glücklich darüber. Es ist nicht der Inhalt der Veröffentlichung, der ihn stört, sondern der Zeitpunkt: "Schließlich beschäftigen sich die Menschen derzeit mit der Einkommensteuererklärung 2016." Und für die gelten noch die alten Regeln.

Schon heute kann man auf viele Belege verzichten, wenn man die Steuererklärung per Elster-Verfahren einreicht. Pflicht sind weiterhin:

  • Zuwendungsnachweise, insbesondere Spendenbescheinigungen. Bei Beträgen bis 200 Euro reicht der Kontoauszug.
  • Nachweise über eine Behinderung (gilt nur im ersten Jahr oder wenn es Änderungen gibt).
  • Bescheinigungen über vermögenswirksame Leistungen.
  • Nachweise über die Unterhaltsbedürftigkeit.
  • Steuerbescheinigungen über Kapitalerträge, wenn man keine Kirchensteuer abgeführt hat (gilt nur für Kirchensteuerpflichtige).
  • Steuerbescheinigungen über die anrechenbare Kapitalertragssteuer, wenn man die Günstigerprüfung beantragt hat.
  • Bescheinigungen über anrechenbare Steuern, die man im Ausland abgeführt hat.
  • Die besondere Lohnsteuerbescheinigung, wenn der Arbeitgeber die Lohnsteuerdaten nicht elektronisch an die Finanzverwaltung übermittelt hat (kann bei Minijobs vorkommen).

Lieber gleich einreichen

Bei außergewöhnlich hohen Werbungskosten ist es zumindest sinnvoll, die Belege gleich mit abzugeben, denn das Finanzamt wird wahrscheinlich sowieso danach fragen. Das gilt etwa für beruflich veranlasste Umzugskosten oder wenn man ein häusliches Arbeitszimmer eingerichtet hat. Auch doppelte Haushaltsführung sehen sich die Sachbearbeiter zumindest im ersten Jahr genauer an.

Der Großteil der Steuererklärungen, die per Elster eingehen, wird heute automatisch bearbeitet. Im Hintergrund arbeitet aber ein Risikomanagementsystem. Wenn Angaben nicht schlüssig erscheinen, fällt das auf und es wird "von Hand" kontrolliert. Außerdem werden ständig Steuerfälle im Zufallsverfahren für die Intensivprüfung ausgewählt. Unterlagen sollte man also nicht vorschnell entsorgen, auch wenn sie wahrscheinlich niemand sehen will.

Kleinlichkeit ist weit verbreitet

Für Tankquittungen, Arbeitsmittel oder Beitragsabrechnungen von Versicherungen interessiert sich das Finanzamt normalerweise nicht, solange die Ausgaben im üblichen Rahmen bleiben. Zumindest ist das die offizielle Version der Steuerverwaltung. Die Realität sieht laut den Erfahrungen des BVL dann doch manchmal anders aus. Kleinliche Anforderungen seien keine Seltenheit, berichten die Lohnsteuerhelfer. Ob eine Steuererklärung ohne weitere Belege durchgewunken wird, hängt demnach vom Finanzamt ab, teilweise auch vom jeweiligen Sachbearbeiter. Manchmal müssten Steuerzahler immer wieder Nachweise für Arbeitszimmer oder Mietverträge einreichen, obwohl sich die Ausgaben seit Jahren nicht geändert hätten.

Schickt man die gesetzlich vorgeschriebenen Belege nicht ein, braucht das Finanzamt gar nicht nachzuhaken: Es kann die Angaben in der Steuererklärung einfach ignorieren. Bei Nachweisen, die nicht Pflicht sind, geht das aber nicht. Hat der Sachbearbeiter Zweifel, muss er die Unterlagen anfordern, erläutert Erich Nöll. Doch längst nicht alle machten sich diese Umstände. "Recht häufig" würden Aufwendungen einfach gestrichen, ohne dass nochmal nachgefragt werde. Betroffene können sich dagegen wehren, indem sie dem Steuerbescheid widersprechen. Wer die Sache beschleunigen möchte, gibt Belege im Zweifel lieber gleich mit ab. Das gilt auf jeden Fall noch für die Steuererklärung für 2016. Wie die Finanzämter die neue Belegfreiheit 2017 interpretieren, wird sich zeigen.

Quelle: n-tv.de

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