Ratgeber

Wertsachen weg: Wer zahlt für Diebstahl im Büro?

Von Isabell Noé

Das Handy liegt nach der Raucherpause nicht mehr auf dem Schreibtisch? In der Kantine findet man plötzlich den Geldbeutel nicht mehr? Diebstahl am Arbeitsplatz ist gar nicht so selten. Wer denkt, dass nun automatisch die Firma haftet, irrt sich.

Auch wenn Fremde keinen Zutritt zum Büro haben, sollte man Wertsachen besser nicht unbeaufsichtigt lassen.
Auch wenn Fremde keinen Zutritt zum Büro haben, sollte man Wertsachen besser nicht unbeaufsichtigt lassen.(Foto: imago stock&people)

Handy, Brieftasche, Schmuck oder teure Kleidungsstücke -  erst wenn Dinge verschwinden, fällt einem auf, dass der eigene Arbeitsplatz doch kein so sicherer Ort ist. Manch einer unterschätzt die kriminelle Energie der Kollegen, nicht selten kommen die Täter aber auch von außen. Den bestohlenen Arbeitnehmer interessiert natürlich vor allem eine Frage: Wer kommt für den Schaden auf?

In bestimmten Fällen haftet der Arbeitgeber unabhängig davon, ob er den Diebstahl hätte verhindern können. Dann nämlich, wenn Dinge wegkommen, die der Mitarbeiter dabei hat, weil er sie für seinen Beruf braucht. Das kann das Smartphone sein, das auch dienstlich genutzt wird, oder die Brille, die man für die Bildschirmarbeit benötigt. Der Schutz erstreckt sich auch auf Dinge, die für den Arbeitsweg erforderlich sind, also beispielsweise Geld, Ausweise und Fahrkarten. Hier trifft den Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht, sprich: er muss dafür sorgen, dass das berechtigterweise mitgebrachte Eigentum sicher verwahrt werden kann. Dafür muss er zum Beispiel abschließbare Spinde zur Verfügung stellen – oder eben bezahlen, wenn etwas gestohlen wird.

Keine Haftung für Privatsachen

Die Schutzpflichten des Arbeitgebers waren kürzlich auch Thema eines Verfahrens vorm Landesarbeitsgericht Hamm (Az.: 18 Sa 1409/15). Hier ging es aber nicht um etwas Bargeld oder ein paar Manschettenknöpfe, sondern um Uhren und Schmuck im Wert von rund 20.000 Euro. Ein Mitarbeiter eines Krankenhauses hatte die Wertsachen im Rollcontainer seines Schreibtischs gelagert, um sie später zur Bank zu bringen. Der Ort erschien sicher, schließlich war die Schublade verschlossen und das Büro ebenso. Ein paar Tage später war der Container aufgebrochen, der wertvolle Inhalt verschwunden. Der Dieb hatte sich offenbar mit dem Generalschlüssel Zugang verschafft, der aus einem aufgebrochenen Spind verschwunden war. So weit wäre es nicht gekommen, wenn der Arbeitgeber dafür gesorgt hätte, dass der Generalschlüssel sicher aufbewahrt würde, argumentierte der Bestohlene.

Das Landesarbeitsgericht ließ den Mann aber abblitzen und stellte noch einmal klar, wann der Arbeitgeber für Diebstahlhaften haften muss. Nämlich nur dann, "wenn es sich um Sachen handelt, die ein Arbeitnehmer zwingend, mindestens aber regelmäßig" mit sich führt oder aber "unmittelbar oder mittelbar für die Arbeitsleistung" benötigt. Und davon kann bei privaten Wertsachen eben keine Rede sein. Zumal, wenn der Arbeitgeber überhaupt keinen Überblick habe, welche wertvollen Gegenstände der Arbeitnehmer zur Arbeit mitbringe, befand das Gericht.

Manchmal hilft die Hausratversicherung

Womöglich könnte sich der Mann einen Teil des Geldes aber über die Hausratversicherung zurückholen – zumindest dann, wenn er einen besonders guten Tarif hat. Im Rahmen der sogenannten Außenversicherung können auch Gegenstände versichert sein, die am Arbeitsplatz abhanden kommen. Meistens gelten für die Erstattung allerdings strenge Grenzen. Manche Anbieter zahlen höchstens zehn Prozent der Versicherungssumme, andere erstatten für Schäden außerhalb der eigenen vier Wände allenfalls ein paar 100 Euro.

Außerdem kommt die Hausratversicherung nur dann infrage, wenn der Dieb Hindernisse überwinden musste, um an sein Ziel zu kommen. Also beispielsweise, wenn er ein Zimmer oder einen Tresor aufgebrochen hat. Wird das Handy einfach aus der Handtasche neben dem Schreibtisch entwendet oder die Brieftasche aus der Jacke im Gemeinschaftsraum gestohlen, dann hilft normalerweise auch die beste Police nicht weiter.

Stehen sichere Verwahrungsmöglichkeiten zur Verfügung, dann sollte man die auch nutzen. Wenn Dinge abhanden kommen, die man hätte einschließen können, bezahlt das nämlich weder die Haftpflichtversicherung noch der Arbeitgeber.

Gute Hausratversicherungen finden

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen