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Mehr Druck auf Strom- und Gasanbieter: Wie Kunden jetzt profitieren

Wer seinen Strom- oder Gasanbieter wechseln will, kann das künftig noch schneller tun. Das hat die Bundesregierung jetzt beschlossen. Für Verbraucher ist das gut, insbesondere bei Umzügen dürfte nun manches einfacher werden. Doch in der Branche stößt die Neuregelung auf ein geteiltes Echo - gerade Stadtwerke befürchten Probleme.

Schon 1998 wurde die Liberalisierung des Strommarkts beschlossen. Doch längst nicht jeder macht von der Wechselfreiheit Gebrauch.
Schon 1998 wurde die Liberalisierung des Strommarkts beschlossen. Doch längst nicht jeder macht von der Wechselfreiheit Gebrauch.(Foto: picture alliance / dpa)

Kaum ein Monat vergeht ohne die Meldung, dass Strom schon wieder teurer wird. Dabei hat es jeder Bürger selbst in der Hand, die Haushaltskasse stärker zu schonen. Durch einen Wechsel lassen sich teils dreistellige Summen sparen. Und dabei ist es weitaus unkomplizierter als noch vor einigen Jahren, sich einen neuen Anbieter zu suchen. Jetzt will die Regierung die Hürden noch tiefer hängen.

Was genau ist geplant?

Das Bundeskabinett hat den "Entwurf einer Verordnung zur Änderung von Verordnungen auf dem Gebiet des Energiewirtschaftsrechts" beschlossen. Dahinter verbirgt sich die Neuerung, dass künftig schon innerhalb zwei Wochen der Strom- oder Gasanbieter gekündigt werden kann. Bisher betrug die Kündigungsfrist vier Wochen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will so den Wettbewerb stärken - und Preistreiberei verhindern.

Ab wann gilt die Regelung?

Nach der Zustimmung des Bundesrats und der Verkündigung im Bundesgesetzblatt - das kann schon im März oder April passieren. Die Belieferung durch den neuen Anbieter kann jederzeit starten und nicht mehr nur zum Monatsbeginn. Haushaltskunden können derzeit im Schnitt unter 102 Strom- und 37 Gasanbietern auswählen. "Ich kann den Verbrauchern nur raten, die Preise zu vergleichen und von der Möglichkeit des Wechsels auch Gebrauch zu machen", betont Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU).

Wer profitiert besonders?

"Gerade für Verbraucher, die umziehen, ist die Regelung sehr vorteilhaft", sagt Ralph Kampwirth, Sprecher des mit 542.000 Kunden größten deutschen Ökostromanbieters Lichtblick. "Denn wenn sie den Umzug nicht rechtzeitig ihrem bisherigen Versorger melden, dann fallen sie erst einmal automatisch in die teure Grundversorgung zurück." Jetzt könnten Bürger schneller wieder aus den teuren Grundversorgungstarifen etwa der Stadtwerke raus. Für Grundversorger sei es bisher ein gewinnträchtiges Geschäftsmodell gewesen, das jährlich Hunderttausende Umzügler automatisch zu ihren Kunden werden.

Wie sieht es bisher mit der Wechselbereitschaft aus?

Erstaunlicherweise sind viele Bürger beim Strom- und Gasbezug eher Traditionalisten, sie wechseln nicht sehr häufig. Nach Angaben der Bundesnetzagentur verharren noch immer fast 44 Prozent der Bürger im unnötig teuren Grundversorgungstarif ihres örtlichen integrierten Stromversorgers. Aber die Wechselzahl nimmt angesichts seit Jahren stetig steigender Strompreise zu. Kündigten 2007 nur knapp drei Prozent der Kunden ihrem Versorger, waren es 2011 nach Angaben des Vergleichsportals Verivox schon 6,5 Prozent.

Wie hat sich der Strompreis entwickelt?

Laut Verivox stieg der Strompreis örtlicher Versorger seit 2004 von durchschnittlich 17,52 Cent auf rund 25 Cent je Kilowattstunde 2012. So machen die preiswertesten Tarife lokaler Versorger - etwa von Stadtwerken - bei einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden für einen Haushalt laut dem Portal toptarif.de durchschnittlich 973 Euro aus. Bei den günstigen Wettbewerbern sind für das erste Vertragsjahr nur 756 Euro zu zahlen - mehr als 200 Euro weniger.

Wie wird die kürzere Kündigungsfrist insgesamt bewertet?

Gemischt. Der Geschäftsführer des Bundesverbands neuer Energieanbieter (BNE), Robert Busch, betont: "Der Wechsel zu einem seriösen neuen Anbieter wird dadurch noch einfacher und problemloser möglich sein als bisher". Vorsicht sei aber bei Angeboten mit Vorauskasse geboten - das hat das Beispiel des insolventen Anbieters Teldafax gezeigt. Die Stadtwerke und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sehen Probleme durch die kurzen Fristen.

Was könnte problematisch sein?

"Die vertragliche Kündigungsfrist darf man nicht vollkommen losgelöst von Lieferantenwechselprozessen betrachten, die die Bundesnetzagentur festlegt", sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Hans-Joachim Reck. Diese sehen eine Frist von drei Wochen vor. Die Kunden könnten also nach ihrer Kündigung und dem Lieferbeginn ihres neuen Lieferanten erst einen Interims-Zeitraum in der sogenannten Ersatzversorgung durch den örtlichen Grundversorger verbringen, so Reck. Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) betont, die Vorgaben könnten zu Streitigkeiten und damit zu Mehrarbeit für die Schlichtungsstelle Energie führen. "Angesichts der gravierenden Probleme bei der Energiewende handelt es sich hier eher um Kosmetik", so Krawinkel.

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Quelle: n-tv.de

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