"Berater empfehlen das Teuerste"Wie man trotzdem gut riestert
Im letzten Jahr hat man sich die 154 Euro vom Staat wieder durch die Lappen gehen lassen. Doch der Vorsatz steht: Ab 2011 wird geriestert! Wenn das denn so einfach wäre – denn meist fangen die Probleme schon vor dem Vertragsabschluss an.
"Oft wird den Kunden einfach das teuerste Produkt angeboten", warnt Peter Lischke von der Verbraucherzentrale in Berlin. Statt günstiger Banksparpläne würden den Kunden Versicherungen verkauft. Die sind für die Banken profitabel, für die Verbraucher aber meist mit höheren Kosten verbunden.
Das belegt auch eine Studie des Instituts für Vermögensaufbau. Die meisten der bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) registrierten Riester-Produkte sind demnach festverzinsliche Banksparpläne. Die Vermittler lassen sie aber links liegen: Die am meisten abgeschlossene Produktvariante ist die klassische Rentenversicherung. Susanne Meunier von der Stiftung Warentest sieht noch ein weiteres Problem: Viele Produkte seien nicht transparent, kritisiert sie. Bei der Untersuchung für das aktuelle Sonderheft von "Finanztest" zum Thema Riester-Rente stellte sich heraus: Die Anbieter kommen ihren Informationspflichten nicht immer ausreichend nach. Das zeige sich etwa bei den Kosten.
Per Gesetz dürfen die Kosten für einen Riester-Vertrag nicht auf einen Schlag abgerechnet werden. Sie müssten sich über die ersten fünf Jahre der Vertragslaufzeit verteilen. "Es gibt aber keine gesetzlichen Vorschriften dafür, wie die Kosten für die Verträge ausgewiesen werden sollen", stellt Meunier fest. Die Folge: Kunden könnten in ihren jährlichen Abrechnungen nicht immer sofort erkennen, wie hoch die Abschluss- und Vertriebskosten tatsächlich sind. "Viele Aufstellungen überfordern einen normalen Kunden", kritisiert Meunier. Ideal wäre aus Sicht von Stiftung Warentest eine Gesamtkostenquote, die verdeutlicht, wie viel von den Einzahlungen für die Kosten verbraucht wird.
Keine Angst vor Fehlern
Trotz der Fallstricke ist das Riester-Sparen nach wie vor beliebt. Im dritten Quartal 2010 kamen nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums 234.000 Neuverträge hinzu, seit Jahresbeginn waren es gut 830.000. Für die Eigenheim-Rente, besser bekannt als "Wohn-Riester", entschieden sich im dritten Quartal 65.000 Bürger.
Grundsätzlich begrüßt Meunier diesen Trend: "Sparen mit Riester-Verträgen ist sinnvoll", sagt die Expertin. Die staatliche Förderung sorge am Ende dafür, dass in jedem Fall ein kleines Plus übrig bleibt. "Die private Vorsorge ist wichtig, besonders für junge Menschen", gibt auch Lischke zu bedenken. Aus lauter Angst, etwas falsch zu machen, sollte man aber nicht auf die Altersvorsorge verzichten. "Wichtig ist, ein passendes Produkt zu finden", sagt Lischke. Wer später möglicherweise ein eigenes Haus bauen will, sollte gleich über einen Wohn-Riester-Vertrag nachdenken. Für Sparer mit wenig Geld eignet sich ein Banksparplan. "Stellen Sie Ihrem Berater so viele Fragen wie möglich", rät der Verbraucherschützer. Auch objektive Vergleiche, etwa durch die Stiftung Warentest, bieten Orientierung.
Wer feststellt, dass die abgeschlossene Police doch nicht das Wahre ist, sollte nicht voreilig kündigen. Stattdessen wird der Vertrag am besten beitragsfrei gestellt und das Guthaben am Ende der Laufzeit ausgezahlt, sagt Meunier. Die monatlichen Beiträge, die so gespart würden, könnten in neue, bessere Verträge gesteckt werden. "Bei Riester gibt es immer einen Ausweg", sagt Lischke.