Mittwoch, 04. November 2009
"No-go-Area": West-Studenten meiden Osten
Studieren in Ostdeutschland kommt für viele angehende Studenten im Westen nicht infrage. Das hat eine Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) ergeben. Ein Großteil der studieninteressierten Westdeutschen kann sich demnach nicht vorstellen, im Osten zu studieren: 69,6 Prozent halten das für "unwahrscheinlich", wenn es um ihre Ausbildungspläne geht. Befragt wurden mehr als 1500 Personen, die ein Studium planen, davon rund die Hälfte aus dem Westen.
Viele Studienanfänger waren nicht einmal geboren, als die Mauer fiel. Doch in den letzten 19 Jahren hatten sie genug Zeit, um Vorurteile aufzubauen.
(Foto: picture-alliance/ ZB)
Schuld daran sind weniger die Hochschulen im Osten, sondern das schlechte Image der dortigen Studienorte. So halten zwar rund 43 Prozent der Befragten im Westen die Hochschulen in den neuen Bundesländern für gut bis sehr gut. Fast jeder Zweite (rund 48 Prozent) unter den potenziellen Studienanfängern aus den alten Ländern sagt aber, er würde sich bei einem Studium im Osten eher unwohl fühlen. Für nicht wenige ist der Osten sogar eine regelrechte "No-go-Area": 42 Prozent der westdeutschen Befragten fürchten eine hohe Ausländerfeindlichkeit in den neuen Ländern. Und 58 Prozent aller Befragten schrecken die schlechten Jobchancen im Osten ab.
Verhängnisvolle Vorurteile
Studienautor Markus Langer vom Bertelsmann-nahen CHE warnte angehende Studenten jedoch davor, sich vom schlechten Image bei der Studienwahl beeinflussen zu lassen. "Wer sich von Vorurteilen dazu verleiten lässt, die ostdeutschen Hochschulen außer Acht zu lassen, macht einen Fehler", so Langer. Denn die Studienbedingungen an vielen ostdeutschen Hochschulen seien gut. Im Gegensatz dazu dürften sie sich in Westdeutschland verschlechtern: Wegen der doppelten Abiturjahrgänge werde es dort in diesem Jahr noch voller als sonst, sagte Langer. Im Osten ist das ein geringeres Problem, weil hier die Studienanfängerzahlen der Studie zufolge zurückgehen. Das hängt unter anderem mit der Abwanderung von Jüngeren in den Westen zusammen.
Dass die Abneigung gegenüber einem Studium im Osten auf Vorurteilen beruht, zeigt sich Langer zufolge daran, dass selbst die Hochschulen in den neuen Ländern bei Westdeutschen vergleichsweise schlecht abschneiden. So bewerten sie Kriterien wie den Ruf, das Lehrniveau und die Ausstattung eher als mittelmäßig. "Da wird offenbar häufig aus der Ferne geurteilt", sagte Langer. Es lasse sich schließlich kaum abstreiten, dass viele ostdeutsche Hochschulen eine neuere Ausstattung als westdeutsche Einrichtungen haben. Auch fürchten viele Studieninteressierte, dass sie im Osten Studiengebühren zahlen müssen – ein Trugschluss. In keinem der fünf neuen Länder fallen fürs Erststudium Gebühren an.
ino/dpa
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