Ratgeber

Recht verständlich: Wer zur Arbeit zu spät kommt, fliegt raus?

Ein Gastbeitrag von Dr. Alexandra Henkel

Der Zug fällt morgens aus oder man steckt mit dem Auto im Stau, weil es geschneit hat, die Straßen glatt sind und es einen Unfall gegeben hat – egal, ob Ausrede oder Tatsache: Darf der Arbeitgeber wegen Zuspätkommens kündigen?

Insbesondere wer durch eine Abmahnung zuvor gewarnt war, sollte auf Pünktlichkeit achten.
Insbesondere wer durch eine Abmahnung zuvor gewarnt war, sollte auf Pünktlichkeit achten.(Foto: imago/McPHOTO)

Das Landesarbeitsgericht (LAG) Hamm hat in einem aktuellen Urteil (13 Sa 150/15) noch einmal bestätigt, dass es Sache des Arbeitnehmers ist, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Insbesondere angekündigte schlechte Witterungsbedingungen entschuldigen kein Zuspätkommen. Allerdings darf der Arbeitgeber grundsätzlich nicht beim ersten Fehltritt kündigen, sondern es muss vorher schon Abmahnungen wegen Zuspätkommens oder Ähnlichem gegeben haben.

In dem LAG-Fall hatte es ein Produktionsmitarbeiter eines Wellpappeproduzenten geschafft, innerhalb von circa anderthalb Jahren insgesamt mindestens neun Mal zu spät zu kommen oder gar nicht zur Schicht zu erscheinen und seine Meldung einer Arbeitsunfähigkeit erst im Laufe des Tages oder noch später abzugeben. Er war insgesamt vier Mal abgemahnt worden. In den Fällen des Nichterscheinens musste jeweils ein Kollege aus der vorangegangenen Schicht des 3-Schicht-Betriebes seine Dienstzeit noch mit übernehmen. Das Zuspätkommen war zum Teil auch erheblich, mal 1 ¾ Stunden, mal eine Stunde, mal 22 Minuten, mal 10 Minuten et cetera. Anlass zur Kündigung war dann ein weiteres zu spätes Erscheinen zum Dienst, wobei der Mitarbeiter hier angab, dass er aufgrund der Witterungsverhältnisse mit Glätte durch überfrierende Nässe und Schneeregen nicht in der Lage gewesen sei, pünktlich zu sein.

Dr. Alexandra Henkel MM, Partnerin FPS
Dr. Alexandra Henkel MM, Partnerin FPS

Das Gericht ließ diese Ausrede nicht gelten, weil diese Witterungsbedingungen vorher angesagt waren und der Arbeitnehmer sich darauf hätte einstellen müssen. Außerdem waren alle anderen Mitarbeiter pünktlich zur Frühschicht um 6 Uhr erschienen und die Wetterwarnung, auf die sich der Gekündigte berufen hatte, gab es nach Aussage des Wetterdienstes auch erst später für den Zeitraum ab 8 Uhr. Zudem sei der Mitarbeiter durch die vorangegangenen Abmahnungen ausreichend gewarnt gewesen. Ein erneutes Zuspätkommen nur 3 Monate nach Erhalt der letzten Abmahnung rechtfertigt deshalb eine fristgemäße Kündigung, urteilte das Gericht.

Auch eine andere "Entschuldigung" für ein früheres Nichterscheinen zu einer Schicht war offensichtlich nicht ausreichend – der Mitarbeiter gab an, er sei bei einem Fußball-Bundesligaspiel gewesen und habe mit einem anderen Mitarbeiter die Schicht getauscht und der sei dann nicht erschienen. Aber auch dieses Verhalten ist nicht zulässig und dient nicht als Entschuldigung, wenn entsprechende Dienstwünsche nicht mit dem Vorgesetzten abgesprochen und von diesem genehmigt werden. 

Die Rechtsanwältin Dr. Alexandra Henkel MM ist Partnerin der Kanzlei FPS.

Quelle: n-tv.de

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