Ratgeber
Fahrradfahrer in der Innenstadt müssen ihre Fahrweise auf ein erhöhtes Fußgängeraufkommen einrichten.
Fahrradfahrer in der Innenstadt müssen ihre Fahrweise auf ein erhöhtes Fußgängeraufkommen einrichten.(Foto: imago/Stefan Zeitz)

Rechtsfahrgebot missachtet: Wenn der Radler auf der falschen Seite fährt

Fahrradfahrer und Autofahrer werden keine Freunde mehr. Aber auch zwischen Fußgängern und Radlern kann es zu Spannungen kommen. Beispielsweise dann, wenn sich nicht an Gebote gehalten wird.

Bei Streit im Straßenverkehr wird oft die mangelnde Rücksichtnahme dem anderen Verkehrsteilnehmer zum Vorwurf gemacht. Darüber hinaus regeln aber Ge- und Verbote das Miteinander im Verkehr. 

Letztere waren auch in einem vor dem Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt verhandelten Fall Gegenstand, bei dem ein Radfahrer und ein Fußgänger aneinandergerieten - in Form eines Unfalls (Az.: 4 U 233/16). Doch wie konnte es dazu kommen? Die kurze Antwort lautet: durch mangelnde Sorgfalt. Denn der Fahrradfahrer fuhr mit ca. 10-12 km/h in der Gegenrichtung auf dem Fahrradweg in der belebten Innenstadt von Frankfurt am Main. Unglücklicherweise wollte genau zu der Zeit, als der Radler den Weg befuhr, ein Fußgänger diesen überqueren. Da sich beide Verkehrsteilnehmer nicht wahrgenommen hatten, kam es zum Zusammenstoß. Hierbei erlitt der Passant einen schmerzhaften Gelenkbruch.

Wegen der erlittenen Verletzung forderte das Unfallopfer Schmerzensgeld und weiteren Schadensersatz vom Radfahrer, der über keinen Schutz einer Haftpflichtversicherung verfügte.

Das Landgericht Frankfurt verurteilte den Radfahrer zur Zahlung von Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro sowie weiteren Schadensersatzzahlungen. Dem schloss sich auch das OLG Frankfurt im Revisionsverfahren an.   

Was zum einen daran lag, dass der Radfahrer den Fahrradweg verbotswidrig genutzt hatte - denn er hatte gegen das Rechtsfahrgebot verstoßen. Dieses Fehlverhalten löst eine gesteigerte Sorgfaltspflicht aus. Denn der Fußgänger musste nicht mit einem von rechts herannahenden Radfahrer rechnen. Außerdem müssten Fahrradfahrer in der Innenstadt grundsätzlich ihre Fahrweise auf ein erhöhtes Fußgängeraufkommen einrichten. Zum anderen war der Radler in der konkreten Situation auch zu schnell gefahren. Er hätte die Gefährdung insbesondere älterer Menschen ausschließen müssen, was bei seinem Tempo aber nicht möglich gewesen ist.

Da der Beklagte über keine Haftpflichtversicherung verfügt, haftet er persönlich für die Unfallfolgen. Den klagenden Fußgänger trifft jedoch ein Mitschuld in Höhe von 10 Prozent, da er die Straße nicht auf dem 68 Meter von der Unfallstelle entfernten Fußgängerüberweg überquerte.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen