Ratgeber
Mittwoch, 20. August 2014

Baufinanzierung günstig wie nie: Wer nicht aufpasst, zahlt zu viel

Momentan können sich auch Menschen ein Eigenheim leisten, die früher nie ernsthaft über Immobilien nachgedacht haben. Billiges Baugeld macht's möglich. Angebote gibt es reichlich, doch man sollte nicht das erstbeste nehmen.

Wer am Anfang zu wenig tilgt, bleibt auf einem Schuldenberg sitzen.
Wer am Anfang zu wenig tilgt, bleibt auf einem Schuldenberg sitzen.

Seit 2010 sind Immobilien immer teurer geworden, trotzdem waren die eigenen vier Wände in vielen Regionen nie so erschwinglich wie im Moment. Denn die Zinsen für Baukredite sind noch schneller gefallen, als die Preise für Häuser und Wohnungen gestiegen sind. Doch auch wenn das Zinsniveau allgemein im Keller ist, sollte man sich nicht mit dem erstbesten Angebot zufrieden geben. Wer vergleicht, könne auch im Zinstief mehrere zehntausend Euro sparen, schreibt "Finanztest".

Der Zinssatz zwischen den günstigsten und den teuersten Angeboten variiere in der Regel um mindestens ein Prozent, so das Finanzmagazin. Das klingt überschaubar, doch im Laufe der Jahre schlägt der höhere Zins ins Kontor: Bei einem 200.000-Euro-Darlehen mit 20 Jahren Zinsbindung macht ein Prozent am Ende 40.000 Euro Unterschied. Von dem Geld könnte man auch locker die irgendwann fällige Modernisierung bezahlen.

Auch regionale Anbieter prüfen

Die Tester haben für einen Musterfall die Angebote für verschiedene Zinsbindungsfristen überprüft. Der Beispielskäufer braucht für eine 200.000-Euro-Immobilie einen Kredit von 160.000 Euro und tilgt pro Jahr zwei Prozent. Je kürzer er die Zinsen festschreibt, desto billiger kommt er weg – zumindest am Anfang: Bei zehnjähriger Zinsbindung liegen die günstigsten Angebote bei einem Effektivzins von 1,83 Prozent. Zum Vergleich: Der teuerste Anbieter nimmt 2,67 Prozent. Bei 15-jähriger Zinsbindung markieren Kredite mit 2,43 Prozent die Spitze der Tabelle, wer nicht aufpasst, zahlt aber bis zu 3,24 Prozent.

Die bei Finanzprodukten gängige Regel, dass Online-Abschlüsse immer günstiger sind, scheint beim Baugeld nicht zu gelten: Hypovereinsbank, Targobank, Interhyp und Dr. Klein unterhalten zwar ein Filialnetz, waren im Musterfall aber auch nicht teurer als die reinen Web-Anbieter. Nur bei den Darlehen mit 20 Jahren Zinsbindung kam der Beispielkunde beim Online-Vermittler Accedo mit 2,55 Prozent am besten weg. Ein Blick auf die regionalen Angebote kann sich lohnen, wie das Beispiel der Sparda Nürnberg zeigt. Sie bot Kunden in der Region oft sogar die günstigsten Zinsen.

Mini-Tilgung rächt sich

Über die Qualität eines Baudarlehens entscheidet nicht nur der Zins. Wer sich zehn bis zwanzig Jahre bindet, sollte auch auf möglichst hohe Flexibilität achten. Ein Ausstieg ist nach zehn Jahren jederzeit möglich, das ist gesetzlich festgelegt. Vorher wird bei der Kündigung eine Vorfälligkeitsentschädigung berechnet. Sondertilgungen von fünf bis zehn Prozent der Kreditsumme sind bei vielen Anbietern kein Problem, bei manchen können sich die Kunden geleistete Sondertilgungen auch wieder auszahlen lassen, etwa wenn sie später Geld für Modernisierungen brauchen. Weil niemand genau weiß, wie sich das eigene Einkommen in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren entwickelt, sollte auch der Tilgungssatz noch geändert werden können.

Die meisten Banken setzen nur eine Mindesttilgung von einem Prozent der Kreditsumme im Jahr voraus. Für den Einstieg viel zu wenig, warnt die Stiftung Warentest. Zwei bis drei Prozent Tilgung sollte man sich leisten können. Wer sich am Anfang auf eine Minitilgung einlasse, riskiere am Ende die Zwangsversteigerung. Denn wenn die Schulden nur langsam abgebaut werden, bleiben am Ende der Zinsbindung noch eine ganze Menge übrig. Und für die muss dann ein Anschlusskredit abgeschlossen werden, der wahrscheinlich weit höhere Monatsraten erfordert. Denn ewig werden die Zinsen wohl nicht im Keller bleiben.  

Baugeld: Konditionen im Vergleich

Quelle: n-tv.de

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